Berthold II. († 21. Januar 917) war ein hochadliger Graf aus dem Geschlecht der Alaholfinger im frühen 10. Jahrhundert. Er ist vor allem als Bruder des schwäbischen Pfalzgrafen und kurzzeitigen Herzogs Erchanger bekannt. Berthold trat in den politischen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Schwaben nach dem Ende der karolingischen Dynastie als eigenständiger Akteur hervor. Gemeinsam mit seinem Bruder wurde er im Januar 917 auf Befehl König Konrads I. hingerichtet.
Herkunft und Familie mini|Herzogtum Alamannien Berthold II. entstammte der jüngeren Generation der Ahalolfinger, eines der bedeutendsten alemannischen Adelsgeschlechter. Sein Vater war Berthold I., Pfalzgraf in Schwaben. Die Familie verfügte über umfangreichen Besitz insbesondere in der Baar und im südwestdeutschen Raum. Zu seinen Geschwistern gehörten:
Erchanger, Pfalzgraf und 915/916 als Herzog von Schwaben ausgerufen, Kunigunde, die zunächst mit Markgraf Luitpold von Bayern und ab 913 mit König Konrad I. verheiratet war.
Berthold II. war Graf in der Baar. Aus seiner Familie gingen mehrere einflussreiche Nachkommen hervor, darunter sein Sohn Adalbert von Marchtal und dessen Kinder Berthold von Marchtal, der später als Herzog bezeichnet wird; und Judith ⚭ Konrad, Graf im Rheingau und in der Ortenau, † wohl 982 (Konradiner), wodurch wiederum eine enge Verbindungen zum konradinischen Hochadel entstand.
Politische Rolle Berthold II. trat um 911 erstmals deutlich als eigenständiger politischer Akteur hervor. Gemeinsam mit seinem Bruder Erchanger gehörte er zu den führenden Vertretern der Ahalolfinger in Schwaben. Die Brüder stützten sich auf ein weitreichendes dynastisches Netzwerk, das Verbindungen nach Bayern, ins Elsass und in den Bodenseeraum umfasste. In den Konflikten zwischen König Konrad I., Bischof Salomo III. von Konstanz und konkurrierenden schwäbischen Adelsgruppen unterstützte Berthold seinen Bruder sowohl politisch als auch militärisch. Er wird mehrfach als Mitführer in bewaffneten Auseinandersetzungen genannt, unter anderem beim erfolgreichen Abwehrkampf gegen ungarische Verbände im Jahr 913.
Konflikt und Verurteilung mini|Hinrichtung des Herzogs Erchanger und seines Bruders BerchtholdZimmermann, Wilhelm: Illustrirte Geschichte des deutschen Volkes, Volume 2. Stuttgart, Verlag von Gustav Weise, 1875 (2nd edition). in Oettingen? Nach der Gefangennahme Bischof Salomos im Jahr 914 gerieten Berthold und Erchanger in offene Gegnerschaft zur königlichen Zentralgewalt. Der anschließende Konflikt kulminierte 915 in der Schlacht bei Wahlwies, aus der die Brüder siegreich hervorgingen. In der Folge wurde Erchanger von seinen Anhängern zum Herzog von Schwaben erhoben. Im September 916 wurden Berthold und Erchanger auf der Synode von Hohenaltheim kirchenrechtlich verurteilt. Das Urteil lautete formal auf lebenslange Klosterhaft.
Hinrichtung Am 21. Januar 917 wurden Berthold II., sein Bruder Erchanger und ihr Neffe Luitfried in AdingamHermann von Reichenau Chronik (vermutlich in Oettingen im Ries) auf Befehl König Konrads I. enthauptet. Zeitgenössische QuellenAnnales Alamannici. a. 916 sprechen von einer „dolosen“ (hinterlistigen) Tötung. Die Hinrichtung bedeutete das gewaltsame Ende der führenden Linie der Ahalolfinger in Schwaben.
Nachwirkung Trotz der Ausschaltung der Brüder blieb die Familie über Bertholds Nachkommen politisch präsent. Seine Linie spielte insbesondere im Raum Marchtal weiterhin eine Rolle im hochadligen Gefüge des 10. Jahrhunderts. Die Ereignisse von 916/917 gelten in der Forschung als Wendepunkt in der politischen Neuordnung Schwabens und als Beispiel für die Spannungen zwischen regionalem Adel, Königtum und Kirche in der postkarolingischen Zeit.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Pfalzgraf in Schwaben Kategorie:Hingerichtete Person (10. Jahrhundert) Kategorie:Hingerichtete Person nach historischem Staat oder Gebiet Kategorie:Geboren im 9. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 917 Kategorie:Mann