Der Libanonkrieg 2026 ist ein seit dem 2. März 2026 andauernder militärischer Konflikt im Libanon und in Israel zwischen Israel und der libanesisch-schiitischen Hisbollah. Im Verlauf des Krieges wurden über 3000 Menschen getötet und fast 1,2 Millionen Menschen, also 20 % der Gesamtbevölkerung des Libanons, vertrieben, was eine humanitäre Krise auslöste.

Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah begannen im Oktober 2023 als Reaktion auf die Raketenangriffe der Hisbollah vom Libanon aus. Dies führte im Oktober 2024 zur israelischen Bodenoffensive im Südlibanon. Die Hisbollah verstieß gegen die ausgehandelte Waffenruhe, indem sie ihre Infrastruktur und ihr Waffenarsenal wieder aufbaute und das Gebiet südlich des Litani nicht räumte. Trotz des Waffenstillstandes führte Israel weiterhin nahezu täglich Luftschläge gegen libanesisches Territorium durch, wodurch 500 Menschen getötet wurden, darunter 127 Zivilisten. Infolge des Kriegs kommt es zu deutlichen Schäden an der Vegetation.Waldbrände, Bagger und Chemikalien: Wie Israel ganze Landstriche im Südlibanon unbewohnbar macht (Der Standard, 12. August 2026, abgerufen am 18. August 2026)

Am 28. Februar 2026 begannen Israel und die Vereinigten Staaten einen Krieg gegen den Iran, in dessen Verlauf der damalige iranischen Obersten Führer Ali Chamenei getötet wurde. Als Reaktion darauf nahm die Hisbollah die Raketenangriffe auf Israel wieder auf. Israel reagierte mit Luftangriffen im gesamten Libanon, einschließlich der Hauptstadt Beirut. Am 16. März 2026 begann Israel Bodenoperationen im südlichen Libanon mit fünf Divisionen.

Die libanesische Regierung verurteilte die Hisbollah öffentlich für die Raketenangriffe, da diese eine Verletzung des Waffenstillstandsabkommens und der Regierungsentscheidungen über Krieg und Frieden darstellten. Sie verbot daraufhin jegliche militärischen Aktivitäten der Hisbollah und forderte diese auf, ihre Waffen unter staatliche Kontrolle zu stellen und weitere unautorisierte Angriffe von libanesischem Territorium aus zu unterlassen.

Der Iran hat im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten einen Waffenstillstand im Irankrieg 2026 an die Beendigung des Libanon-Krieges und der Angriffe auf die Hisbollah geknüpft.

Hintergrund

Nach dem Ausbruch des Krieges in Israel und Gaza im Oktober 2023 gerieten Israel und die libanesisch-schiitische Hisbollah in einen Konflikt, der Teil einer längeren Reihe von Feindseligkeiten zwischen beiden Ländern seit der Gründung der Hisbollah um 1982 ist. Einen Tag nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 begann die Hisbollah Angriffe gegen Israel angeblich aus Solidarität mit den Palästinensern und dem unmittelbaren Beginn der israelischen Bombardierung des Gazastreifens. Als Reaktion darauf startete Israel im Oktober 2024 eine Bodenoffensive im Südlibanon und zog sich nach einem von den Vereinigten Staaten vermittelten Waffenstillstand Ende November zurück, jedoch nicht ohne zuvor den Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah zu töten. Zwischen November 2024 und März 2026 kam es jedoch zu mehreren Waffenstillstandsverletzungen zwischen den beiden Seiten und Israel führte auch ein Jahr nach dem Waffenstillstand fast täglich Angriffe auf den Libanon durch.

Am 28. Februar 2026 starteten die Vereinigten Staaten und Israel einen gemeinsamen Angriff gegen den Iran, der Höhepunkt einer geopolitischen Krise, die um den Jahreswechsel begonnen hatte. Die Hisbollah verurteilte die Angriffe und erklärte: „Wir sind zuversichtlich, dass der amerikanische und israelische Feind eine schwere Niederlage erleiden und aus seiner tyrannischen, kriminellen Aggression nichts als Misserfolg ernten wird.“ Im Verlauf der Kampagne wurde der iranische Oberste Führer Ali Chamenei bei US-amerikanisch-israelischen Angriffen getötet. Nach der iranischen Bestätigung seines Todes am 1. März schwor Hisbollah-Generalsekretär Naim Kassim Vergeltung und erklärte, die Hisbollah werde „einer harten, entschiedenen und abschreckenden Strafe“ dabei durchführen. Später behauptete die Hisbollah, der Angriff sei ein „Verteidigungsakt“ gewesen, nachdem Israel trotz eines Waffenstillstands über ein Jahr lang Angriffe verübt hatte. In der Erklärung hieß es weiter, man habe die Kämpfe wieder aufgenommen, um Israel zu zwingen, seine Aggression zu beenden und besetzten libanesischen Gebiete zu räumen. Dabei wurde betont, dass dieser Schritt in keinem Zusammenhang mit dem Irankrieg 2026 stehe.

