Ernestine Freifrau von Geusau, geb. Ernestine Friederike Freiin von Mentzingen (* 17. Mai 1788 in Menzingen; † 3. Juni 1852 in KarlsruheTodesanzeige, Allgemeine Zeitung vom 18. Juni 1852, S. 2719) war eine deutsche Adlige und badische Hofdame. Sie komponierte und arrangierte Musik für Glasharmonika.
Leben Ernestine entstammte dem Kraichgauer Reichsrittergeschlecht der Freiherren von Mentzingen. 1806 erfolgte die Mediatisierung durch das neu entstandene Großherzogtum Baden und damit der Verlust der Reichsunmittelbarkeit. Sie war eine Tochter von Christian Ernst von und zu Mentzingen (1748–1797), Herr zu Gondelsheim (bis 1787), und dessen Frau Friederike Wilhelmine, geb. Freiin Schilling von Cannstatt (1749–1823). Der badisch-russische Offizier und Kammerherr Christian Ernst August von Mentzingen (1790–1870) war ihr Bruder.
Als Kind lebte sie eine Zeitlang bei Verwandten in Ansbach, wohin sich die Familie während der Koalitionskriege wegen eines befürchteten Einfalls der Franzosen in Baden geflüchtet hatte.Otto Becher (Hrsg.): Das Kraichgau und seine Bewohner zur Zeit der Reformation. Karlsruhe: Reiff 1908, S. 96f Nach dem Tod des Vaters 1797 zog die Familie nach Karlsruhe an den badischen Hof.
Ernestine von Mentzingen erhielt eine umfassende musikalische Bildung. So war sie Schülerin des Hofkapellmeisters Franz Danzi, der ihr sein op. 42 Sonate für zwei Klaviere und obligate Violine D-Dur widmete, erschienen bei André in Offenbach 1813/14.Volkmar von Pechstaedt (Hrsg.): Franz Danzi: Briefwechsel (1785–1826), S. 152 Anm. 1 Offenbar bei Joseph Aloys Schmittbaur lernte sie, die Glasharmonika zu spielen. In der Stadtbibliothek Lübeck hat sich ein von ihr angelegter Sammelband mit Harmonika-Musik erhalten, der neben zahlreichen, teils ihr gewidmeten Kompositionen Schmittbaurs und Werken von Joseph Schlett (1763–1836)Deux Sonates pour L'Harmonica, Leipzig: Breitkopf & Härtel o. J. (No. 281) auch eigene Werke wie Fantasie für die Harmonica und Arrangements wie Märsche aus 'Achilles' , Aus Graf Armand enthält.
Als junge Frau war Ernestine, so Rahel Varnhagen, „eine der auffallenden Personen des Hofes“: „groß und schlank, durch Jugend mit hinlänglichem Anschein von Schönheit ausgestattet, kühn und muthig in ihrem Wesen, besonders verwegene Reiterin“. Rahel Levin Varnhagen: Briefwechsel mit Pauline Wiesel. (= Edition Rahel Levin Varnhagen) Hrsg. Barbara Hahn und Birgit Bosold, München: Beck 1997, ISBN 978-3-406-41346-9, S. 598 Anm. 124 Man munkelte am Hof, der spätere Großherzog Ludwig „habe eine vorübergehende Liebschaft mit ihr gehabt“.Consolina Viliero (Hrsg.): Rahel Levin Varnhagen: Briefwechsel mit Ludwig Robert. (= Edition Rahel Levin Varnhagen) München: Beck 2001, ISBN 978-3-406-48256-4, S. 867f Anm. 278
1816 heiratete sie den badischen Offizier Karl Freiherr von Geusau (* 2. März 1775 in Karlsruhe; † 13. Februar 1826 ebenda). Die Heirat soll laut Rahel Varnhagen auf Befehl des Großherzogs Karl Ludwig Friedrich arrangiert worden und sehr unglücklich gewesen sein.
In zehn Jahren Ehe gebar Ernestine sechs Kinder: Karl (* 28. November 1816; † 4. Mai 1837 in Padua an Nervenfieber), k.k. LeutnantSiehe seine Todesanzeige, Allgemeine Zeitung vom 13. Juli 1837, S. 1348 Fritz (* 5. Januar 1818; † 12. Juli 1880), badischer Rittmeister ⚭ 1850 Sophie von SeldeneckTochter des Generalmajors Wilhelm von Seldeneck, Luise Caroline Frederike (* 23. Februar 1819; † 28. Februar 1900) ⚭ 1840 Theodor Friedrich von Baumbach (* 1809; † 1876), großherzoglich badischer OberschlosshauptmannGeschichte der zur althessischen Ritterschaft gehörenden Familie von Baumbach., S. 59 Stefanie Frederike Charlotte Ernestine (* 25. November 1821; † 21. Juni 1874), Stiftsdame, Kraichgauer Adeliges Damenstift Marie Henriette Wilhelmine Charlotte (* 2. April 1820; † 20. Juni 1891) ⚭ 1842 Graf August Clemens von Leiningen-Neudenau (* 20. Januar 1805; † 5. Mai 1862)Gothaisches genealogisches Taschenbuch nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuch auf das Jahr 1862, S. 259f Wilhelmine Auguste Adriane Ernestine (* 4. Mai 1825; † 6. Juni 1852) ⚭ 1848 Oscar Maximilian von Westerholt-Gysenberg (* Dezember 1815; † 13. Februar 1874)Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser (1908), S. 992
General von Geusau starb 1826 im Alter von 51 Jahren an einem Nervenschlag.Siehe seine Todesanzeige, Allgemeine Zeitung vom 21. Februar 1826, S. 208 Als Witwe war Ernestine von Geusau Hofdame am großherzoglichen Hof in Karlsruhe.
Sie stiftete ein Kapital zur Unterstützung bedürftiger Konfirmanden und eine Altardecke für die Kirche in Menzingen.
Werke Harmonika-Musik, Stadtbibliothek Lübeck, Mus N 1876 (Sammelband mit Musik für Glasharmonika- überwiegend Manuskript, 100 S., 33 Kompositionen) Digitalisat, darin Fantasie für die Harmonica, S. 13–26 Rondo in F Per l'Harmonica, S. 51–53
Weblinks Eintrag in der Datenbank der Carl Maria von Weber Gesamtausgabe
Einzelnachweise
Kategorie:Glasharmonika-Spieler Kategorie:Hofdame (Deutschland) Kategorie:Person (Karlsruhe) ⚭Ernestine Kategorie:Freiherr Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Geboren 1788 Kategorie:Gestorben 1852 Kategorie:Frau