Die Diskurslinguistik ist ein Teilbereich der Linguistik. Sie beschäftigt sich mit der Sprache in gesellschaftlichen Diskursen und damit, wie durch diese Wissen, Meinung und Macht entstehen und verbreitet werden können. Die Diskurslinguistik gilt als relativ neue Teildisziplin der Linguistik. Sie hatte ihre Anfänge in den 1980er-Jahren.

Begriff Der Diskursbegriff geht auf das französische Wort discours zurück, was so viel wie „Gespräch, Umgang, Verkehr“ bedeutet. Zudem wurde das Verb discurrere bereits in der Antike genutzt und später von Thomas von Aquin als Hin- und Herlaufen von Gedanken beschrieben. Seit dem 17. Jahrhundert wurden mit diesem Ausdruck Gespräche und Unterredungen bezeichnet. Ein weiterer Ursprung liegt im englischen discourse und bedeutet soviel wie „Rede“, also die Äußerung eines zusammengehörigen Texts.

Ausprägungen

Dem Diskursbegriff werden drei Ausprägungen unterstellt. Die der Funktionalen Pragmatik von Konrad Ehlich, die herrschaftsfreie Kommunikationssituation von Jürgen Habermas und die Bezeichnung eines Text- und Aussagenverbundes nach Michel Foucault. +Funktionale Pragmatik (Ehlich)„Functional Pragmatics views society as central to understanding language, but tries to avoid the danger of short circuiting linguistic forms and ideological functions, by recon- structing in great detail linguistic and mental processes.“ (Redder 2008, 134)Herrschaftsfreie Kommunikationssituation (Habermas)Ein herrschaftsfreier, gleichberechtigter, konsensorienterter Meinungsaustausch. Hier zählt nur die Kraft des zwanglos besseren Arguments. Es geht nicht um tatsächliche kommunikative Praktiken, sondern um ein Kommunikationsideal als Grundlage von politischen Verfahren.Text- und Aussagenverbund (Foucault)Formationssysteme von Aussagen, die Wissen generieren aber auch auf bereits bestehende Wissensstrukturen verweisen. (Tabelle modifiziert nach Spitzmüller/Warnke 2011: 9Spitzmüller, Jürgen/Warnke, Ingo (2011): Diskurslinguistik. Eine Einführung in Theorien und Methoden der transtextuellen Sprachanalyse. Berlin/Boston: de Gruyter.)

„Resümiert man diese Fülle von Fragen und Verfahrensschritten, scheint es plausibel, Diskursanalyse als ein Verfahren, eine Technik, eine ‚Lenkung des Blicks‘ (Busse 2013b, 38), mithin eine Methode zur Analyse von Textkorpora aufzufassen, die nicht nur dazu dienen soll, die Bedeutung der im Korpus enthaltenen Texte zu entschlüsseln. Denn die Diskursanalyse ist angetreten nicht nur die Bedeutung der im jeweiligen Diskurs verwendeten Sprachzeichen zu analysieren, sondern – so bereits Busse und Teubert in ihrem programmatischen Entwurf – ihr Ziel besteht darin, dass sie die semantischen Voraussetzungen, Implikationen und Möglichkeitsbedingungen erfassen will, die für einzelne Aussagen charakteristisch sind.“ (Niehr 2014, 48Niehr, Thomas (2014): Einführung in die linguistische Diskursanalyse. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.)

Einzelnachweise

Kategorie:Sprachwissenschaft Kategorie:Diskurstheorie