mini|Erste Seite einer Handschrift von al-Manhal aṣ-ṣāfī fī bayān ramz ahl aṣ-ṣūfī in der Nationalbibliothek von Malaysia al-Manhal as-sāfī fī bayān ramz ahl as-sūfī () ist ein sufisches Handbuch in malaiischer Sprache von Anfang des 19. Jahrhunderts. Es wird dem aus Pattani stammenden malaiischen Gelehrten Dāwūd ibn ʿAbdallāh al-Fatānī (1769–1846) zugeschrieben. Die metaphysische Lehre des Werks, das von der Philosophie Muhyī d-Dīn Ibn ʿArabīs beeinflusst war,Bradley: Forging Islamic power and place the legacy of Shaykh Dāʾūd bin ʿAbd Allāh al-Faṭānī in Mecca and Southeast Asia. 2016, S. 79. basiert auf der Vorstellung, dass allein Gott wahrhaft existiert,Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 240. und Er die absolute Existenz (wuǧūd muṭlaq) ist, die sich in sieben Manifestationstufen (martabat tujuh) offenbart. Dieser Manifestationsprozess wird in dem Werk näher erläutert.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 241. Eine Besonderheit des Werks ist, dass es auch ein Glossar mit 45 Sufi-Begriffen enthält, was in der Geschichte der malaiischen Sufi-Literatur einzigartig ist.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 105.
Die Popularität des Werks wird durch die große Anzahl der erhaltenen Handschriften belegt. Es wurde unter anderem in den islamischen Pondok-Schulen von Pauh Bok, Bendang Daya und Yaring in Pattani sowie von Kota Bharu in Kelantan als Lehrbuch verwendet.Bradley: Forging Islamic power and place the legacy of Shaykh Dāʾūd bin ʿAbd Allāh al-Faṭānī in Mecca and Southeast Asia. 2016, S. 121, 124, 128, 132.
Textzeugen Handschriften Insgesamt existieren 36 Handschriften von al-Manhal aṣ-ṣāfī: 17 davon befinden in der Nationalbibliothek von Malaysia (Perpustakaan Negara Malaysia; PNM), nämlich die Handschriften mit den Signature MS 147A, 188B, 204, 205, 232, 460, 519, 547A, 622, 629/2, 649A, 693, 1088, 1333, 1386 and 1495A und 2270A. 14 davon befinden sich im Islamischen Museum von Malaysia (Muzium Islam Malaysia; MIM), nämlich die Handschriften mit den Signaturen MI 17, 48, 128, 137, 262, 354, 414, 429, 448, 467, 504, 603, 668 und 669. Von diesen sind allerdings nur drei (MI 17, 48 and 448) vollständig und in gutem Zustand.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani and His Manhal al-Safi: An Overview. 2004, S. 73. Neben diesen Handschriften in öffentlichem Besitz existieren auch Handschriften in Privatbesitz. So besaß beispielsweise Haji Wan Mohd. Shaghir Abdullah, der Gründer der Khazanah Fathaniyah in Kuala Lumpur, drei Handschriften des Textes.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani and His Manhal al-Safi: An Overview. 2004, S. 71.
Druckeditionen Im Druck erschien das Werk erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Es gibt folgende Ausgaben: 1953. Bangkok: Maktabah Muhammad al-Nahdi. 3. Aufl.Abdullah: Ensiklopedia Naskhah Klasik Nusantara. 2015, S. 54. Steindruck, 30 S., ohne Nennung des Verfassers. 1953/4. Kota Bharu: Pustaka Aman Press. Steindruck, 53 S. Der Text ist hier mit zwei anderen Texten zusammengestellt, nämlich Mabādiʾ al-ʿišra von Ibn Ismāʿīl ibn ʿAbd ar-Rahmān al-Kalantānī und Kanz as-Saʿāda von Muhammad Šāfiʿī ibn Muhammad Salih. 1992. Kuala Lumpur, Khazanah Fathaniyah, unter dem Titel Manhalush Shafi Syeikh Daud al-Fathani: Membicarakan Rumus-Rumus Shufi dan Istilah-Istilah Tasawuf. 221 Seiten. Ausgabe in lateinischer Schrift auf Grundlage einer Handschrift, die von Muhammad Zain al-Fatānī, dem Vater Ahmad al-Fatānīs, angefertigt wurde. 1998. SOAS University of London, kritische lateinschriftliche Edition von Faudzinaim Badaruddin im Rahmen seiner Dissertation “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. Text, Translation and Analysis auf Grundlage der Handschrift 460 PNM.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 158. 2001. Kuala Lumpur: Khazanah Fathaniyah, 30 Seiten. 2006. Bangi: Penerbit Universiti Kebangsaan Malaysia, hrsg. Faudzinaim Badaruddin.Manhal al-Safi fi Bayan Ramz Ahl al-Sufi Center for Patani Studies
Übersetzungen Faudzinaim Badaruddin veröffentlichte 1998 im Rahmen seiner Dissertation erste englische Übersetzung des Werks.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 207–238. Eine weitere kommentierte englische Übersetzung auf der Basis von drei Handschriften legte 2005 Zain Abd. Rahman vor.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani's Manhal al-Safi: an annotated translation. 2005, S. 77.
