Aurora – Star wider Willen (armenisch ) ist ein animierter Dokumentarfilm aus dem Jahr 2022 der Regisseurin Inna Sahakjan über Aurora Mardiganian, eine Überlebende des Völkermords an den Armeniern, die in den Vereinigten Staaten zur Zeugin, Autorin und Darstellerin ihrer eigenen Geschichte wurde. Der Film entstand als armenisch-litauisch-deutsche Koproduktion und greift auf Bestände des Zoryan-Instituts zur mündlichen Überlieferung des Genozids zurück.
Inhalt Im Mittelpunkt des Films steht Mardiganians Weg von den Verfolgungen und Todesmärschen des Jahres 1915 bis zu ihrer späteren öffentlichen Rolle in den Vereinigten Staaten. Sahakjan nutzt dafür Animationen, Archivmaterial, später aufgezeichnete Aussagen Mardiganians und erhaltenen Ausschnitten aus dem Stummfilm Auction of Souls (1919), in dem Mardiganian sich selbst spielte. Die internationale Kritik hob diese Montageform als zentrales Gestaltungsmittel hervor, weil sie aus verstreuten historischen Materialien eine geschlossene und zugleich persönliche Erzählung forme.
Entstehung mini|Aurora Mardiganian auf einem Filmplakat des Stummfilms Auction of Souls (1919) Der Anstoß zum Projekt entstand laut Sahakjan, als sie 2014 in Archiven des Zoryan-Instituts auf ein Interview mit Aurora Mardiganian stieß; aus einem ursprünglich breiter angelegten Vorhaben entwickelte sich daraufhin ein eigenständiger Film. Nach Angaben der Regisseurin überlebten vo, Stummfilm Auction of Souls nur 18 Minuten, dessen Erweiterung um Zeugnisvideo, Fotografien und Animation den formalen Kern des Films bestimmte. Die Weltpremiere fand im Juni 2022 beim Annecy International Animation Film Festival statt.
Veröffentlichung und Rezeption Im Juli 2022 wurde der Film beim Golden Apricot in Jerewan erstmals dem armenischen Publikum vorgestellt und gewann dort den Silver Apricot der internationalen Konkurrenz. Im September 2022 bestimmte die Armenische Nationale Filmakademie das Werk als armenischen Beitrag für die 95. Oscarverleihung in der Kategorie Bester internationaler Film. Im November 2022 erhielt der Film bei den Asia Pacific Screen Awards den Preis als Bester Animationsfilm, und im April 2023 lief er auf Arte. Die internationale Rezeption würdigte besonders die Wiedergewinnung einer beinahe ausgelöschten Lebensgeschichte. Die New York Times nahm den Film als Critic’s Pick auf.
Wirkung Seine politische Brisanz zeigte sich auch über die Festival- und Fernsehauswertung hinaus: Eine Vorführung des Films im Dezember 2024 in Amed/Diyarbakır führte in der Türkei wegen angeblicher Beleidigung des Staates zu einem Strafverfahren gegen die Organisatorin Rojhilat Aksoy.
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2022 Kategorie:Armenischer Film Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Litauischer Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern