mini|Stedelijk Prentenkabinet. Museum Plantin-Moretus, Vrijdagmarkt 22 Das Stedelijk Prentenkabinet ist die städtische Grafiksammlung Antwerpens. Es gehört zum Gebäudekomplex des Museums Plantin-Moretus am Vrijdagmarkt 22 und zählt mit seiner Sammlung von über 75.000 Sammlungsobjekten zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art weltweit.
Geschichte Die Entstehungsgeschichte des Stedelijk Prentenkabinet reicht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Als Max Rooses 1876 zum Konservator des im folgenden Jahr eröffneten Museum Plantin-Moretus ernannt wurde, begann er, Drucke und Zeichnungen von Antwerpener Meistern systematisch zu erwerben. Eine erste bedeutende Erwerbung war im Jahr 1875 die umfangreiche grafische Sammlung von Édouard ter Bruggen, die 2965 Blätter von rund 400 Antwerpener Kupferstechern umfasste. Rooses beschränkte sich dabei nicht auf die unmittelbare Verbindung mit dem Erbe der berühmten Druckerei, sondern setzte sich Schritt für Schritt für den Aufbau einer eigenständigen grafischen Sammlung ein. Im Jahr 1905 schenkte er dem Museum rund 150 Zeichnungen alter Meister wie Anthonis van Dyck, Jacob Jordaens und Joris Hoefnagel sowie moderne Werke von Henri Leys und Henri de Braeckeleer aus seiner Privatsammlung. Wichtige Erwerbungen in den 1930er Jahren erweiterten die Sammlung erheblich. So wurden 1931 auf einer Auktion in Leipzig Zeichnungen aus der Eremitage in Leningrad erworben, darunter Werke von Rubens, Lucas van Uden, Joannes Fijt und Jordaens. 1934 kamen drei große Jordaens-Zeichnungen aus der Pariser Sammlung Rouit-Berger hinzu. Die Rubens-Zeichnung Hoeve te Luithagen wurde 1936 auf der Versteigerung der Sammlung von Henry Oppenheimer in London erworben. Eine groß angelegte Ausstellung von Zeichnungen und Drucken Antwerpener Künstler im Jahr 1936, die mehr als 2000 Werke präsentierte, machte der Öffentlichkeit die Notwendigkeit einer neuen musealen Einrichtung deutlich. Die Stadt Antwerpen entschied sich daraufhin für die Gründung eines eigenständigen Kupferstichkabinetts am Vrijdagmarkt in unmittelbarer Nähe zum Museum Plantin-Moretus. Am 11. März 1939 wurde das Stedelijk Prentenkabinet vom damaligen Bürgermeister Camille Huysmans eröffnet. Erster Konservator wurde der Kunsthistoriker Ary Delen, der die Sammlung bereits zuvor im Museum Plantin-Moretus betreut hatte.
Das Wirken von Ary Delen als Konservator stand von Anfang an im Schatten des Zweiten Weltkriegs. Bereits im Sommer 1939 wurden die Sammlungsbestände verpackt und in Sicherheit gebracht: Zunächst wurden sie in die Keller des Antwerpener Rathauses deponiert, während der deutschen Besatzung dann auf das Schloss von Lavaux-Sainte-Anne. Nach der Befreiung Belgiens wurden die Sammlungsbestände in die Keller der Nationalbank und der Société Générale in Brüssel überführt. Am 2. Januar 1945 schlug eine V-Bombe auf dem Vrijdagmarkt ein und richtete schwere Schäden am Museum Plantin-Moretus und am Stedelijk Prentenkabinet an. Der Wiederaufbau war bis 1949 abgeschlossen. Ary Delen trat 1945 in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Frank Van den Wijngaert, der das Amt bis 1959 innehatte. Ab 1952 wurde das Stedelijk Prentenkabinet administrativ mit dem Museum Plantin-Moretus verbunden, welches unter die Leitung von Leon Voet kam. Dieser setzte das Ankaufsprofil von Max Rooses fort und konzentrierte sich auf Antwerpener Künstler.
