miniatur|Gedenktafel Die Synagoge Kaiserstraße war eine orthodoxe Synagoge in Berlin-Mitte, die von 1869 bis 1938 genutzt und um 1945 zerstört wurde.

Lage miniatur|Berlin-Mitte, 1902, mit Synagoge Kaiserstraße (ganz rechts) Die Synagoge befand sich in der Kaiserstraße 29/30 östlich des Alexanderplatzes (an der Grenze der Königsstadt zur Stralauer Vorstadt). In der Gegenwart ist dort eine Freifläche auf der Rückseite der Alexanderstraße 23 mit einer Gedenktafel.

Geschichte

1869 wurde die neue Synagoge in der Kaiserstraße als eines der größten orthodoxen Gotteshäuser im deutschsprachigen Raum mit über 1100 Plätzen feierlich eingeweiht.Eike Geisel. Wegweiser durch das jüdische Berlin, 1987, S. 116 (kurzer Auszug), als eine der größten orthodoxen Synagogen Sie gehörte zur Gemeinde in der Oranienburger Straße (wie auch die Synagogen in der Heidereutergasse und später die in der Lindenstraße) und hielt ihre Gottesdienste nach dem Alten Ritus ohne Orgel und ohne Frauen im Hauptraum ab.

1904 wurde eine jüdische Mädchen-Mittelschule erbaut, deren Klassen aus der Heidereutergasse hierher verlegt wurden.Bericht über die Lehranstalten der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Teil I, 1907, S. 43 (kurze Auszüge), verwies auf die schwierigen Verhältnisse in der vorherigen Schule in der Heidereutergasse In dem Gebäude befand sich außerdem eine Religionsschule für Knaben und Mädchen.Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege, 1911, S. 14; mit zehn Knaben- und sechs Mädchenklassen; dort auch Angaben zur Mädchenschule und zur Synagoge 1930 zog die Mädchen-Mittelschule in die Auguststraße um., noch die Mädchenmittelschule in der Kaiserstraße angegeben 1927 wurde eine jüdische Knabenvolksschule eingerichtet. Ihr langjähriger Direktor war Max Reschke, der 1950 durch das Landgericht Chemnitz im Rahmen der Waldheimer Prozesse zu einer fünfundzwanzigjährigen Zuchthausstrafe wegen „Kooperation mit der Gestapo und der Beteiligung an der Verfolgung von NS-Opfern und -Gegnern“ verurteilt wurde. Im Mai 1938 wurden die Religionsschulen mit denen in der Großen Hamburger Straße und der Auguststraße zusammengeschlossen.Jörg H. Fehrs, Von der Heidereutergasse zum Roseneck. Jüdische Schulen in Berlin 1712 bis 1942, 1993, S. 249 (kurzer Auszug)

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt, das Feuer aber bald gelöscht, um die benachbarten Gebäude nicht zu gefährden.Adolf Diamant, Zerstörte Synagogen vom November 1938, Frankfurt 1979, zitiert in Synagogenzerstörungen in Berlin am 9. November 1938, in taz vom 9. November 1990 (Text) Das Grundstück wurde unter behördliche Treuhänderschaft gestellt und mit einer Hypothekengrundschuld belastet. Die Gottesdienste fanden danach in der Aula der Schule statt.Synagogen in Berlin, 2, 1983, S. 76; 1942 mussten die Schulen in der Kaiserstraße geschlossen werden, wie alle weiteren jüdischen Bildungseinrichtungen im Deutschen Reich auch.

Weitere Entwicklung 1943 erhielt die Deutsche Zeichenfilm GmbH das Gelände und nahm dort Umbauten vor. Das Reichserziehungsministerium hatte vorher vetgeblich versucht, das Gebäude für den Schulbetrieb zu erhalten.Jörg H. Fehrs, Von der Heidereutergasse zum Roseneck. Jüdische Schulen in Berlin, Berlin 1993, zitiert in Synagoge und Schule in der Kaiserstraße Verein für die Geschichte Berlins, Forum, mit Informationen von Alfred Tauchert; vgl. auch Synagogen in Berlin, 2, 1983, S. 89, kurz

Das Gebiet um den Alexanderplatz wurde in den Jahren 1943/1945 durch den Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wovon auch die Synagoge betroffen war.Synagogen in Berlin, 2, 1983, S. 51, 72, wies darauf hin, dass die meisten Synagogen in Berlin erst durch Kriegseinwirkungen und die nachfolgenden Jahre zerstört wurden Die gesamte Bausubstanz der westlichen Kaiserstraße wurde in den 1950er und frühen 1960er vollständig beseitigt, der Straßenverlauf wurde verändert und in der südlich angrenzenden Alexanderstraße mehrere große Neubaublöcke errichtet. Die genaue Lage der Synagoge war dadurch viele Jahre lang unbekannt. 2014 konnte nach Recherchen und auf Initiative eines Mieters eine Gedenktafel für die Synagoge und die Schule am historischen Standort eingeweiht werden.Orthodoxe Synagoge Kaiserstraße Gedenktafeln in Berlin

Persönlichkeiten Rabbiner Max Weyl Moritz Freier, Ehemann von Recha Freier

Schuldirektoren Max Reschke, 1927–1942, Direktor der Knabenvolksschule

Schülerinnen Regina Jonas, erste Rabbinerin weltweit, besuchte den Religionsunterricht

Literatur Felix Singermann: Die Synagoge Kaiserstraße und ihre Geschichte. In: Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin vom 31. Mai 1936 Synagogen in Berlin. 2 Bände. Berlin 1983, mit einigen Informationen Eike Geisel: Wegweiser durch das jüdische Berlin. Nicolai, Berlin 1987. S. 116–118

Weblinks

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Einzelnachweise

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