Der Landkreis Münster war ein Kreis im Norden von Nordrhein-Westfalen. Er bestand seit dem Jahr 1816, als infolge des Wiener Kongresses fast ganz Westfalen unter preußische Herrschaft kam, die Provinz Westfalen gebildet und in Landkreise gegliedert wurde. Aufgelöst wurde er im Zuge der Gebietsreform am 1. Januar 1975 durch das Münster/Hamm-Gesetz. Verwaltungssitz des Landkreises war die kreisfreie Stadt Münster, die gleichzeitig Rechtsnachfolger des Kreises ist.
Geographie Lage Der Kreis lag in der von sandig-lehmigen Ablagerungen überdeckten Westfälischen Tieflandsbucht in einer von Streusiedlungen und Einzelhöfen geprägten Landschaft, dem Münsterland. Er umschloss die ehemalige Provinzhauptstadt Münster, die zum Sitz des nordrhein-westfälischen Regierungsbezirks Münster wurde, vollständig. Die Kreisverwaltung befand sich im Kreishaus am Ludgeriplatz in Münster, das 1960 nach Plänen von Harald Deilmann errichtet wurde und heute als Stadthaus 2 von der Stadtverwaltung Münster genutzt wird.
Nachbarkreise Der Kreis Münster grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Kreise Steinfurt, Tecklenburg, Warendorf, Beckum, Lüdinghausen und Coesfeld. Die kreisfreie Stadt Münster umschloss er vollständig.
Gliederung Der Kreis gliederte sich vor Beginn der kommunalen Neugliederung in eine amtsfreie Stadt, drei weitere amtsfreie Gemeinden sowie fünf Ämter mit insgesamt einer Stadt und 18 weiteren Gemeinden. Er hatte eine Fläche von 786,79 km² und 115.801 Einwohner (Stand 30. Juni 1967).Sachverständigen-Kommission für die kommunale Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen: Die kommunale und staatliche Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen, Abschnitt B, Die Neugliederung der Städte und Gemeinden in den Ballungszonen und die Reform der Kreise. Gutachten erstattet am 9. April 1968, Siegburg 1968, S. 224, Kartenanlage Nr. 1.
Gemeinde Amt heute zu Kreis Eingemeindung Albachten Amt Roxel Münster kreisfrei 01.01.1975 Albersloh Amt Wolbeck Sendenhorst Warendorf 01.01.1975 Alverskirchen Amt Wolbeck Everswinkel Warendorf 01.01.1975 Amelsbüren Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975 Angelmodde Amt Wolbeck Münster kreisfrei 01.01.1975 Appelhülsen Amt Nottuln Nottuln Coesfeld 01.01.1975 Bösensell Amt Roxel Senden Coesfeld 01.01.1975 Gimbte amtsfrei Greven Steinfurt 01.01.1975 Greven, Stadt amtsfrei Greven Steinfurt Handorf Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975 Havixbeck amtsfrei Havixbeck Coesfeld Hiltrup Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975 Nienberge Amt Roxel Münster kreisfrei 01.01.1975 Nottuln Amt Nottuln Nottuln Coesfeld 01.01.1975 Rinkerode Amt Wolbeck Drensteinfurt Warendorf 01.01.1975 Roxel Amt Roxel Münster kreisfrei 01.01.1975 Saerbeck amtsfrei Saerbeck Steinfurt Sankt Mauritz Amt Sankt Mauritz Münster kreisfrei 01.01.1975 Schapdetten Amt Nottuln Nottuln Coesfeld 01.01.1975 Telgte, Kirchspiel Amt Telgte Telgte Warendorf 01.07.1968 Telgte, Stadt Amt Telgte Telgte Warendorf Westbevern Amt Telgte Telgte Warendorf 01.01.1975 Wolbeck Amt Wolbeck Münster kreisfrei 01.01.1975
Geschichte Nachdem der östliche Teil des Münsterlandes als Fürstentum Münster 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss an Preußen gefallen war, wurde das Fürstentum am 1. Januar 1804 durch eine preußische Verfügung in vier Kreise eingeteilt. Neben den Kreisen Beckum, Lüdinghausen und Warendorf wurde der Kreis Münster eingerichtet. Er umfasste die Städte Bevergern und Telgte, die Kirchspiele Albachten, Dreierwalde, Gimbte, Handorf, Hiltrup, Hopsten, Lamberti, Ostbevern, Riesenbeck, St. Mauritz, Telgte, Überwasser und Westbevern sowie kleinere Gebietsteile der Kirchspiele Emsdetten, Greven, Havixbeck, Mesum, Nienberge, Nottuln, Rheine, Roxel und Saerbeck. Die Stadt Münster blieb kreisfrei.