Architektur mini|Die von Benoît van Innis gestaltete Fassade des Lesesaals im Plantin-Moretus-Museum in der Heilige-Geest-Straße in Antwerpen. Das Gebäude des Stedelijk Prentenkabinet wurde von 1937 bis 1939 nach Entwürfen des Stadtbaumeisters Emiel van Averbeke aus den Jahren 1935/36 errichtet. Es steht an der Ecke Vrijdagmarkt/Heilige Geeststraat auf dem Gelände eines spätklassizistischen Eckhauses aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, das zuvor abgerissen wurde. Die mit Naturstein verkleidete Listenfassade ist durch Sockel, gesimssartige Fensterbänke und ein klassisches Hauptgesims gegliedert. Im Zuge der Anerkennung des Plantin-Moretus-Archivs als Weltdokumentenerbe durch die UNESCO im Jahr 2001 und der Aufnahme des gesamten Komplexes in die Liste des Weltkulturerbes im Jahr 2005 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Das Büro noAarchitecten aus Brüssel gewann den Wettbewerb im Jahr 2008 und errichtete bis 2016 einen Erweiterungsbau mit einem neuen Lesesaal im Erdgeschoss und vier klimatisierten Depotgeschossen für die historische Sammlung. Der Künstler Benoît van Innis gestaltete die Fassade dieses Erweiterungsbaus.
Sammlung Die Sammlung des Stedelijk Prentenkabinet umfasst Zeichnungen, Druckgrafiken, Bücher, Kupferdruckplatten, Holzstöcke, Plakate, Kunstmappen und Skizzenbücher von der Renaissance bis zur Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt auf Antwerpener Künstler, wobei das Sammlungsprofil weit gefasst ist. Berücksichtigt wurden neben in Antwerpen geborenen Künstlern auch Mitglieder der Sint-Lukasgilde sowie Künstler, die ihre Werkstatt in der Stadt eingerichtet hatten. Die Sammlung enthält zudem eine eigene Abteilung zur Ikonografie Antwerpens, in der Darstellungen des historischen Stadtbilds, des Hafens und der Stadtgeschichte dokumentiert sind. Das Kabinett verfügt außerdem über eine Bibliothek mit Lesesaal.
Besondere Kunstwerke mini|Jacob Jordaens, Das Schiff des Odysseus von Calypso versorgt, 1630/1635 Zu den Höhepunkten der Sammlung zählen mehrere Zeichnungen von Peter Paul Rubens, darunter Herkules und der Nemeische Löwe sowie Hoeve te Luithagen. Das Kabinett besitzt außerdem Zeichnungen von Anthonis van Dyck, darunter eine Vorstudie zur Kreuztragung, die als Gemälde in der Sint-Pauluskerk in Antwerpen zu sehen ist. Von Jacob Jordaens sind ebenfalls mehrere Zeichnungen vorhanden. Joris Hoefnagel fertigte 1593 eine kleinformatige Zeichnung auf Pergament als Erinnerungsgabe für seinen Freund, den Kartografen Abraham Ortelius. Ein Vogelschauplatz der Stadt Antwerpen von Hoefnagel erschien zudem im zwischen 1572 und 1616 herausgegebenen Werk Civitates Orbis Terrarum. Aus der zeitgenössischen Kunst sind Werke von Panamarenko, Frans Dille und Jan Cox vertreten.
Literatur
Francine de Nave, Leon Voet: Museum Plantin-Moretus Antwerpen, Brüssel 1989.
Weblinks Museum Plantin-Moretus Museum Plantin-Moretus. Architektur Prentenkabinet Plantin-Moretus. noAarchitecten Marijke Hellemans (conservator Prentenkabinet) CODART
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstmuseum in Belgien Kategorie:Antwerpen Kategorie:Grafische Sammlung Kategorie:Gegründet 1939 Kategorie:Museumsgründung 1939