mini|Michiel van der Voort: Bacchus, Marmor, zwischen 1712 und 1714, signiert „MICAEL.VAN DF.R VOORT/ D’ANVERS.FECIT“ auf dem Sockel Michiel van der Voort der Ältere (* 3. Januar 1667 in Antwerpen; † 8. Dezember 1737 ebenda) war ein flämischer Bildhauer. Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern, die sakrale Skulpturen und kirchliches Mobiliar schufen, darunter auch Kanzeln wie die sogenannte Naturkanzel.

Leben Michiel van der Voort wurde 1667 in Antwerpen als Sohn von Petrus van der Voort und Sara Jacops geboren. Er erhielt seine erste Ausbildung möglicherweise bei Henri Cosyns, bevor er Lehrling bei Peter Scheemakers wurde. Am 18. September 1689 wurde er im Antwerpener Gildebuch als Meister eingetragen. Im Jahr 1690 brach er nach Italien auf, wo er bis 1693 in Rom lebte, Mitglied der Künstlervereinigung der Bentvueghels war und den Bentnamen „Welgemaeckt“ trug. Auf der Rückreise bereiste er Frankreich und London. Spätestens 1694 war er wieder in Antwerpen ansässig.

Am 17. August 1700 heiratete er Elisabeth Verberckt, die 1708 verstarb und mit der er fünf Kinder hatte. Am 8. September 1709 schloss er eine zweite Ehe mit Elisabeth van Os, aus der zwei Kinder hervorgingen. Eine dritte Ehe wurde 1730 beurkundet. Van der Voort unterhielt eine florierende Werkstatt, in der er dreizehn Lehrlinge ausbildete, darunter seinen Sohn sowie den späteren Genremaler Jan Jozef Horemans I. Ob der gleichnamige Bildhauer Michiel van der Voort, geboren am 18. August 1704, mit seinem Sohn Michiel Michael Petrus, geboren am 24. April 1705, identisch ist oder einem anderen Familienmitglied entspricht, ist wegen des abweichenden Geburtsdatums nicht eindeutig geklärt. In späterer Zeit arbeiteten beide zusammen. Van der Voort wurde in der Sint-Jacobskerk in Antwerpen beigesetzt.

Werk mini|Naturkanzel in der Kathedrale St. Rombout in Mechelen Michiel van der Voort arbeitete in Holz, Ton und Marmor und fast ausschließlich für kirchliche Auftraggeber. Mark Emanuel Tralbaut verzeichnet für die Jahre 1699 bis 1737 insgesamt 36 erhaltene und 24 nicht überlieferte bildhauerische Werke van der Voorts, darunter Beichtstühle, Grabmäler, Altäre und zwei bedeutende Kanzeln. In seinem Werk lassen sich sowohl Einflüsse der italienischen Skulptur als auch der klassizistischen Richtung der Barockskulptur ausmachen.

Die beiden Frauenfiguren auf dem Grabmonument des Erzbischofs de Precipiano in der Sint-Romboutskathedraal in Mechelen aus dem Jahr 1709 weisen klassizistische Tendenzen auf und erinnern an Werke von Frans du Quesnoy. Die Figuren des Kalvarienberges in der Sint-Pauluskerk in Antwerpen aus dem Jahr 1709 zeigen hingegen eine Auseinandersetzung mit Berninis Skulpturen an der Engelsbrücke in Rom aus dem Jahr 1657. Die Figur des heiligen Paulus in der Sint-Jacobskerk in Antwerpen aus dem Jahr 1723 erinnert dagegen an Michelangelos Moses.

Besondere Bedeutung kommt seinen beiden Kanzeln zu. Die erste Naturkanzel wurde 1713 in der Zisterzienserabtei Hemiksem aufgestellt und Anfang des 19. Jahrhunderts in die Liebfrauenkathedrale in Antwerpen gebracht. Ihr Aufbau lehnt sich an die Kanzel von Hendrik Frans Verbrugghen aus dem Jahr 1699 in der Jesuitenkirche in Leuven an. Der Kanzelkorb wird von weiblichen allegorischen Gestalten getragen, die die vier Kontinente verkörpern. Den Schalldeckel bildet eine zeltartige Plane, die von Putti seitlich angehoben wird. Besonders bemerkenswert ist die doppelläufige Treppe mit Geländern in Form von Hecken, auf denen sich Vögel unterschiedlichster Art und zwei Eichhörnchen tummeln.

Die zwischen 1721 und 1723 entstandene Holzkanzel in der Sint-Romboutskathedraal in Mechelen gilt als Höhepunkt der Naturkanzeln in den südlichen Niederlanden. Die einzelnen Skulpturen, darunter Darstellungen der Bekehrung des heiligen Norbert und des Kalvarienbergs, sind so harmonisch zu einem Gesamtkunstwerk verwoben, dass die architektonischen Einzelteile kaum voneinander zu trennen sind. Während der Messe wird der Prediger so zu einem Bestandteil dieser szenografisch durchdrungenen Inszenierung.

Über 70 überlieferte Entwurfszeichnungen zeigen die Vorstufen einzelner Projekte. Besonders beachtenswert sind seine Studienblätter für die Apostel in der Sint-Pauluskerk in Antwerpen. Auf jedem Blatt sind Variationen der jeweiligen Apostelfigur zu sehen. Die Studienblätter befinden sich im Stedelijk Prentenkabinet Antwerpen. Eine umfangreiche Sammlung von Terrakotten und Zeichnungen befindet sich in Privatbesitz und ist als Leihgabe im Museum Plantin-Moretus in Antwerpen zu sehen. Im Londoner Victoria and Albert Museum wird eine Terrakottagruppe mit dem Titel Samson und der Löwe aus dem Jahr 1706 ausgestellt.

Literatur

Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009. M. E. Tralbaut: Michiel van der Voort de Oude als dierenbeeldhouwer. De Sikkel, Antwerpen 1946. M. E. Tralbaut: De Antwerpse „Meester Constbeldthouwer“ Michiel van der Voort de Oude (1667–1737), zijn leven en werken. Standaard Boekhandel, Antwerpen 1950. S. Geese: Kirchenmöbel und Naturdarstellung. Kanzeln in Flandern und Brabant. Verlag An Der Lottbek, Ammersbek bei Hamburg 1997.

Weblinks

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Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Flandern) Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Geboren 1667 Kategorie:Gestorben 1737 Kategorie:Mann