Budapesti Honvéd Sportegyesület (kurz: BHSE) ist ein ungarischer Mehrsparten-Sportverein mit Sitz in Budapest. Der Verein wurde 1949 gegründet und war ursprünglich als Zentraler Sportklub der Armee eng mit dem ungarischen Verteidigungsministerium verbunden. Er zählt zu den traditionsreichsten und erfolgreichsten Sportvereinen Ungarns, insbesondere im olympischen Leistungssport.

Zahlreiche Abteilungen des Vereins haben internationale Erfolge erzielt. Besondere Bedeutung haben dabei die Fuß-, Hand-, Volley-, Wasser- sowie Basketballspieler, Fechter und Ringer. Die Schachabteilung wurde zwischen 1969 und 1998 insgesamt 17-mal ungarischer Mannschaftsmeister,Liste nationaler Mannschaftsmeister im Schach bei olimpbase.org (englisch) 1988, 1993 und 1995 Zweiter im Europapokal (englisch) und veranstaltete in dieser Zeit Großmeister-Turniere.

Geschichte

Gründung und frühe Jahre (1949–1956) mini|hochkant|Sitz von Budapesti Honvéd SE Die Idee eines eigenständigen Sportverbandes des Verteidigungsministeriums entstand in Ungarn Ende der 1940er Jahre im Zuge der politischen Umstrukturierung hin zu einem Einparteiensystem. Die Staatsführung beschloss die Schaffung eines repräsentativen Sportvereins unter der Leitung des Verteidigungsministeriums.

Im Sommer 1949 wurde der Verein maßgeblich durch den damaligen Generalstabschef sowie László Rózsa, Leiter der Sportabteilung des Verteidigungsministeriums, gegründet.Vereinsgeschichte BHSE Am 18. Dezember 1949 nahm der Verein durch die Übernahme des Fußballvereins Kispesti AC im Rathaus von Kispest offiziell seine Tätigkeit auf.Historische Quellen zur Vereinsgründung Dieses Datum gilt als offizieller Gründungstag.

Im Januar 1950 wurde durch das Verteidigungsministerium eine Sportfördergruppe eingerichtet, in der zahlreiche Spitzensportler bis 1954 als Sportsoldaten dienten. Dazu entstand ein Sportregiment, das den Athleten ausgezeichnete Trainings- und Lebensbedingungen bot. Bereits in der Anfangsphase verfügte der Verein über umfangreiche finanzielle und infrastrukturelle Ressourcen. Es wurden Trainingsanlagen geschaffen und mehrere Abteilungen aufgebaut. Die gezielte Förderung führte dazu, dass viele der besten ungarischen Sportler und Trainer zum Verein wechselten.

Die sportlichen Erfolge spiegelten sich insbesondere in den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki sowie den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne wider.

Krise und Konsolidierung (1956–1970)

Nach den Olympischen Spielen 1956 führte die politische Situation in Ungarn dazu, dass zahlreiche Spitzensportler im Ausland blieben. Gleichzeitig verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Vereins. Infolge dieser Entwicklungen kam es zu einer ersten größeren Umstrukturierung. Mehrere Abteilungen wurden aufgelöst, um die verbleibenden erfolgreichen Sportarten gezielt zu fördern. In den 1960er Jahren begann eine Phase des Wiederaufbaus. Der Verein intensivierte die sportwissenschaftliche Ausbildung und legte verstärkt Wert auf Nachwuchsförderung. Durch die Verpflichtung qualifizierter Trainer gelang es, an frühere Erfolge anzuknüpfen.

Besonders erfolgreich waren in dieser Zeit die Abteilungen für Leichtathletik, Fechten und Moderner Fünfkampf. Gleichzeitig wurden neue Schwerpunkte in Ballsportarten sowie im Kampfsport (Boxen und Ringen) gesetzt.

Internationale Erfolge (1970–1989)

Die in den 1960er Jahren eingeleiteten Maßnahmen führten in den 1970er Jahren zu internationalen Erfolgen. Athleten des Vereins errangen Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen in zahlreichen Sportarten.

In mehreren olympischen Zyklen gewannen Sportler des Vereins Medaillen in insgesamt elf Disziplinen. Obwohl nur eine Goldmedaille (1980 in Moskau) erzielt wurde, belegte der Verein regelmäßig Spitzenplätze in der Gesamtwertung der Sportverbände. Neben den traditionellen Disziplinen etablierte sich der Verein auch in Sportarten wie Boxen, Ringen, Judo und Kanusport. Ein besonderer Erfolg gelang 1982, als die Handballmannschaft als erste ungarische Mannschaft den Europapokal der Landesmeister gewann. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul erreichte der Verein einen Höhepunkt seiner Geschichte: 34 Athleten nahmen teil und waren an insgesamt sieben Goldmedaillen beteiligt.Olympische Berichte 1988 Die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles wurden aufgrund des Boykotts nicht besucht; stattdessen nahmen die Athleten an alternativen Wettbewerben teil.

Umbruch und Neuorientierung (ab 1989)

Mit dem politischen Wandel in Ungarn und dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems begann eine neue Phase für den Verein. Das 1989 verabschiedete Vereinsgesetz führte zu grundlegenden strukturellen Veränderungen. Das Präsidentenamt wurde entmilitarisiert, und der Verein wandelte sich zu einer unabhängigen zivilen Organisation, blieb jedoch weiterhin mit dem Verteidigungsministerium verbunden. Im Zuge der Umstrukturierung wurden mehrere Abteilungen aufgelöst, darunter Volleyball, Wasserball, Ringen, Reiten, Schach, Skisport, Gewichtheben und Boxen.1991 wurde die Fußballabteilung ausgegliedert und trat zunächst unter dem Namen Kispest-Honvéd FC auf. Seit 2003 trägt sie den Namen Budapest Honvéd FC.

