mini|Eimerkettenbagger ERs 710 (2018) Der Eimerkettenbagger ERs 710 ist ein in der DDR entwickeltes und gebautes Tagebaugerät, das über mehrere Jahrzehnte in größeren Stückzahlen produziert wurde. Die Typenbezeichnung beinhaltet die wesentlichen technischen Merkmale des Geräts: Das „E“ kennzeichnet ihn als sogenannten Eintorbagger, es kann also im Gegenteil zum Doppeltorbagger nur eine einzige Verladeeinheit bedient werden. Das „R“ verweist auf das verwendete Raupenfahrwerk, während das kleingeschriebene „s“ die Schwenkbarkeit des Oberwagens beschreibt. Die Zahl „710“ leitet sich vom Eimervolumen ab, das bei diesem Eimerkettenbagger 710 Liter beträgt. Die Geräte werden vorrangig zur Gewinnung von Braunkohle sowie zur Beseitigung von Abraum eingesetzt.
Geschichte Die Projektierung des Baggers erfolgte nach 1945 durch den Konstrukteur Johannes Goedecke (1898–1989). Die ersten Geräte dieses Typs wurden bis Ende 1953 als Reparationsleistungen in die Sowjetunion geliefert. In der Folgezeit entwickelte sich der Typ 710 zu einem Standardgerät des DDR-Schwermaschinenbaus; bis zum Zusammenbruch der DDR wurden über 100 Exemplare gebaut. Die Produktion erfolgte innerhalb des Kombinats TAKRAF an den Standorten Lauchhammer und Magdeburg sowie zeitweilig in Köthen. Neben dem Einsatz in den heimischen Revieren, wie etwa in Welzow-Süd, Jänschwalde oder Nochten, wurden die Bagger auch exportiert, insbesondere in die Sowjetunion und nach Rumänien.
Technik Der Bagger gewinnt das Material mittels Eimerausleger (sog. Eimerleiter) im Hoch- oder Tiefschnittverfahren (also oberhalb oder unterhalb der Baggerstandebene). Das Material wird dabei durch die endlos umlaufende Eimerkette kontinuierlich abgetragen, zum Baggergerüst gefördert und auf ein Förderband geschüttet. Dieses befördert das Material zu bereitgestellten Ladewagen, zu einer Abraumförderbrücke oder kippt es auf Halde.
Technische Daten Die technischen Daten des Eimerkettenbaggers variierten je nach Baujahr und spezifischer Ausführung geringfügig. Die Gesamtmasse der Geräte liegt zwischen 990 und 1250 t. Die Eimerkette ist mit 38 bis 40 Einzeleimern bestückt, die jeweils ein Fassungsvermögen von 710 Litern haben. Bei einer Kettengeschwindigkeit von 1,1 m/s und einer Antriebsleistung von 400 kW erreicht der Bagger eine theoretische Förderleistung von 1400 bis 1900 m³/h. Die Konstruktion ermöglicht eine Schnitthöhe von 17,5 m sowie eine Schnitttiefe von 16,0 m. Das auf Raupen laufende Großgerät erreicht eine Fahrgeschwindigkeit von 4 bis 6 m/min, wobei der minimale Kurvenradius 60 m beträgt. Die elektrische Versorgung erfolgt über eine Anschlussspannung von 6 kV.
Verbleib Während viele Geräte nach der Stilllegung von Tagebauen in den 1990er Jahren verschrottet wurden, befinden sich einige Bagger von diesem Typ aufgrund ihrer Robustheit und Vielseitigkeit bis heute (Stand März 2026) im aktiven Einsatz.
Einzelnachweise
Kategorie:Mehrgefäßbagger