mini|Florales Schlussstück (Cul-de-lampe), Deutschland 1708Staatsbibliothek zu Berlin mini|Cul-de-lampe mit redendem Verlagszeichen von Wolfgang Moritz Endter, Nürnberg 1712Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden mini|Cul-de-lampe, Figürliches Ornament, Nürnberg, Johann Adam Stein and Gabriel Nikolaus Raspe 1744 mini|Cul-de-lampe Muschelornament Nürnberg 1766Bayerische Staatsbibliothek mini|Cul-de-lampe Buchschmuckelement Regensburg 1766Zentralbibliothek Zürich mini|Gerard Mercator: Atlas, ou représentation du monde universel, H. Hondius (Amsterdam) 1633. Bibliothèque nationale de France Cul-de-lampe ist die Bezeichnung eines im Buchdruck verwendeten typografischen Ornaments am Ende eines Kapitels oder Buchs. Es hat meist die Form eines nach unten zeigenden Dreiecks und ist mit dekorativen oder figürlichen Elementen gefüllt. Die von den Druckern und Setzern des 18. Jahrhunderts auch Finalstock genannten Elemente wurden von Formschneidern in Birnbaum- oder Buchsbaumholz angefertigt. Diese Bezeichnung ist auch noch Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlich, aber nicht mehr an das Material Holz gebunden.Art. Finalstock, in: Albert Hoepstein: Praktische Vorschule für den deutschen Buchhandel in merkantilischer, technischer und literarischer Hinsicht. Brockhaus, Leipzig 1844, S. 429. Die Höhe des Ornaments entspricht der Schrifthöhe der Lettern. Die Breite des Ornaments beträgt nur einen Bruchteil der Textbreite des Satzspiegels. Der „Versuch eines wohl eingerichteten Wörterbuchs, Worinnen die meisten Kunstwörter, Welche So wohl in den Buchdruckereyen, als auch bey andern Profeßionen, so mit denselben eine Verwandtschaft haben, gebräuchlich sind“, gibt 1740 unter der Bezeichnung „Finalstöcke“ folgende Darstellung:
Die bei Gessner falsch wiedergegebene französische Bezeichnung entstand aus der Form: „meist ein nach unten spitz zulaufendes Ornament, das an einen umgedrehten Lampenfuß erinnert.“Cul-de-lampe. In: Fachbegriffe des Antiquariatsbuchhandels. Abgerufen am 22. Juni 2026.Art. Cul-de-lampe, in: Joachim Elias Zender: Lexikon Buch, Druck, Papier. Haupt, Bern, Stuttgart, Wien 2008, S. 72. Da sich das Zierstück immer am Hintern des Texts befindet, bedienten sich die deutschen Buchdrucker der als ordinär geltenden Bezeichnung „Arsch“, was Gessner mit der voran gestellten Abkürzung s. v. = salve venia („Mit Verlaub“) verknüpft, also mit der Bitte um Erlaubnis, einen ansonsten anstößigen Ausdruck verwenden zu dürfen. Eine entsprechende Erläuterung findet sich auch in der Untersuchung über „Die deutsche Druckersprache“ von Heinrich KlenzArt. Finalstock, in: Heinrich Klenz: Die deutsche Druckersprache. Trübner, Straßburg 1900, S. 43., der zudem auf das Wort „culo“ in der italienischen Druckersprache verweist, das ebenfalls „Arsch“ bedeutet.
Das Typographischen Wörterbuch von Christian Gottlob Täubel kennt 1785 nur noch die deutsche Bezeichnung Finalstock, die auch in ästhetischer Hinsicht erläutert werden.Aus dem Besitz der e. von Seidel’schen Druckerei in Sulzbach i. B. Deutscher Buchgewerbeverein, Atlas zur Buchgeschichte, in: Archiv für Buchgewerbe 53 (1916), Heft 3/4. Diese Zierstücke können in Holz oder in Metall ausgeführt sein:
Unter der Bezeichnung „Barocke Schlußstücke, 17./18. Jh.“ beziehungsweise „Schlußstücke mit Rankenwerk, 17. Jh.“ finden sich bei Luidl/Huber Beispiele in der Kategorie der Einzelstücke oder Ornamente aus einem Stück.Philipp Luidl; Helmut Huber: Ornamente. Ornaments. 3., durchges. Aufl. Bruckmann (Novum press), München 1990, S. 39–41.
Da rund fünfzehn Prozent aller deutschen Drucke des 17. Jahrhunderts ohne Angabe eines Druckers oder Druckorts erschienen sind, wurden Versuche unternommen, die ornamentale Ausstattung in die Firmierung von Drucken einzubeziehen. Dabei finden auch die im bibliographischen Kontext „Schlussvignette“ genannten Finalstöcke Berücksichtigung.Christoph und Gundula Boveland: Der Bär im Akanthus. Beobachtungen an einer Schlussvignette. In: William A. Kelly, Jürgen Beyer (Hrsg.): The German book in Wolfenbüttel and abroad. Studies presented to Ulrich Kopp in his retirement. University Press of Tartu, Tartu 2014, S. 83–99.
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