Johann Heinrich von Obernitz (* 1646 in Liebschütz; † 24. August 1709 in Wien) war ein kaiserlicher Reichshofrat und Münzkommissär sowie herzoglich sachsen-merseburgischer Geheimrat.

Leben

Johann Heinrich von Obernitz entstammte einer uralten Adelsfamilie aus Thüringen und Meißen. Geboren 1646 in Liebschütz, einem adeligen Freisitz im Bezirk Neustadt an der Orla, wo sein Vater Heinrich Michael Erb-, Lehn- und Gerichtsherr war, studierte er an den Universitäten Jena und Tübingen und unternahm die übliche Kavalierstour.

1675 wurde er von Herzog Christian zu Merseburg zum Hofmeister für dessen Söhne und einige Zeit danach auch zum Hof- und Konsistorialrat bestellt. Nach dem Tod des Kurfürsten Johann Georg III. von Sachsen († 1680) sandte ihn der Herzog von Sachsen-Merseburg 1686 zum Empfang der Reichslehen nach Wien, wo er bis zum Oktober 1687 als kursächsischer Gesandter blieb. Dann wurde er Amtshauptmann in Gräfenthal und Probstzella sowie Kammerdirektor des Herzogs Johann Ernst von Sachsen-Coburg. Im Herbst 1693 war er wieder als Abgesandter von Sachsen-Merseburg am kaiserlichen Hof in Wien und wurde aus diesem Anlass vom Herzog zum Geheimen Rat und Präsidenten ernannt. Da er sich am Wiener Hof des größten Ansehens erfreute, verlieh ihm der Kaiser auf seine Bewerbung hin mit Dekret vom 3. Juli 1694 eine Reichshofratsstelle und erhob ihn mit Dekret vom 30. April 1695 in den Reichsfreiherrnstand.

Obernitz, der jedoch den Freiherrntitel nicht geführt zu haben scheint, besuchte nach seiner Einführung in den Reichshofrat (2. Mai 1695) diesen zunächst durch etwa anderthalb Jahre und dann, abgesehen von einem einmaligen Erscheinen am 10. September 1700, erst wieder von Mitte Januar 1704 bis 23. Februar 1705. In den dazwischenliegenden Jahren war er zumindest zeitweise als kaiserlicher Münzkommissär im Reich beschäftigt. Als solchen bestätigte ihn auch Kaiser Josef I. nach seinem Regierungsantritt, übernahm ihn aber wohl nicht als Reichshofrat, was Obernitz schmerzlich überraschte. Seiner mit Schreiben vom 15. April 1706 aus Saalfeld gestellten Bitte an den Kaiser, nach Beendigung der Münzkommission wieder den Reichshofrat besuchen zu dürfen, scheint nicht entsprochen worden zu sein; sein Name erscheint nicht mehr in den Präsenzlisten des Reichshofrats.

Er starb am 24. August 1709 in Wien. Obernitz, ein Lutheraner, verfasste etliche geistliche Lieder und machte sich um die Erweiterung der Privilegien der evangelischen Universität Altdorf verdient.

Literatur

Oswald von Gschließer: Der Reichshofrat. Bedeutung und Verfassung, Schicksal und Besetzung einer obersten Reichsbehörde von 1559–1806 (=Kommission für neuere Geschichte des ehemaligen Österreich 33), Wien 1942, S. 328f.

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