Autor und Abfassungsdatum Die Zuordnung des Textes zu Dāwūd al-Fatānī basiert auf der Nennung des Autors in sieben Handschriften des Textes, nämlich MS 232, 460, 519, MS 622, 649 (A) und 1333 in der PNM-Sammlung und MI 448 in der MIM-Sammlung.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani and His Manhal al-Safi: An Overview. 2004, S. 72. Dāwūd al-Fatānī werden noch mehrere andere sufische Werke zugeschrieben: at-Tanbīh ʿalā Ḥikam Ibn ʿAṭāʾ, Kanz al-Minan ʿalā Ḥikam Abī Madyan, Bidāyat al-Hidāya und Minhāǧ al-ʿābidīn.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 96.
In der Handschrift MS 693 wird allerdings ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAbd al-Mubīn al-Fatānī (um 1780), der Lehrer von Shaykh Dāwūd al-Faṭānī, als Autor genannt.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani and His Manhal al-Safi: An Overview. 2004, S. 75. Der Malaiologe Hamdan Hassan leitete daraus ab, dass das Werk eher von ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAbd al-Mubīn als von Dāwūd al-Fatānī verfasst wurde.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 144. Alle anderen Handschriften nennen keinen Verfasser.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani and His Manhal al-Safi: An Overview. 2004, S. 76.
Der Verfasser von al-Manhal as-sāfī gibt kein Datum an, zu dem er das Werk fertiggestellt hat.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 99. Nach Francis Bradley stammt die früheste Handschrift des Werks (PNM 2270A) vom 12. Januar 1831. Ahmad Fathy al-Fatani datiert das Werk ohne Angaben von Quellen auf den 15. Ramadan 1233.Ahmad Fathy al-Fatani: Ulama besar dari Patani. Majlis Agama Islam Kelantan, Kota Bharu 2013. S. 40. Dieses Datum entspricht dem 19. Juli 1818. F. Badaruddin vermutet, dass Dāwūd al-Fatānī das Werk zwischen 1830 und 1834Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 300. in Mekka verfasste, um den dort ansässigen malaiischen Muslimen die wahre sufische Lehre mit den martabat tujuh darzulegen.Badaruddin: “Manhalu’l-Safi” by Shaykh Daud al-Fatani as a Specimen of Malay Kitab-Literature of 18–19cc. 1998, S. 102. Bradley datiert es auf die 1820er Jahre.Bradley: Forging Islamic power and place the legacy of Shaykh Dāʾūd bin ʿAbd Allāh al-Faṭānī in Mecca and Southeast Asia. 2016, S. 85.
Aufbau und Inhalt Das Werk besteht aus sechs Abschnitten: 1. der Einleitung, 2. der Erläuterung der Lehre der sieben Stufen, 3. die Erklärung des Sufi-Pfads, 4. dem Glossar der Sufi-Terminologie, 5. dem Schlussteil (ḫātima) und 6. der Ermahnung des Autors an den Wanderer auf dem sufischen Pfad.Braginsky: The Heritage of Traditional Malay Literature. A Historical Survey of Genres, Writings and Literary Views. 2004, S. 656.
Einleitung In der Einleitung gibt der Verfasser an, dass er seine Abhandlung verfasst hat, um einige Fragen zu beantworten und die Herzen seiner Freunde, Brüder und Schwestern, die ihn immer wieder besuchen, zu erleuchten. Die bedeutenden Sufi-Meister, so erklärt der Verfasser weiter, verwendeten zahlreiche Begriffe, die nur ihren Anhängern verständlich seien. Daher sei es Nicht-Sufis untersagt, ihre Schriften zu studieren, da diejenigen, die die beabsichtigte Bedeutung nicht verstehen, die Begriffe wörtlich nehmen und dadurch in Unglaube verfallen könnten. Schon Muhyī d-Dīn Ibn ʿArabī habe es deswegen untersagt, dass Nicht-Sufis sufische Bücher studieren.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani's Manhal al-Safi: an annotated translation. 2005, S. 82–83.