Verlauf

Das libanesische Gesundheitsministerium am 19. März 2026 teilte mit, 1.024 Menschen seien infolge des Krieges getötet und 2.740 verletzt worden. Die Angaben beziehen sich auf die Zeit seit Beginn des Irankriegs 2026 und des Krieges.

Reaktionen Libanon Libanesische Regierung Am 2. März 2026 verurteilte der libanesische Premierminister Nawaf Salam die Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah aus dem Südlibanon. Er bezeichnete sie als „unverantwortliche Handlungen“ außerhalb der staatlichen Autorität, die die nationale Sicherheit gefährden. Obwohl er betonte, dass alle militärischen Aktionen unter der Kontrolle der Regierung stehen müssten, erklärte er die Hisbollah nicht formell für verboten, sondern konzentrierte sich stattdessen auf die Verhinderung unautorisierter bewaffneter Operationen.

Nach einer Dringlichkeitssitzung des libanesischen Kabinetts, die aufgrund der eskalierenden Angriffe am frühen Morgen des 2. März 2026 einberufen worden war, verkündete Salam ein vollständiges Verbot aller militärischen Aktivitäten der Hisbollah. Er forderte die Gruppe auf, ihre Waffen an den Staat abzugeben und sich ausschließlich auf politische Aktivitäten zu beschränken. Er bekräftigte, dass Entscheidungen über Krieg und Frieden allein dem Staat obliegen, wies jegliche unautorisierte Aktionen von libanesischem Territorium zurück und rief die Sicherheitskräfte auf, solche Verstöße zu verhindern und die Verantwortlichen festzunehmen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Libanons berichtete, dass Justizminister Adel Nassar den Generalstaatsanwalt am Kassationshof, Jamal Hajjar, und den Regierungskommissar am Militärgericht beauftragt habe, die Sicherheitskräfte mit der sofortigen Festnahme derjenigen zu beauftragen, die an den Raketenangriffen aus dem Südlibanon auf Israel beteiligt waren.

Die libanesische Regierung kündigte am 5. März an, alle Personen im Libanon, die Verbindungen zur Hisbollah und zu den iranischen Revolutionsgarden haben, „festzunehmen und abzuschieben“. Dies führte zur Ausreise von mehr als 150 iranischer Staatsangehörige, darunter Offiziere und Diplomaten, aus dem Libanon. Bei den meisten der Ausreisenden handelt es sich vermutlich um Mitglieder der Quds-Einheit, die als Militärberater für die Hisbollah tätig waren und deren Operationen beeinflussten.

Präsident Joseph Khalil Aoun erklärte, nur der Staat Libanon könne seine Bürger schützen und niemand habe erwartet, dass das Land erneut zum Schauplatz fremder Kriege werde. Informationsminister Paul Morkos ordnete an, dass alle Medien – Fernsehen, Radio und die nationale Nachrichtenagentur – den Begriff „Widerstand“ im Zusammenhang mit der Hisbollah nicht mehr verwenden dürfen.

In einem Interview mit dem saudi-arabischen Fernsehsender Al Hadath am 22. März 2026 erklärte Salam, die Islamischen Revolutionsgarden führten die Hisbollah in ihrem Krieg gegen Israel an, und dieser Krieg sei dem Libanon aufgezwungen worden. „Es handelt sich um die Revolutionsgarden, die präsent sind und Militäroperationen im Libanon leiten. Diese Leute sind mit gefälschte Pässen illegal ins Land eingereist.“ Er erwähnte die beispiellose Entscheidung der Regierung, die militärischen Aktionen der Hisbollah zu verbieten, und forderte sie auf, ihre Waffen zu entwaffnen und dem Staat zu übergeben.

