mini|Heutiger Zustand der Giebelwandbemalung an der Torstraße 193 in Berlin-Mitte

Die Giebelwandbemalung Torstraße 193 ist ein Wandbild im Berliner Ortsteil Mitte. Die Giebelmalerei entstand im Herbst 1984 im Auftrag des Rates des damaligen Stadtbezirks Mitte an einem Wohngebäude der Torstraße. Entwurf und Ausführung stammen von dem Maler Wolfram Schubert. Das Werk trägt den Titel Bettina von Arnim und gehört zur baubezogenen Kunst der späten DDR.

Entstehung Die Wandbemalung entstand im Zusammenhang mit der städtebaulichen Neugestaltung dieses Abschnitts der damaligen Wilhelm-Pieck-Straße (heute: Torstraße). Neben der Sanierung vorhandener Altbauten wurden hier Wohnungsneubauten in industrieller Bauweise errichtet.

Die Bauarbeiten in diesem Bereich wurden durch den Bezirk Neubrandenburg ausgeführt, wo auch der Maler Wolfram Schubert damals lebte und arbeitete.Iris Grund: Zum Wohnungsbau des Bezirkes Neubrandenburg in der Wilhelm-Pieck-Straße. In: Architektur der DDR, Heft 4/1986, S. 240–243, hier S. 243.

Die noch heute vorhandene Giebelbemalung an der Torstraße 193 bildete ursprünglich ein gestalterisches Ensemble mit einer zweiten Giebelwandbemalung am benachbarten Gebäude Torstraße 195.Steller / Heinze / Schrecker: Erfahrungen und Ergebnisse der komplexen Gestaltung der Wilhelm-Pieck-Straße. In: Architektur der DDR, Heft 4/1986, S. 236–239.

Der Wandbildteil an der Giebelwand des Hauses Torstraße 195 ging bei einer späteren Sanierung verloren.Norbert und Melanie Martins: Hauswände statt Leinwände. Berliner Wandbilder. Berlin 2012, S. 80.

Bildprogramm mini|Ursprünglicher Zustand der Giebelwandbemalung

Das Wandbild trägt den Titel Bettina von Arnim und bezieht sich auf die gleichnamige Schriftstellerin sowie auf ihr 1843 veröffentlichtes sozialkritisches Werk Dies Buch gehört dem König.

In diesem Werk formulierte Bettina von Arnim Forderungen nach besseren Wohn- und Lebensbedingungen für den sogenannten Vierten Stand. Viele der von ihr beschriebenen Berliner Wohnquartiere lagen im historischen Gebiet des sogenannten Voigtlandes nördlich der heutigen Torstraße.

Arnims Forderung nach „Licht und Luft in die Höfe“ wurde später zu einem wichtigen Leitmotiv der städtebaulichen Reformbewegungen seit dem späten 19. Jahrhundert. Die Bildprogrammatik des Wandbildes greift diesen sozialgeschichtlichen und städtebaulichen Bezug auf.Steller / Heinze / Schrecker: Erfahrungen und Ergebnisse der komplexen Gestaltung der Wilhelm-Pieck-Straße. In: Architektur der DDR, Heft 4/1986, S. 236–239.

Städtebaulicher Kontext Die angrenzende Freifläche entstand bereits 1935 durch den Abriss gründerzeitlicher Bebauung im Zusammenhang mit dem Bau der Nordsüd-S-Bahn durch die Reichsbahn.Dr. Michael Braun: Nordsüd-S-Bahn Berlin. 75 Jahre Eisenbahn im Untergrund. Verlag GVE.

Zwischen 1984 und 1986 wurde der Bereich im Zuge der damaligen städtebaulichen Gesamtkonzeption zu einem parkähnlichen Zentrum umgestaltet. Neben dem monumentalen Wandbild entstand hier außer dem Wandbild im Rahmen der baubezogenen Kunst auch ein Biergarten als sozialer Treffpunkt. Die in den 1980er Jahren entstandenen Plattenbauten an der Torstraße stehen seit Oktober 2024 größtenteils unter Denkmalschutz.

Literatur Norbert und Melanie Martins: Hauswände statt Leinwände. Berliner Wandbilder. Berlin 2012. Steller, Heinze, Schrecker: Erfahrungen und Ergebnisse der komplexen Gestaltung der Wilhelm-Pieck-Straße. In: Architektur der DDR, Heft 4/1986. Iris Grund: Zum Wohnungsbau des Bezirkes Neubrandenburg in der Wilhelm-Pieck-Straße. In: Architektur der DDR, Heft 4/1986, S. 240–243.

Einzelnachweise

Kategorie:Wandmalerei Kategorie:Kunstwerk im öffentlichen Raum in Berlin Kategorie:Berlin-Mitte Kategorie:Kunst (DDR) Kategorie:Bettina von Arnim