mini|František Nušl (1930)
František Nušl (* 3. Dezember 1867 in Jindřichův Hradec / Neuhaus, Österreich-Ungarn; † 17. September 1951 in Prag, Tschechoslowakische Republik) war ein tschechischer Astronom.
Leben František Nušl kam am 3. Dezember 1867 als Sohn des Blechschmieds Ignáz Nušl und von Františka Nušlova, geborene Novotna, in der böhmischen, damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Stadt Neuhaus zur Welt. Von 1879 bis 1888 besuchte er das dortige Gymnasium. Während dieser Zeit erblindete er wegen einer fehlgeschlagenen Strabismus-Operation auf dem linken Auge. Er interessierte sich schon früh für Physik und Astronomie, baute sich in der Werkstatt seines Vaters ein eigenes Teleskop und beobachtete damit den Venustransit von 1882. Nach dem Abitur studierte er an der Karls-Universität, wo ihm August Seydler 1889 eine Assistentenstelle am Astronomischen Institut anbot. Aus der Studienzeit stammten seine Kontakte zu Tomáš Garrigue Masaryk, Jan Gebauer und Jaroslav Goll, mit denen er später an der tschechischen Nationalenzyklopädie Ottův slovník naučný zusammenarbeitete.
Nach dem Studium hatte er für zwei Jahre eine Assistentenstelle beim Physiker Vincent Strouhal und bereitete sich parallel auf die Lehramtsprüfung vor, die er 1893 ablegte. Anschließend unterrichtete er Mathematik und Physik an naturwissenschaftlich ausgerichteten Sekundarschulen in Hradec Králové und Karlín.
mini|Zirkumzenital aus dem Astronomischen Institut in Ondřejov
1898 wurde er mit dem Amateurastronomen Josef Jan Frič bekannt, der eine kleine Fabrik für Präzisionsmechanik besaß. Frič richtete zusammen mit Nušl als Direktor eine private Sternwarte in Ondřejov südlich von Prag ein, die 1928 der Tschechoslowakischen Republik übergeben wurde. Dort gelangen ihnen fotografische Aufnahmen des Kometen 1907d, worüber sie in den Astronomischen Nachrichten berichteten.
Um die Jahrhundertwende begann Nušl, sich für Instrumente zur Bestimmung von Geokoordinaten zu interessieren. Nachdem er 1901 nach Prag zurückgekehrt war, entwickelte er zusammen mit Frič seine wichtigste Erfindung, das Zirkumzenital. Dieses Gerät verwendete zur Präzisionsmessung zwei Laufwege des Sternenlichts durch eine Apparatur, wobei der längere von einer Quecksilberoberfläche, die stets senkrecht zum Gravitationsfeld steht, reflektiert wird und es damit ermöglicht, die Erreichung einer bestimmten Sternhöhe durch das Zusammenfallen zweier Lichtpunkte sehr präzise zu ermitteln. Daraus lassen sich dann mittels Gauß’ Methode gleicher Höhen die geografischen Koordinaten des Messortes berechnen. Das tragbare Gerät wurde 1924 auf der Generalversammlung der IUGG in Madrid mit großem Erfolg vorgestellt. Auf der Weltfachausstellung Paris 1937 wurde das Zirkumzenital mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Zwei weitere Geräte, das Radiozenital und das Diazenital, waren weniger erfolgreich.
1905 habilitierte sich Nušl an der Technischen Universität Prag in praktischer Astronomie und geometrischer Optik und wurde dort 1908 Professor für Mathematik. Nach Gründung der Tschechoslowakischen Republik wurde er zum Leiter der staatlichen Sternwarte ernannt und erhielt 1926 eine Professur für Astronomie an der Karls-Universität. Nušl war 1917 Gründungsmitglied und ab 1922 Vorsitzender der Česká astronomická společnost (Tschechische Astronomische Gesellschaft), auch über seinen Ruhestand 1938 hinaus. Über diese Gesellschaft ist Tschechien seit 1922 in der Internationalen Astronomischen Union vertreten. In seiner Rolle als Vorsitzender der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft beteiligte sich Nušl auch an der Errichtung des Štefánik-Observatoriums auf dem Petřín-Hügel in Prag.
mini|hochkant|Grab von František Nušl (2021)
Nušl war mit Aloisie Nušlová, geborene Doležalová (1872–1957), verheiratet. Das Paar hatte zwei Söhne, František (1899–1975) und Jan (1900–1986), sowie eine Tochter, Jiřina (1917–1986). Über weitere zum Teil sehr persönliche Informationen berichtet sein Enkel, der Philosoph Jan Sokol, Sohn von Jiřina, auf einer Internetseite der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft. Der Astronom Zdeněk Kopal war sein Schüler. František Nušl starb am 17. September 1951 im Alter von 83 Jahren in Prag und wurde dort auf dem Břevnovský-Friedhof begraben.
Ehrungen Seit 1938 vergibt die Tschechische Astronomische Gesellschaft den František-Nušl-Preis. Der Preis wurde bis 1949 verliehen und nach einer fünfzigjährigen Pause 1999 symbolisch wieder eingeführt. Im Jahre 1970 benannte die Internationale Astronomische Union den Mondkrater Nušl offiziell nach František Nušl. Der 1982 entdeckte Asteroid (3424) Nušl wurde nach František Nušl benannt. Die Sternwarte und das Planetarium in seiner Geburtsstadt Jindřichův Hradec sind nach František Nušl benannt.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Astronom (19. Jahrhundert) Kategorie:Astronom (20. Jahrhundert) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Person als Namensgeber für einen Mondkrater Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Tschechoslowake Kategorie:Geboren 1867 Kategorie:Gestorben 1951 Kategorie:Mann