Da die meisten Aussprüche der Sufis Mutaschābihāt enthielten, Begriffe ohne feststehende Bedeutung, sollten die Literalisten (ahl aẓ-ẓāhir) sie nicht wörtlich nehmen, denn ihre wörtliche Bedeutung widerspräche der Scharia. In Wirklichkeit widersprächen sie jedoch nicht dem verborgenen Sinn der Scharia. Daher sei es für einen Novizen (Murīd), der ihre beabsichtigte Bedeutung nicht verstehe, unerlässlich, sie so zu belassen, wie sie sind – weder sie zu verleugnen noch sie zu kritisieren –, wie schon Abu l-Hasan asch-Schadhili gelehrt habe.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani's Manhal al-Safi: an annotated translation. 2005, S. 83.
Die sieben Stufen der Manifestation Gottes Der Verfasser erklärt, dass die wahre Existenz, womit Gott gemeint ist, sieben Stufen (marātib) hat, nämlich: Aḥadīya („Einzigheit“): das ist der Grad der Nicht-Individuation (martabat lā-taʿaiyun) und Gottes innerstes Wesen.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani's Manhal al-Safi: an annotated translation. 2005, S. 84. Die Sufis symbolisieren den Grad der Ahadīya mit einem leeren Blatt Papier, auf dem nichts geschrieben steht außer einem leeren Kreis ◯. Daher wird er auch der Grad der Absolutheit (martabat iṭlāq) genannt, der frei von jeglicher Beziehung zu irgendetwas ist, und eben auch der Grad der Nicht-Individuation, da nichts in Erscheinung getreten ist.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani's Manhal al-Safi: an annotated translation. 2005, S. 85. Waḥda („Einheit“): Sie wird als erste Individuation (taʿaiyun auwal) bezeichnet und bezieht sich auf die Beziehung zwischen Gottes Wissen und Seinem Wesen, Seinen Attributen und den Attributen aller Seinsweisen im Allgemeinen. Sie wird auch ḥaqīqa Muḥammadīya („mohammedanische Wirklichkeit“) genannt. Die Sufis symbolisieren den Grad der Wahda mit einem eingekreisten Punkt ☉. Der Punkt gilt als der Ursprung aller Buchstaben, das heißt, er enthält alle Buchstaben, die noch nicht ausgeschrieben sind, undifferenziert in sich; das heißt, sie sind noch nicht als einzelne Buchstaben manifestiert. Wāḥidīya („Einsheit“): Diese zweite Individuation (taʿaiyun ṯānī) bezeichnet die besondere Beziehung zwischen Gottes Wissen und Seinem Wesen, Seinen Attributen und den Attributen aller Seienden. Sie wird auch ḥaqīqa insānīya („Humane Wirklichkeit“) genannt. Seit der Urewigkeit (qadīm) wird diese Stufe als die Stufe der Göttlichkeit (martabat ketuhanan) bezeichnet.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani's Manhal al-Safi: an annotated translation. 2005, S. 84–85. Die Sufis bezeichnen den Grad der Wāhidīya mit einem eingekreisten Alif. Das Alif wird dabei als die Vollendung der Potentialitäten des allumfassenden Punktes betrachtet, der sich individualisiert und manifestiert hat, solange keine Veränderung mehr stattfindet. Die beiden Grade von Wahda und Wāhidīya werden mit dem Bereich des Gewussten in Gottes ewigem Wissen verglichen, daher werden sie die feststehenden Wesenheiten (Aʿyān thābita) genannt. Wenn Gott etwas zur Existenz bringen will, richtet der das Wort kun („Sei!“) an die feststehenden Wesenheiten, wodurch Abbilder von ihnen zur Existenz gelangen. Das, was dabei entsteht, sind äußere Wesenheiten (aʿyān ḫāriǧīya). Die feststehenden Wesenheiten dagegen „riechen niemals den Duft der Existenz“. Erste und zweite Individuation sind die Stufen der Propheten und der Pole. Diejenigen, die diesen Standplatz erreichen, sind in der Lage sind, die Einheit in der Vielfalt zu sehen.Rahman: Shaykh Dawud al-Fatani's Manhal al-Safi: an annotated translation. 2005, S. 86. Auf die drei genannten Stufen folgen vier weitere Stufen: