Chantelle ist eine Marke der Groupe Chantelle, die ursprünglich 1876 von François Auguste Gamichon als französisches Unternehmen für Damenunterwäsche gegründet wurde. Auf bedeutenden Industrieausstellungen in Paris, London und Mailand erhielt Chantelle Gold- und Silbermedaillen.

Die Marke nutze den „Kretz Tüll“, ein Material, das für Mieder und später auch für BHs verwendet wurde und zur Ausweitung des Sortiments führte. Claude Kretz nutzte später das von seinem Vater Jean entwickelte Gewebe, um ein Mieder zu fertigen. Gleichzeitig griff er den Namen „Chantelle“ wieder auf, dessen Markenrechte seinem Großvater Paul-Maurice gehörten.

Der Name „Chantelle“ wurde 1949 als Marke eingeführt und ist seit 1976 schließlich der offizielle Firmenname. Heute ist die Marke international tätig; in Deutschland besteht unter anderem eine Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf.

Historie

Gründung und frühe Entwicklung 1876 gründete François Auguste Gamichon ein Unternehmen zur Herstellung elastischer Strickwaren, das später unter dem Namen Chantelle bekannt wurde. Das Unternehmen spezialisierte sich auf elastische Stoffe und nutzte die Entdeckung der Vulkanisierung von Kautschuk, um Textilien widerstandsfähiger zu machen. Um das Geschäft zu unterstützen, schloss sich Gamichon 1898 mit seinem Neffen Paul-Maurice Kretz zusammen.

Die Ära der Korsetts und der „Tulle Kretz“ Im Jahr 1902 begann Maurice Kretz elastische Materialien für die Herstellung des Korsetts zu nutzen. Als Textilingenieur und Sohn von Maurice Kretz entwickelte Jean Kretz in den 1930er-Jahren die Webmethoden des Unternehmens weiter. Er übernahm 1936 die Leitung und taufte das Unternehmen Snek (Société nouvelle des Établissements Kretz). Jean Kretz entwickelte mit dem „Tulle Kretz“ ein Gewebe, welches in Breite als auch Höhe elastisch war.

Die Geburt der Marke Chantelle In den 1940er Jahren nutzte Claude Kretz, der gemeinsam mit seinem Vater Jean im Unternehmen tätig war, den „Tulle Kretz“ für die ersten Mieder. Er übernahm das Geschäft 1949 und startete die Herstellung von Hüftgürteln. Dabei entdeckte er den Namen „Chantelle“ wieder, den sein Großvater Paul-Maurice einst hatte eintragen lassen. Das Établissements Kretz entwickelte sich schnell zum führenden Korsetthersteller Frankreichs und sicherten sich einen Marktanteil von 20 %.

Expansion und die ersten BHs Chantelle brachte 1961 seinen ersten BH auf den Markt. Schon im Folgejahr eröffnete es in Epernay eine Fabrik, die sich ganz auf die BH-Produktion spezialisierte.

Sozialer Wandel und Innovationen Ab 1968 wurde das Werk in Saint-Herblain zum Schauplatz bedeutender gewerkschaftlicher Aktivitäten, darunter mehrwöchige Streiks während der Mai-Unruhen 1968. Nach langjährigen Mobilisierungen wurde das Werk 1994 endgültig geschlossen. In den 2010er Jahren führte Chantelle neue Materialien wie “Spacer” und “Memory Foam” in die Produktion ein. Seit 2023 wurde das Sortiment um die erste Swimwear-Kollektion das Portfolio der Marke erweitert.

Weitere Entwicklungen In Deutschland baute Chantelle sein Vertriebsnetz durch Konzessionsflächen (Shop-in-Shop) im stationären Einzelhandel aus.

Einzelnachweise Jean Watin-Augouard: Histoires de marques. Eyrolles, Paris 2006, ISBN 2-7081-3737-9. FashionUnited: Chantelle – Alles was du wissen musst, 3. Januar 2022, abgerufen am 18. Februar 2026.

Sous Magazin, Ausgabe 132: Beitrag zum Jubiläum der Marke Chantelle. Anne Zazzo: Chantelle. Assouline, Paris 2010, ISBN 978-2-7594-0565-7. TextilWirtschaft: Chantelle startet mit Concessions in Deutschland, 17. März 2009, abgerufen am 18. Februar 2026. Fanny Gallot: En découdre : comment les ouvrières ont révolutionné le travail et la société. La Découverte, Paris 2015, ISBN 978-2-7071-8241-8. FashionNetwork: Chantal Thomass – Übernahme durch die Groupe Chantelle, 27. Mai 2011, abgerufen am 18. Februar 2026.

Literatur Fanny Gallot: En découdre : comment les ouvrières ont révolutionné le travail et la société. La Découverte, Paris 2015, ISBN 978-2-7071-8241-8. Jean Watin-Augouard: Histoires de marques. Eyrolles, Paris 2006, ISBN 2-7081-3737-9. Anne Zazzo: Chantelle. Assouline, Paris 2010, ISBN 978-2-7594-0565-7.

Weblinks Offizielle Website von Chantelle (Deutschland)

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