Bitterkeit für drei Schlafwandler (Originaltitel: Amargura para tres sonámbulos) ist eine erstmals 1949 in El EspectadorGabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (=KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 159. veröffentlichte Kurzgeschichte des kolumbianischen Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez und eine Episode in seinem Erzählband Ojos de perro azul. Kurzbeschreibung Eine Frau hat sich in ein eintöniges Dasein zurückgezogen und lebt mit drei ebenso ziellos agierenden Personen zusammen. Monatelang durchstreift sie die Zimmer ihres Hauses, bis sie zunehmend an Lebendigkeit verliert. Schließlich stellt sie das Gehen, wie zuvor viele andere, ein, wird in eine Ecke des Hauses gebracht. Sie erklärt, dass sie nie wieder lächeln werde. Ihr Gesicht behält fortan eine ausdruckslose Ernsthaftigkeit, die das Ende ihrer aktiven Teilnahme am Leben markiert. Inhalt Die weibliche Hauptfigur „wäre die achtbare Herrin des Hauses gewesen, wäre sie die Frau eines braven Bürgers oder die Konkubine eines pünktlichen Mannes gewesen. Doch sie hatte sich daran gewöhnt, in einer einzigen Dimension zu leben wie die Gerade“, in Gesellschaft dreier Menschen, die ebenso ziel- und sinnlos im Haus herumwandern wie sie: „Monate hindurch hatten wir sie zu jeder beliebigen Stunde durch die Zimmer wandern sehen, mit festgefrorenem Kopf und hängenden Schultern, ohne innezuhalten, ohne jemals zu ermüden.“ Die Frau, „übrigens die älteste im Haus“, verliert immer mehr an Wesenhaftigkeit, kann sich an kein Gebet erinnern, verliert das Zeitgefühl trotz der „zahllosen Uhren […], die den peinlich genauen und deutlich hörbaren Rhythmus maßen, in dem sie sich in Staub verwandeln würde“. Irgendwann erklärt sie, „daß sie nie wieder durchs Haus streichen werde“, während sie „sich auf den Zementfußboden setzte und, ohne den Blick von uns zu lassen, sagte: ‚Ich werde hier sitzen bleiben‘; und wir erzitterten, denn wir konnten sehen, daß sie bereits etwas zu gleichen begann, das schon fast vollkommen wie der Tod war.“ Schließlich wird die Frau „abgestellt in einem Winkel des Hauses“, wo sie „angstvolle Schreie auszustoßen begann; sie rief einen jeden von uns beim Namen und redete unter Tränen“, auch davon, dass sie nie wieder lächeln werde. „Daher wußten wir jetzt, daß sie nie wieder lächeln würde; denn sie hatte es genauso überzeugt und sicher gesagt, wie sie uns einmal gesagt hatte, sie würde nie wieder gehen.“ Es bleibt in ihrem Gesicht eine „ausdruckslose Ernsthaftigkeit“. Textanalyse Bei Bitterkeit für drei Schlafwandler handelt es sich um eine in Wir-Form erzählte Kurzgeschichte, deren Berichtszeit und Verortung unklar bleibt. In der Kurzgeschichte spielen außer der weiblichen Hauptfigur die laut Titel drei Mitbewohner der Frau mit. Abgesehen von einem Flechtzopf der Frau werden die Charaktere nicht näher geschildert. Thematisch offenbart die Geschichte „García Márquez‘ frühes Interesse am fortschreitenden Verfall des menschlichen Lebens“,„reveals García Márquez‘s early interest in the progressive decay of human life“ – Mariajosé Rodríguez-Pliego: García Márquez’s early short stories. In: Mariajosé Rodríguez-Pliego: Reading Faulkner south of the South. The Latin American boom’s roots and legacy. Wellesley College, Wellesley MA 2016. S. 32–45. Hier S. 41. (pdf). der sich bei der weiblichen Hauptfigur auf verschiedene Art manifestiert: Die Frau „stirbt in der Bewegung, sie stirbt im Lächeln, sie stirbt im Wort, jedes Mal stirbt derselbe Tod ein Stückchen mehr, und das Sterben kehrt als neuer Tod zurück.“„muere en el movimiento, muere en la sonrisa, muere en la palabra, cada vez muere un poco más la misma muerte y el morir retorna como una muerte nueva“ – Paola Cadena Pardo: Ojos de perro Azul. La muerte como mecanismo de lo poético a partir de la repetición deleuzina. In: Hipertexto, Jg. 20, Verano, 2014, , S. 64–75. Hier S. 66. (pdf). Rezeption und Adaption ‚Das‘ Literaturportal El Estante Literario beschrieb Bitterkeit für drei Schlafwandler als düster, melancholisch, traurig, rätselhaft, verschlüsselt, vage und schwer fassbar.„una narración oscura, melancólica y triste […]críptico y codificado, vago e inasible“ – El Estante Literario: Reseña: Amargura para tres sonámbulos – Gabriel García Márquez. In: elestanteliterario.com. Abgerufen am 17. März 2026. Laut dem Schriftsteller und Journalisten Julio Olaciregui (* 1951) ist der Einfluss von William Faulkner in Bitterkeit für drei Schlafwandler deutlich erkennbar, da García Márquez „die Mittel der fantastischen Literatur und für Psychosen charakteristische Elemente verwendet: Hyperästhesie, bewusster Tod, Drogenabhängigkeit, das Doppelgängertum, die Vervielfachung bestimmter Figuren und die Verwirrung von Raum und Zeit.“„muy influenciado por la narrativa de William Faulkner. Según Olaciregui, la influencia se ve en este cuento porque García Márquez ‚usa la utilería de la literatura fantástica, elementos propios de la psicosis: hiperestesia, muerte consciente, drogadicción, el doble, multiplicación de ciertos personajes, confusiones de espacio y tiempo‘“ – El Estante Literario: Reseña: Amargura para tres sonámbulos – Gabriel García Márquez.

Rubén Blades hat 1986 ein Album namens Agua de luna veröffentlicht, für das der Bitterkeit für drei Schlafwandler enthaltende Erzählband Ojos de perro azul einen Impuls lieferte. Der auf diesem Album befindliche Song No te duermas wurde hierbei direkt durch Bitterkeit für drei Schlafwandler inspiriert.„Rubén Blades tiene un álbum inspirado en el libro Ojos de perro azul llamado ‚Agua de luna‘. La canción ‚No te duermas (Don’t Fall Asleep)‘ está inspirada en este cuento“ – El Estante Literario: Reseña: Amargura para tres sonámbulos – Gabriel García Márquez. Literatur Hassan El Baz Iguider: Amargura para tres sonámbulos. In: Hassan El Baz Iguider: Realidad y ficción en „Vivir para contarla“, memorias de Gabriel García Márquez. (Tesis Doctoral.) Universidad de Málaga, Málaga 2015. S. 389–391. (pdf). Donald McGrady: Amargura para tres sonámbulos. In: Thesaurus, Jg. 27, Nr. 2, 1972, S. 301–302. (pdf). Deutschsprachige Textausgaben (Auswahl) Bitterkeit für drei Schlafwandler. In: Gabriel García Márquez: Die Erzählungen. Aus dem kolumbianischen Spanisch von Curt Meyer-Clason. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1990. ISBN 3-462-02054-4. S. 43–47. Bitterkeit für drei Schlafwandler. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 60–66. Weblinks Volltext des Einzelwerks, originalsprachig Volltext des übergeordneten Werks Ojos de perro azul, deutschsprachig Einzelnachweise Gabriel García Márquez: Bitterkeit für drei Schlafwandler. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 60–66.

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