Landrat des Kreises wurde Franz von Korff gen. Schmising-Kerssenbrock. Bei einer Neugliederung der Kreise im Fürstentum Münster wurde der Kreis Münster am 1. Juni 1806 um den größten Teil des aufgelösten Kreises Lüdinghausen vergrößert. Gleichzeitig wurde aus dem Nordteil des Kreises Münster der neue Kreis Bevergern gebildet. Mit dem Frieden von Tilsit verzichtete Preußen 1807 auf seine Besitzrechte am Fürstentum Münster. 1808 kam das Kreisgebiet zum Großherzogtum Berg und 1810 wurde der nordwestliche Teil des ehemaligen Kreisgebiets von Frankreich annektiert. Die Franzosenzeit dauerte im Münsterland bis zum Einmarsch preußischer Truppen im Herbst 1813.
mini|hochkant=2|Der Kreis Münster im Jahr 1842 Durch die Bestimmungen des Wiener Kongresses fiel das Münsterland 1815 endgültig an Preußen und wurde Teil der neuen Provinz Westfalen. Im Rahmen der Kreiseinteilung des Regierungsbezirks Münster wurde zum 10. August 1816 wieder ein Kreis Münster gebildet, zunächst bestehend aus den Bürgermeistereien Greven, Ladbergen, Nottuln, Roxel, Sankt Mauritz, Saerbeck, Telgte und Wolbeck. Die Stadt Münster war eine Immediatstadt und gehörte nicht zum Kreis, wurde jedoch sein Verwaltungssitz.
Am 1. Januar 1832 gab der Kreis Münster die Gemeinden Ladbergen an den Kreis Tecklenburg und Appelhülsen an den Kreis Lüdinghausen ab, erhielt aber die Gemeinde Havixbeck vom Kreis Coesfeld neu dazu.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster 1831, S. 401 Appelhülsen kehrte am 1. Januar 1838 wieder in den Kreis Münster zurück.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster 1837, S. 395
Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Der Landkreis war seitdem in die folgenden sieben Ämter und 23 Gemeinden gegliedert: Amt Gemeinden Greven Gimbte und Greven Havixbeck Havixbeck Mauritz Amelsbüren, Handorf, Hiltrup, Lamberti, St. Mauritz und Überwasser Nottuln Appelhülsen, Nottuln und Schapdetten Roxel Albachten, Bösensell, Nienberge und Roxel Saerbeck Saerbeck Telgte Stadt Telgte, Kirchspiel Telgte und Westbevern Wolbeck Albersloh, Alverskirchen, Angelmodde, Rinkerode, Wigbold Wolbeck und Kirchspiel Wolbeck
Durch die Eingemeindungen, die am 1. Januar 1875 wirksam wurden, kamen Teile der Gemeinden Lamberti, Überwasser und Sankt Mauritz zur Stadt Münster. Der Landkreis verlor dadurch circa 8,9 km² an Fläche. Am 1. Oktober 1894 wurden die beiden neuen Gemeinden Greven rechts der Ems und Greven links der Ems aus Greven ausgegliedert. Am 1. April 1903 wurden Lamberti und Überwasser sowie weitere Teile des Amtes Mauritz in die Stadt Münster eingemeindet. Insgesamt fiel dadurch eine Fläche von 56,4 km² an Münster. Havixbeck, das bis dahin ein eigenes Amt gebildet hatte, trat 1929 zum Amt Roxel. Das Einzelgemeindeamt Saerbeck wurde 1934 aufgehoben. Am 10. August 1952 wurden Greven rechts der Ems und Greven links der Ems wieder nach Greven eingemeindet. Das Amt Greven wurde 1954 aufgelöst, Greven und Gimbte waren seitdem amtsfrei. Am 1. April 1955 schied Havixbeck wieder aus dem Amt Roxel aus und wurde amtsfrei.Gemeindechronik Havixbeck Zum 1. April 1957 wurden die Gemeinden Wigbold Wolbeck und Kirchspiel Wolbeck zur Gemeinde Wolbeck zusammengeschlossen.
Durch das Gesetz über den Zusammenschluß der Stadt Telgte und der Gemeinde Kirchspiel Telgte wurde die Gemeinde Kirchspiel Telgte zum 1. Juli 1968 in die Stadt Telgte eingemeindet.Gesetz über den Zusammenschluß der Stadt Telgte und der Gemeinde Kirchspiel Telgte Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Münster.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
Durch das Münster/Hamm-Gesetz wurde der Kreis Münster, der zuletzt noch 22 Gemeinden umfasste, am 1. Januar 1975 aufgelöst und auf die Stadt Münster sowie die neugebildeten Nachbarkreise aufgeteilt. Außerdem wurden alle Ämter des Kreises aufgelöst und zahlreiche Gemeindefusionen vorgenommen::
An die kreisfreie Stadt Münster fielen Albachten Amelsbüren Angelmodde Handorf Hiltrup Nienberge Roxel Sankt Mauritz und Wolbeck.
An den neuen Kreis Coesfeld fielen Nottuln mitsamt den eingegliederten Gemeinden Appelhülsen, Darup und Schapdetten Havixbeck und Bösensell als Teil der Gemeinde Senden (Westfalen).
An den neuen Kreis Steinfurt fielen Greven mitsamt der eingegliederten Gemeinde Gimbte und Saerbeck.
An den neuen Kreis Warendorf fielen Albersloh als Teil der Stadt Sendenhorst Alverskirchen als Teil der Gemeinde Everswinkel Rinkerode als Teil der Stadt Drensteinfurt und Telgte mitsamt der eingegliederten Gemeinde Westbevern.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 29.645 1832 32.530 1858 40.339 Statistische Nachrichten über den Regierungs-Bezirk Münster 1858, S. 13 1871 45.469 1880 37.572 1890 41.432 1900 45.947 1910 44.571 1925 51.885 1939 63.337 1950 91.263 1960 95.000 1970 122.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 136.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.
Stimmenanteile der Parteien in Prozent
Jahr CDU SPD DZP FDP BHE 1946 46,9 16,2 30,5 4,6 1948 36,5 18,6 40,3 3,3 1952 40,3 19,4 24,1 7,5 8,0 1956 45,1 21,9 22,5 5,7 4,8 1961 53,5 20,3 16,3 6,7 2,9 1964 54,2 24,9 14,4 6,5 1969 59,1 29,5 5,9 5,5
Landräte 1804–1807: Franz von Korff gen. Schmising-Kerssenbrock 1816–1831: Lambert Hammer 1831: Bernhard Vonnegut (interimistisch) 1831–1864: Clemens von Korff gen. Schmising 1864–1874: Heinrich von Droste zu Hülshoff 1874–1887: Carl Albert Hagen 1887–1888: Robert Brüning (kommissarisch) 1888–1896: Ignatz von Landsberg-Velen und Steinfurt 1896–1929: Franz Graf von Westphalen zu Fürstenberg 1929: Franz Buerstedde (vertretungsweise) 1929: Peter Joseph Jörg (kommissarisch) 1929–1933: Max Stiff 1933–1945: Friedrich Boeckenhoff 1945–1946: Max Stiff 1946–1948: Reinhold Bruens 1948–1974: Hugo Pottebaum
Oberkreisdirektoren 1946–1955: Max Stiff 1955–1959: Paul Eising 1960–1969: Klaus Meyer-Schwickerath 1969–1974: Hermann Fechtrup
Wappen Das Wappen des Landkreises wurde am 1. Juli 1936 verliehen und besteht aus zwei Teilen. Der obere Teil zeigt das ehemalige Stiftswappen des Hochstifts Münster mit einem roten Balken auf goldenem Grund. Der untere Teil ist das Wappen der Grafen von Merveldt. Als Verwalter des Bischofs übten sie maßgeblichen Einfluss auf das Bistum aus.
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MS zugewiesen. Es wird in der Stadt Münster durchgängig bis heute ausgegeben.
Einzelnachweise
Weblinks
Amtliche Dokumente zur Geschichte des Kreises Münster Geschichte, Gliederung und Karten des Kreises Münster
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