mini|Das Notaufnahmelager Marienfelde in West-Berlin, eines der Notaufnahmelager für aus der DDR ausgewanderte Personen, im Jahr 1958 Die Liste von der Staatssicherheit der DDR entführter Personen listet Menschen auf, die von Mitarbeitern des Staatssicherheitsdienstes der DDR (MfS, SfS, „Stasi“, „SSD“) von außerhalb der DDR im Sinne von Menschenraub entführt und in die DDR verschleppt wurden. Im ersten Teil sind Entführungen aufgelistet, die mit Haftstrafen endeten. Im zweiten Teil sind Personen aufgeführt, die von Mitarbeitern der Staatssicherheit entführt und aus politischen Gründen getötet wurden oder bei denen ein begründeter Verdacht dafür besteht. Im dritten Teil sind Fälle aufgelistet, bei denen eine Entführung geplant war, aber abgebrochen wurde oder misslang. Im vierten Teil werden Personen aufgelistet, bei denen es wahrscheinlich ist, dass sie von Mitarbeitern des MfS getötet wurden. Im fünften Teil werden Mitarbeiter aufgelistet, die den Menschenraub aktiv ermöglicht haben.
Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 entführte die Stasi mehrere hundert Menschen – die Angaben schwanken zwischen 400Susanna Muhle: Wie das MfS Menschen entführen ließ. In: Bundeszentrale für Politische Bildung vom 7. Oktober 2016, eingesehen am 1. November 2025., 600Lars-Broder Keil: Betäubt, gefesselt, verschleppt. In: Die Welt vom 19. November 2004, eingesehen am 14. März 2026. und 700Entführt – Menschenraub im Auftrag der Stasi – von West-Berlin, der Bundesrepublik Deutschland und anderen Ländern nach Ost-Berlin bzw. in die DDR.Was geschah mit Kurt Müller? Menschenraub im Kalten Krieg: Entführt nach Ostberlin (1). In: SWR vom 1. Juni 1950, eingesehen am 1. November 2025. Dort wurde ihnen der Prozess gemacht. Darunter waren auch Journalisten aus dem Westen, an denen die Stasi ein Exempel statuieren wollte. Viele erhielten hohe Haftstrafen, andere wurden an die sowjetischen Behörden überstellt, was häufig in langen Aufenthalten im Gulag oder mit der Hinrichtung endete.
Bis Mitte der 1960er Jahre wurden 24 der Entführten zum Tode verurteilt und hingerichtet, während die meisten der Übrigen nach einer Haftstrafe von bis zu 15 Jahren wieder freikamen.Susanne Muhle: Wie das MfS Menschen entführen ließ. Website der Bundeszentrale für Politische Bildung vom 10. Juli 2016, abgerufen am 18. August 2025. Unter den Entführungsopfern der Staatssicherheit befanden sich laut Angaben der Hauptabteilung „Kader und Schulung“ knapp 120 ehemalige Mitarbeiter des MfS, die nach dem Verständnis der Stasi Verrat begangen hatten.
Nach dem Mauerbau entführten Mitarbeiter der Staatssicherheit weiterhin Menschen in die DDR, mussten dabei aber einen größeren Aufwand betreiben. Für diesen Zweck wurden im Laufe der Zeit über 60 Operative Grenzschleusen in der innerdeutschen Grenze eingerichtet. Für die Entführungen waren die Mitarbeiter der Hauptabteilung II (Spionageabwehr) des MfS zuständig, die sich an den einzelnen Standorten der Staatssicherheit befanden.
Von der Staatssicherheit entführte Personen, verurteilt Im Auftrag der Staatssicherheit wurden zahlreiche Entführungen durchgeführt oder in Auftrag gegeben. Einige Entführungsversuche misslangen jedoch, teilweise mehrfach wie gegen Rainer Hildebrandt (1914–2004), bei dem drei Entführungsversuche scheiterten. Aus der ersten Hälfte der 1950er Jahre sind die meisten Entführungen bekannt. 1950: 62 1951: 67 1952: 42 1953: 24 1954: 37 1955: 26 1956: 11 1957: 7 1958: 17 1959: 12 1960: 14 1961: 10 1962: 4 1963: 2 1964: 1Entführungen von 1950 bis 1964Muhle: Auftrag: Menschenraub, S. 77