mini|hochkant|Grab von Lucie und Gerhard Leydicke auf dem Luisenstädtischen Friedhof Lucie Irmgard Gertrud Leydicke, geborene Müller, (* 8. Dezember 1897; † 16. August 1980 in Berlin) war die legendäre Wirtin des Berliner Traditionslokals „Leydicke“, das zur Zeit der Berliner 1968er Studentenbewegung fester Bestandteil der Kreuzberger- bzw. Schöneberger Szene war. Sie galt für manche Journalisten als Musterbeispiel eines „Berliner Originals“.
Leben mini|hochkant|Lucie-Leydicke-Platz in Berlin-Schöneberg 1897 in der Lüneburger Heide geboren, muss sie frühzeitig nach Berlin gekommen sein, wo sie in der Likörfabrik arbeitete, die von ihrem Schwiegervater aufgebaut wurde.Als ein Gast einmal Lucie auf ihren „Laden“ ansprach, fiel sie ihm ins Wort: „Ich bin kein Laden, ich bin eine Fabrik“, womit sie die geheimnisumwitterte Kellerwelt unterm Gastraum meinte, wo seit 1893 alles gebrannt und gegärt wird, bis heute. Und dann ging es gleich weiter: „Das hat mein Schwiegervater gebaut, von unten bis ans Dach für 302.000 Mark, könnt ihr euch überhaupt vorstellen, was das damals für Geld war?“ Sie war verheiratet mit Gerhard Emil Kurt Leydicke (1898–1982). Lucie Leydicke war Seniorchefin der Destillationsanstalt und führte mit großer Hingebung über lange Jahre das Lokal, das unter ihrer Leitung in den 1960er und 1970er Jahren weit über Schöneberg hinaus bekannt wurde und Beachtung in der bundesweiten und internationalen Presse fand.
Sie war für ihr „lockeres Mundwerk“ berüchtigt und hielt mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg zurück. Schon 1919 beschied sie einer Sozialdemokratischen Delegation, die sie werben wollten Bekannt war auch ihre „Schutzschimpfung“. 1980 veröffentlichte der Autor Dieter Hildebrandt in der Zeit einen Nachruf.
Im Juli 2023 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Tempelhof-Schöneberg eine Straße nach ihr zu benennen, die über Jahrzehnte das Leben im Kiez mitgeprägt hat. Die Ehrung geschah auf Anregung der Linken mit Unterstützung der CDU und SPD sowie den beiden Bezirksverordneten der FDP. Die Grünen waren zunächst gegen die Ehrung, weil es Berichte von Zeitzeugen über antisemitische Äußerungen gab. Die Bedenken konnten aber nicht bestätigt werden. Am 6. März 2026 wurde der nördliche Abschnitt der Crellestraße, unweit des Lokals, in Lucie-Leydicke-Platz umbenannt.
Lucie Leydicke ist zusammen mit ihrem Ehemann auf dem Alten Luisenstädtischer Friedhof begraben, Grabstelle AL3-001a-033.
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