Am 24. März 2026 erklärte die libanesische Regierung den iranischen Botschafter im Libanon, Mohammad Reza Sheibani, zur Persona non grata und forderte ihn auf, das Land bis zum 29. März zu verlassen. Als Grund gab sie die andauernde Einmischung des Iran in die inneren Angelegenheiten des Libanon an. Der Botschafter blieb allerdings trotz Ablauf der Frist im Land.

Hisbollah Die Hisbollah verurteilte die libanesische Regierung nach deren Verbot ihrer militärischen und sicherheitspolitischen Aktivitäten und erklärte: „Wir verstehen die Ohnmacht der libanesischen Regierung angesichts des brutalen zionistischen Feindes, der die nationale Souveränität verletzt, Land besetzt hält und eine ständige Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität des Landes darstellt.“ Die Hisbollah betonte, es sei das Recht der Regierung, „über Krieg und Frieden zu entscheiden“, und schloss: „Angesichts dieser offenkundigen Schwäche und Unzulänglichkeit sehen wir keine Rechtfertigung dafür, dass Premierminister Salam und seine Regierung solch aggressive Maßnahmen gegen die Libanesen ergreifen, die die Besatzung ablehnen.“ Später erklärte die Hisbollah, ihr Angriff sei ein „Verteidigungsakt“ gewesen, nachdem die israelischen Angriffe trotz einer Waffenruhe über ein Jahr andauerten. Sie fügte hinzu: „Seit fünfzehn Monaten geht die israelische Aggression gegen den Libanon mit Tötungen, Zerstörungen, Planierraupen und allen Formen krimineller Handlungen weiter.“

Andere politische Parteien in Libanon Viele andere politische Parteien im Libanon drückten ihre Bestürzung über das Vorgehen der Hisbollah aus und forderten die libanesische Regierung auf, die Hisbollah zu entwaffnen.

In einem Treffen zwischen christlichen libanesischen Vertretern und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron gingen die christlichen Forces Libanaises sogar so weit, vorzuschlagen, ihre gleichnamige Parteimiliz wieder zu bewaffnen, um die ihrer Ansicht nach mangelnden Bemühungen der libanesischen Regierung um die Entwaffnung auszugleichen.

Israel Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) erklärten, sie würden „nicht zulassen, dass die Hisbollah eine Bedrohung für den Staat Israel darstellt und die Bewohner des Nordens gefährdet“ und warfen ihr zudem vor, „den Staat Libanon zu zerstören“. IDF-Sprecher Effie Defrin sagte: „Die Hisbollah hat letzte Nacht das Feuer eröffnet. Wir haben sie gewarnt. Sie wird einen hohen Preis dafür zahlen.“ Auf die Frage nach einem möglichen Bodenangriff auf den Libanon erklärte Defrin, „alle Optionen liegen auf dem Tisch“. Israel drohte indirekt mit Angriffen auf Ziele der libanesischen Regierung, sollte diese nicht gegen die Hisbollah vorgehen. Der libanesische Außenminister Youssef Rajji gab bekannt, der Libanon habe „Warnungen erhalten, wonach jede Intervention der Hisbollah Israel zu Angriffen auf Infrastrukturziele veranlassen könnte“.

International Staaten Frankreich verurteilte Anfang März 2026 die Angriffe der Hisbollah auf Israel und bekundete seine Solidarität mit Libanon und den israelischen Zivilisten, die von den iranischen Angriffen betroffen sind. Nach den Angriffen Israels auf den Libanon am 8. April 2026, nach Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen dem Iran und Israel, sprach der französische Präsident Macron dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun die Solidarität Frankreichs aus. „Wir verurteilen diese Angriffe auf das Schärfste“, so Macron. Sie stellten eine direkte Bedrohung für den gerade erzielten Waffenstillstand dar. Auch die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan kritisierte am 9. April die neue Welle von Angriffen aufs Schärfste und forderte eine umfassende Waffenruhe ausdrücklich auch für den Libanon.

Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa erklärte seine Unterstützung für die Bemühungen der libanesischen Regierung zur Entwaffnung der Hisbollah. Syrien warnte außerdem vor einer Reaktion auf jeden Angriff auf sein Territorium, nachdem es die Hisbollah beschuldigt hatte, Stellungen der syrischen Armee angegriffen und Truppen an die Grenze verlegt zu haben.

Spanien verurteilte die israelischen Angriffe auf den Libanon aufs Schärfste und forderte die uneingeschränkte Einhaltung der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates.