Die Christkönigskirche ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das schlichte Gotteshaus im Stil der Nachkriegsmoderne entstand von 1962 bis 1965 nach Plänen des Architekten Rainer Serve (Stuttgart). Mit ihrem freistehenden, 37 Meter hohen Glockenturm (Campanile) im Stile des Brutalismus dominiert die Christkönigskirche zusammen mit dem Kirchturm der evangelischen Matthäuskirche das Stadtviertel.
Geschichte Mit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich 1535 war Backnang wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch geworden. Katholiken stellten fortan nur noch eine sehr kleine Minderheit dar. Zu den wenigen „Altgläubigen“ gehörten beispielsweise einige Augustiner-Chorherren des Stifts Backnang, die sich der Reformation nicht anschließen wollten. 1593 starb der letzte katholisch gebliebene Chorherr. Damit war das Stift endgültig erloschen. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Stift kurzzeitig von Jesuiten unter Michael Weidenhiller neu besiedelt. Die Jesuiten bemühten sich, die Backnanger zu rekatholisieren, hatten aber keinen Erfolg. Nach dem Westfälischen Frieden mussten die Jesuiten die Stadt wieder verlassen.Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 150. Im 17. und 18. Jahrhundert blieb Backnang eine rein evangelische Stadt. Erst im 19. Jahrhundert zogen wieder katholische Christen nach Backnang, doch blieb ihre Zahl gering. Zum Zeitpunkt der Deutschen Reichsgründung (1871) lebten im gesamten Stadtgebiet lediglich 71 Katholiken. 1894 wurde die Johanneskirche in der Bahnhofstraße gebaut. Damit konnten erstmals nach der Reformation wieder katholische Messen gefeiert werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Zahl der Katholiken durch Ansiedlung tausender Heimatvertriebener aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs sowie aus dem ehemaligen Österreich-Ungarn stark zu, sodass die Johanneskirche bald zu klein wurde. Bis 1970 sollte der katholische Bevölkerungsanteil auf über ein Viertel (25,9 %) steigen.Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 318. Im Nordosten Backnangs entstanden die ausgedehnten Neubaugebiete Plaisir, Plattenwaldsiedlung und Taus. In letzterem Wohnquartier wurde 1956 ein Bauplatz erworben. Für die Planungen der neuen Kirche konnte Rainer Serve aus Stuttgart gewonnen werden. Baubeginn war im September 1962. Die Grundsteinlegung erfolgte 1963. Das Richtfest konnte im Oktober 1964 gefeiert werden. Die Kirchweihe erfolgte schließlich am 26. Juni 1965 durch den Diözesanbischof von Rottenburg, Carl Josef Leiprecht.
Die Baukosten für die Christkönigskirche betrugen etwa 1,2 Millionen Deutsche Mark, die größtenteils von der Kirchengemeinde selbst aufgebracht werden mussten.
Pfarrer
1965–2003: Pfr. Josef Schnitzer (von 1965 bis 1969 als Kurat) 2003–2014: Pfr. Ulrich Kloos seit 2014: Pfr. Wolfgang Beck
Architektur und Innenausstattung mini|Spätgotische Madonna (Nachbildung) Die Form des Kirchenschiffs basiert auf einem Trapez und bietet Platz für etwa 500 Kirchgänger. Der Kirchturm besteht aus vier asymmetrischen Betonwänden, an denen vier quadratische Ziffernblätter angebracht sind.
Die Innenausstattung ist entsprechend der Nachkriegsmoderne schlicht gehalten; auf ein Altarkreuz wurde verzichtet. Stattdessen schuf Alfred Seidel ein kreuzförmiges Mosaik aus Natursteinen über dem Altar an der Chorwand. Es zeigt Jesus Christus nicht als Leidenden, sondern als Herrschenden. Seine ausgestreckten Hände tragen die Erdkugel sowie das Buch mit den sieben Siegeln aus der Offenbarung des Johannes. Die Kreuzwegstationen stammen ebenfalls von Alfred Seidel.
Die Buntglasfenster aus Echtantikglas zeigen Szenen aus dem Evangelium: Die Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus, seine Passion und Kreuzigung auf Golgatha sowie den Auferstandenen mit seinen Wundmalen. Das Emporenfenster zeigt den Psalmendichter König David mit seiner Harfe. David gilt als Vorfahre Marias und Josefs sowie als der ideale König der Bibel. Mit ihm wird auch auf den von den Propheten verheißenen „neuen David“ Jesus und auf seine erwartete Herrschaft hingewiesen.
Bemerkenswert ist eine Marienstatue, bei der es sich um eine Nachbildung einer spätgotischen Madonna handelt.
Orgel mini|Kreisz-Orgel von 1997 1968 erhielt die Kirche ihre erste Orgel von der Firma Walcker. Diese Orgel passte mit ihrer geringen Größe (10 Register) jedoch nicht zu der Christkönigskirche. Daher wurde beschlossen, die Orgel auszuwechseln. In den 1990er Jahren wurde eine neue Orgel bei der Firma Michael Kreisz (Schwäbisch Gmünd) bestellt und 1997 eingebaut. Die Orgel hat 34 Register. Das Gehäuse der Orgel ist aufwendig gestaltet und soll mit seinen zwölf Türmen auf das himmlische Jerusalem hinweisen. Die kleine Walcker-Orgel befindet sich heute in der Kirche St. Josef in Großaspach.
Die Disposition der Kreisz-Orgel lautet: I Hauptwerk 1.Bourdon16′2. Principal8′3. Spitzflöte8′4.Oktave4′5. Nachthorn4′6.Quinte′7.Oktave2′8. Mixtur2′9.Trompete8′Tremulant II Brustwerk10.Rohrgedeckt8′11.Quintadena8′12.Flöte4′13.Nazard′14.Oktave2′15.Terz′16.Quinte ′17.Cymbel′18.Vox humana8′Tremulant III Schwellwerk19.Lieblich Gedeckt16′20.Holzflöte8′21.Gamba8′22.Vox coelestis8′23.Geigenprinzipal4′24.Holztraverse4′25.Flautino2′26.Basson-Hautbois8′27.Cromorne8′Tremulant Pedal28.Subbaß16′29.Violon16'30.Oktavbaß8′31.Bourdon8′32.Tenoroktave4′33.Bombarde16′34.Tuba8′
Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P III 16′/III, III/4′/III, III 16′/I, III 4′/P
Glocken Die Glocken lieferte 1967 die Glockengießerei Bachert aus Bad Friedrichshall-Kochendorf. Ursprünglich war für die Christkönigskirche ein vierstimmiges Geläut vorgesehen. Aus finanziellen Gründen wurde 1967 auf die Bestellung einer vierten Glocke verzichtet. Möglicherweise wird das Geläut noch um eine vierte Glocke ergänzt. +ÜbersichtGlockeSchlagtonGewichtInschriftGlockenzier1es″1250 kgICH LEBE, UND AUCH IHR WERDET LEBEN Lebensstrom und Lebensbaum2f″865 kgMEINEN FRIEDEN GEBE ICH EUCH Sieben Feuerfackeln3as″655 kgIHR ALLE ABER SEID BRÜDER Weinstock
Bischof-Sproll-Denkmal mini|Bischof-Sproll-Stele Vor dem Haupteingang der Kirche erinnert die Bischof-Sproll-Stele an den Bischof Joannes Baptista Sproll, der schon früh ein Gegner des NS-Staates wurde. Sproll wurde deshalb gegen seinen Willen 1938 aus seiner Diözese entfernt. Die Kriegsjahre verbrachte er in Bayern und konnte erst nach dem Krieg zurückkehren. Die Stele hat die Form eines Leuchtturms. Die Aufstellung erfolgte mit Hilfe der Stiftung Wegezeichen.
Literatur
Pfarrer Ulrich Kloos, Michael Ziegler: 40 Jahre Christkönigskirche. In: Backnanger Jahrbuch, Band 14, Backnang 2006, S. 257–258. Pfarrer Ulrich Kloos: Die Geschichte der Katholiken Backnangs. Wie sich vor 120 Jahren wieder katholisches Leben in Backnang entwickelte. In: Backnanger Jahrbuch, Band 22, Backnang 2014, S. 122–143. Birgit Heuckeroth: 50 Jahre Christkönigskirche. In: Backnanger Jahrbuch, Band 24, Backnang 2016, S. 279–281.
Einzelnachweise
Backnang Kategorie:Bauwerk der Moderne im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Bauwerk des Brutalismus in Baden-Württemberg Kategorie:Kirchengebäude des Brutalismus Backnang Kategorie:Bauwerk aus Beton Kategorie:Disposition einer Orgel Backnang Backnang Kategorie:Kirchengebäude in Backnang Backnang Christkonigkirche