mini|Kusnezowa im Jahr 2006 Ariadna Iwanowna Kusnezowa (, auch Kuznecova oder Kuznetsova; * 27. Januar 1932 in Moskau; † 12. April 2015 ebenda) war eine russische Philologin, Linguistin und Finnougristin. Sie gilt als eine der bekanntesten Sachverständigen für das Russische und die uralischen Sprachen, befasste sich aber auch mit der Mythologie der nordsibirischen Völker.

Leben und Werk 1950 schloss Kuznecova die Mittelschule und die Musikschule ab, an der sie die Klasse für Klavierspiel besucht hatte. Sie entschied sich für die Philologische Fakultät der Universität Moskau. Dort schloss sie 1955 ihr Studium am Institut für Russische Sprache und Literatur ab. Als Philologin war sie zur Schullehrerin für russische Sprache und Literatur qualifiziert. Ihr Interesse galt vor allem dem Bedeutungssystem der Sprache. In ihrer Diplomarbeit befasste sie sich mit der Geschichte der Verben der Bewegung.Историческая стратификация глаголов движения.

An derselben Universität setzte sie ihr Studium am Institut für Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft unter Vladimir Zvegincev fort. Ab 1957 arbeitete sie als Lektorin der Philologischen Fakultät. 1963 wurde sie mit einer Untersuchung über die Geschichte der russischen Bewegungsverben vom 11. bis 20. Jahrhundert promoviert.Смысловые отношения и их исторические изменения в лексико-семантической группе глаголов движения русского языка (с XI по XX в). Ihre Doktordissertation, ihre eigentliche wissenschaftliche Qualifikation, behandelte die russische Morphologie.Параметрическое исследование периферийных явлений в области морфемики (на материале русского языка).

1969 wurde Kuznecova Dozentin an der Universität Moskau, 1993 Professorin und 2002 erhielt sie den Ehrentitel einer verdienten Professorin. Dort blieb sie während ihrer gesamten Berufstätigkeit beschäftigt. 1990–1997 war sie Leiterin des Instituts für finnisch-ugrische Philologie und ab 1997 Professorin am Institut für Theoretische und Angewandte Sprachwissenschaft. Zu ihren bedeutendsten Werken zählt das Morphemwörterbuch des Russischen, das sie 1986 mit Tatjana Efremova veröffentlichte.Cловарь морфем русского языка.

Zur Beschäftigung mit der Familie der uralischen Sprachen kam sie durch die Dokumentation der Minderheitssprachen im russischen Gebiet und durch Feldforschungsreisen. 1968 bis 1977 und 1998 bis 1999 war sie Organisatorin und Teilnehmerin mehrerer Feldforschungsreisen in die Gebiete der Komisyrjänen und der Samojeden (Nenzen, Enzen und Selkupen).

Zu den Selkupen veröffentlichte sie Untersuchungen zum Selkupischen und zum Komi. Dabei entstand mit Очерки по селькупскому языку eine Aufsatzsammlung zum Selkupischen, mit Тазовский диалект 1980 eine Arbeit zum Tasow-Dialekt, 2002 eines der grundlegenden Werke zum Selkupischen. Sie war zudem einer der Hauptautoren des 2004 erschienenen Werkes über die Mythologie der Selkupen, das 2010 ins Englische übersetzt wurde.Мифология селькупов 2004, Selkup Mythology 2010. Sie veröffentlichte zudem zu Finnisch-Ugrischen Sprachen und nahm an Konferenzen und Symposien in den finnisch-ugrischen Republiken Russlands teil. So gewann Kuznecova auch als Finnougristin Anerkennung. Auch wurde sie 1991 Mitglied in der Finnisch-Ugrischen Gesellschaft. Ihr Interesse galt der allgemeinen Finnougristik und der Typologie der finnisch-ugrischen Sprachen. Sie unterrichtete auch einige dieser Sprachen, ebenso wie das Selkupische.

In ihren letzten Jahren arbeitete Kuznecova an zwei Projekten, nämlich dem Dialektatlas des Autonomen Kreises der Jamal-Nenzen (für den Iźva-Dialekt des Komi) und einem Werk über die Folklore der Nord-Selkupen. Zuletzt nahm sie im Sommer 2014 an einer Forschungsreise teil.

Literatur Esa-Jussi Salminen: Ariadna Kuznecova 1932–2015, in: Finnisch-Ugrische Forschungen, 2016, 372–374. (academia.edu)

Anmerkungen

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