Pharmakologische Daten Verabreichungsweg Oral (Einnahme) Plasmaeiweißbindung > 99 % Maximaler Plasmaspiegel Nach 4–6 Stunden Steady State Nach ca. 8 Tagen Halbwertszeit 31 Stunden 55 Stunden (HAS-719) Metabolisierung Hepatisch, vorwiegend Cytochrom P450 3A4

Aumolertinib ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der oralen Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) der dritten Generation. Er wird zur Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) eingesetzt bei Patienten mit bestimmten Mutationen im EGFR-Gen (Gen für den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor, EGFR). Der Wirkstoff ist seit 2020 in China unter dem Präparatenamen Ameile zugelassen. Die EU-Zulassung 2026 unter dem Namen Aumseqa wurde widerrufen, nachdem ein formaler Fehler im Zulassungsverfahren bekannt geworden war.

Die Verabreichung erfolgt oral (Einnahme).

Wirkungsmechanismus Aumolertinib wirkt, indem es die autophosphorylierende Tyrosinkinaseaktivität unterbricht, was die Zellproliferation und das Tumorwachstum hemmt. In der Folge kommt es zur Apoptose der Tumorzellen.

Eigenschaften Die hemmende Wirkung von Aumolertinib richtet sich mit hoher Selektivität gegen die EGFR-TKI-Resistenzmutation T790M und gegen EGFR-TKI-sensibilisierende Mutationen wie die EGFR-Exon-19-Deletion [Ex19Del] und EGFRL858R-Mutation im Exon 21. Die Wirkung gegenüber dem Wildtyp ist vermindert.

rahmenlos|zentriert|hochkant=1.4|Vergleich der Strukturformeln

Aumolertinib ist ein Analogon des Osimertinibs, von dem es sich durch eine Cyclopropylgruppe anstelle der Methylgruppe am Indolstickstoff unterscheidet. Dadurch erhöht sich die Selektivität für mutierte Rezeptortypen. Der Substituent ermöglicht hydrophobe Wechselwirkungen mit dem Methionin-790. Auch die Lipophilie wird erhöht und das Permeationsvermögen für die Blut-Hirn-Schranke. Der N-demethylierte Hauptmetabolit HAS-719 ist ebenfalls pharmakologisch aktiv und hat ein ähnliches Wirkprofil wie Aumolertinib.

+ Inhibierung von EGRF im Vergleich EGFR-Typ Mittlere inhibitorische Konzentration, IC50 (nM) Aumolertinib HAS-719 Osimertinib Gefitinib T790M 0,37 0,73 0,54 > 100 Wildtyp (WT) 3,39 11,30 5,55 0,13 L858R 1,50 5,08 2,26 0,88 Del 19 0,88 2,84 1,21 0,17 T790M/L858R 0,29 0,69 0,46 > 100 T790M/Del 0,21 0,48 0,29 > 100

Der Wirkstoff wurde von der chinesischen Firma Hansoh entwickelt. Pharmazeutisch wird er als Salz der Methansulfonsäure, Aumolertinibmesilat, eingesetzt, einem nicht-hygroskopischen kristallinen Pulver, das in DSMO und im Wässrigen unterhalb von pH 8,8 löslich ist.

Medizinische Verwendung Anwendungsgebiete Die zugelassenen Anwendungsgebiete umfassten Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, deren Tumoren Deletionen im Exon 19 des EGFR oder Substitutionsmutationen im Exon 21 (L858R) aufweisen Behandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC mit positiver EGFR-T790M-Mutation (Zweitlinientherapie)

In China bestehen Zulassungen in insgesamt fünf Indikationen.

Klinische Prüfung Die EU-Zulassung beruht auf den Ergebnissen von zwei Studien.

Die Phase-3-Studie (AENEAS) umfasste 429 therapienaive Erwachsene mit lokal fortgeschrittem oder metastasiertem NSCLC mit EGFR-Mutationen, darunter eine Exon-19-Deletion oder Exon-21-L858R-Substitution. Die Teilnehmer erhielten randomisiert entweder Aumolertinib oder Gefitinib, einen EGFR-TKI der ersten Generation. Das progressionsfreie Überleben (PFS) betrug unter Aumolertinib durchschnittlich 19,1 Monate im Vergleich zu 9,7 Monaten bei jenen Patienten, die Gefitinib erhielten. Das Gesamtüberleben (Overall survival, OS) betrug unter Aumolertinib durchschnittlich insgesamt 39,2 Monate gegenüber 31,2 Monate unter Gefitinib.

Die zweite Studie (APOLLO) war eine offene einarmige Phase-1/2-Studie an 244 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC und EGFR-T790M-Mutation, deren Krebs nach einer vorherigen Behandlung mit einem EGFR-TKI fortgeschritten war. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war die objektive Ansprechrate (Objective response rate, ORR). Etwa 69 % der Patienten hatten eine partielle Reaktion auf die Behandlung (Schrumpfung des Tumors); die Reaktionen hielten durchschnittlich etwa 15 Monate an (Dauer des Ansprechens, Duration of response, DoR).

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren erhöhte Leberwerte (AST, ALT), Hyponatriämie, erhöhte CPK-Werte, Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Infektionen der oberen Atemwege und Ausschlag. Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren venöse Thromboembolien sowie Infektionen der unteren Atemwege, der Lunge und der Harnwege.

Bei mit Aumolertinib behandelten Patienten kam es zur Verlängerung des QTc-Intervalls. Infolgedessen können ggf. eine Behandlungsunterbrechung und Dosisanpassung erforderlich werden, die gleichzeitige Behandlung mit anderen QTc-intervallverlängernden Arzneimitteln sollte vermieden werden. Nicht angewendet werden darf Aumolertinib bei einem angeborenen Long-QT-Syndrom. Bestimmte Vorsichtsmaßnahmen können auch bei Herzinsuffizienz oder gleichzeitiger Anwendung von CYP3A4-Inhibitoren erforderlich werden.

Handelsnamen und Zulassung Aumeile: März 2020 Aumseqa: Juni 2025, Februar bis September 2026

Einzelnachweise INN Recommended List 86, World Health Organisation (WHO), 2. September 2021.

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, ec.europa.eu, 12. Februar 2026.

Assessment report Aumseqa, EMA/1407/2026. Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP). 11. Dezember 2025.

Durchführungsbeschluss der Kommission vom 25.09.2026, ec.europa.eu.

Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Indol Kategorie:Cyclopropylverbindung Kategorie:Pyrimidin Kategorie:Aminoazin Kategorie:Anisidin Kategorie:Methylamin Kategorie:Dimethylamin Kategorie:Anilid Kategorie:Alkensäureamid