Das neue demokratische System stellte den Verein vor wirtschaftliche Herausforderungen. Neben staatlicher Unterstützung wurden zunehmend Sponsoren als Finanzierungsquelle gewonnen. Diese neue Struktur ermöglichte die Weiterentwicklung des Vereins. Mehrere Sportarten, darunter Moderner Fünfkampf, Turnen und Kanusport, wurden wieder aufgenommen. Seit 2017 existiert erneut eine Sportfördergruppe bei den ungarischen Streitkämpfen, die bei Honvéd trainieren.

Struktur und Sportarten

Budapesti Honvéd Sportegyesület ist ein Mehrspartenverein, der zahlreiche olympische und nicht-olympische Disziplinen umfasst. Historisch lag der Schwerpunkt auf:

Leichtathletik Fechten Moderner Fünfkampf Schwimmen Wasserball Handball Kampfsportarten (u. a. Boxen, Ringen, Judo)

Die Zusammensetzung der Abteilungen unterlag im Laufe der Zeit mehrfachen Veränderungen, insbesondere infolge politischer und wirtschaftlicher Umstrukturierungen.

Abteilungen

Männer-Fußball

Ungarische Meisterschaft (14): 1949/50, 1950, 1952, 1954, 1955, 1980, 1984, 1985, 1986, 1988, 1989, 1991, 1993, 2017 Ungarischer Pokalsieger (8): 1926, 1964, 1985, 1989, 1996, 2007, 2009, 2020 Mitropapokal: 1959

Frauen-Fußball Ungarischer Fußballpokal der Frauen Finalist: 2016

Basketball Ungarische Meisterschaft (33): 1952, 1953, 1954, 1955, 1957, 1958, 1959, 1960, 1961, 1962, 1963, 1964, 1965, 1966, 1967, 1968, 1969, 1971, 1974, 1976, 1977, 1978, 1979, 1981, 1982, 1983, 1984, 1985, 1986, 1993, 1994, 1995, 1997 Vizemeisterschaft: 1956, 1970, 1972, 1975, 1987, 1996, 1998 Ungarischer Pokalsieger (17): 1953, 1954, 1955, 1962, 1963, 1964, 1966, 1967, 1968, 1973, 1977, 1978, 1982, 1983, 1986, 1989, 1991 Finalist: 1965, 1970, 1972, 1975, 1976, 1985, 1990, 1996, 1997

Handball

Ungarische Meisterschaft (14): 1952, 1963, 1964, 1965, 1966, 1967, 1968, 1972, 1976, 1977, 1980, 1981, 1982, 1983 Ungarischer Pokalsieger: 1952, 1964, 1967, 1968, 1971, 1972, 1983 Europapokal der Landesmeister

Sieger (1): 1982 Finalist: 1966

EHF Champions Trophy: Finalist 1982

Volleyball Ungarische Meisterschaft (6): 1964, 1965, 1966, 1967, 1980, 1981 Ungarischer Pokalsieger (5): 1963, 1965, 1966, 1967, 1968

Wasserball

LEN Champions League Sieger: 2004 Finalist: 2002, 2003, 2005 European Aquatics Super Cup Sieger: 2004. Ungarische Meisterschaft (5): 2001, 2002, 2003, 2004, 2005 Vizemeisterschaft: 1967, 2007 Ungarischer Pokal Sieger: 1953, 1954, 1958, 1959, 1979, 1999, 2006, 2010 Finalist: 1955, 1957, 1960, 1961, 1964, 1965, 1966, 2011

Kajak und Kanu István Beé, mehrfacher Weltmeister Bence Dombvári, Vizeweltmeister Gábor Horváth, zweifacher Olympiasieger, mehrfacher Weltmeister Roland Kökény, Weltmeister Ferenc Novák, Olympiasieger 2000, mehrfacher Weltmeister Botond Storcz, dreifacher Olympiasieger (2000, 2004) Ákos Vereckei, zweifacher Olympiasieger (2000, 2004), mehrfacher Weltmeister

Ringen János Varga, Olympiasieger 1968 (GR, Ba) József Csatári, Olympische Bronzemedaillen 1968 (F, HS) und 1972 (F,S) György Gurics, Olympische Bronzemedaille 1952 (F, Mi); Weltmeister 1961 (GR, HS) Jenő Bódi, Europameister 1988 (GR, Fe)

Schwimmen József Szabó, Olympiasieger 1988 über 200 Meter Brust; Weltmeister 1986 und Europameister 1987 auf der gleichen Strecke Kristóf Milák, Olympiasieger 2020 über 200 m Schmetterling; 2024 über 100 m Schmetterling; mehrfacher Welt- und Europameister György Tumpek, Olympische Bronzemedaille 1956 200 m Schmetterling; Europameister 1954 200 m Schmetterling; WM-Silbermedaille 1958 über 4 × 100 m Lagen Imre Nyéki, Europameister 1954 über 100 Meter Freistil und mit der 4-mal-200-Meter-Freistilstaffel; EM-Bronzemedaille Schwimmeuropameisterschaften 1958 4-mal-200-Meter-Freistilstaffel

Weblinks

Offizielle Website des Vereins Budapesti Honvéd bei volleybox.net

Einzelnachweise

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Kategorie:Ungarischer Leichtathletikverein Kategorie:Leichtathletik (Budapest) Kategorie:Sportverein (Budapest) Kategorie:Ungarischer Basketballverein Kategorie:XIX. Budapester Bezirk