Oleg Myrzak (* 1972 in Chișinău, Sowjetunion) ist ein deutscher Theaterregisseur und Kulturmanager. Seine Arbeit umfasst Inszenierungen an institutionellen Theatern, partizipative und diskursive Theaterformate sowie langfristige soziokulturelle Projekte im städtischen Raum.
Leben und Ausbildung Myrzak wurde 1972 in Chișinău geboren und absolvierte dort von 1991 bis 1994 ein Schauspielstudium an der Moldauischen Staatlichen Hochschule der Künste. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland 1995 studierte er von 1997 bis 2002 Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin und schloss das Studium mit einem Diplom ab.
Theaterarbeit
Freischaffender Regisseur (2001–2018) Von 2001 bis 2018 war Myrzak als freischaffender Regisseur an verschiedenen deutschen Theatern tätig. Seine erste verzeichnete Inszenierung war „Einsame Menschen“ von Gerhart Hauptmann am bat-Studiotheater Berlin 2001.
Schwerpunkte seiner Arbeit bildeten Inszenierungen am Theater der Jungen Welt Leipzig (2002–2005), am Landestheater Detmold (2007–2008) und am Theater Reutlingen – Die Tonne (2011–2014). Sein Repertoire umfasst Inszenierungen klassischer Dramatik von Euripides, William Shakespeare, Georg Büchner, Anton Tschechow sowie zeitgenössische Autoren wie Roland Schimmelpfennig und Neil LaBute.
Partizipative und diskursive Formate Neben seiner Regietätigkeit war Myrzak an partizipativen und diskursorientierten Theaterprojekten beteiligt. So wirkte er an Edit Kaldors Performanceprojekt „Inventar der Ohnmacht“ mit, das 2015 am Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin gezeigt wurde. Beim NEXT Arts Festival gehörte er 2016 zum Konzeptteam des Performanceprojekts „Web of Trust“, das digitale Kommunikation und Online-Interaktion performativ untersuchte. Darüber hinaus war Myrzak an der Berliner Veranstaltungsreihe "DramaTischTage" beteiligt, die Lesungen, szenische Formate und Publikumsgespräche verband. In Berlin arbeitete er außerdem in freien und selbstorganisierten Kontexten, unter anderem im Kunst- und Theaterraum „enklave“. Dort realisierte er 2011 Inszenierungen wie „Medea“ und „In der Strafkolonie“ nach Franz Kafka.
Soziokulturelle Arbeit Seit 2022 ist Myrzak Leiter des Stadtteilzentrums Hellersdorf-Ost in Berlin. Dort entwickelt und verantwortet er partizipative Kultur- und Theaterformate und arbeitet mit lokalen Initiativen sowie nicht-professionellen Akteurinnen und Akteuren zusammen. Die Arbeit verbindet künstlerische Praxis mit langfristiger Beziehungsarbeit in der Stadtgesellschaft.
Weitere Tätigkeiten Von 2017 bis 2021 war Myrzak wissenschaftlicher Mitarbeiter des Abgeordneten Michail Nelken im Berliner Abgeordnetenhaus mit den Schwerpunkten Bauen und Stadtentwicklung. In dieser Funktion leitete er ein Wahlkreisbüro im Bezirk Prenzlauer Berg und beschäftigte sich mit parlamentarischer Arbeit, Verwaltung und Stadtteilöffentlichkeit.
Ehrenamtlich engagierte er sich von 2014 bis 2022 als Pressesprecher des Mieterforums Pankow sowie in verschiedenen bezirkspolitischen Gremien, darunter als Bürgerdeputierter im Ausschuss für Kultur und Weiterbildung (2015–2016) und im Integrationsbeirat Pankow (2018–2021).
Inszenierungen (Auswahl)
2001: Einsame Menschen (Gerhart Hauptmann) – bat-Studiotheater Berlin 2002: Elizaveta Bam (Daniil Charms) – bat-Studiotheater Berlin 2004: Eins auf die Fresse (Rainer Hachfeld) – Theater der Jungen Welt Leipzig 2004: Plumpsack (Katharina Schlender) – Theaterfestival Blickfelder Zürich (UA) 2007: Kohlhaas (nach Heinrich von Kleist) – Theater der jungen Welt Leipzig 2008: Die Herzschrittmacherin (Rolf Kemnitzer) – Kleines Theater Kammerspiele Landshut 2008: Das Sofa (Simon Borowiak) – Landestheater Detmold 2010: DramaTischTage – Theater Eigenreich Berlin 2011: Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen (Nikolaj Gogol) – Ballhaus Naunynstraße Berlin 2011: Das Maß der Dinge (Neil LaBute) – Theater Reutlingen – Die Tonne 2012: Dionysos (Euripides) – Theater Reutlingen – Die Tonne 2012: Trollmann (Björn Bicker) – Theater unterm Dach Berlin 2013: Die Möwe (Anton Tschechow) – Theater Reutlingen – Die Tonne 2014: Die arabische Nacht (Roland Schimmelpfennig) – Theater Reutlingen – Die Tonne 2014: Woyzeck (Georg Büchner) – Theater Reutlingen – Die Tonne / Theater unterm Dach Berlin 2018: Dreck (Robert Schneider) – Theater unterm Dach Berlin 2024: Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare) – Theater am Park Berlin 2025: Märchenstunde für Erwachsene – Theater am Park Berlin
Hörspiele (Auswahl) 2010: Ute-Christine Krupp: Muttersprache, Vaterland (Wassili) – Regie: Anouschka Trocker (Original-Hörspiel – Deutschlandradio Kultur)ARD-Hörspieldatenbank (Muttersprache, Vaterland, Deutschlandradio Kultur 2010)
Weblinks Webseite von Oleg Myrzak
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Kulturmanager Kategorie:Hörspielsprecher Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Mann