Die Zuckerfabrik Salzwedel war ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Salzwedel (Sachsen-Anhalt) und der Rechtsform einer Aktiengesellschaft.
Geschichte Das Unternehmen wurde 1892 gegründet. Im folgenden Jahr konnte die erste Kampagne zur Zuckerrübenernte stattfinden. Zum Vorstand gehörten u. a. Brauereibesitzer und Ackergutsbesitzer. In der Kampagne 1899/1900 wurden bereits 6000 Morgen Rübenanbaufläche genutzt und im Folgejahr auf 6500 erweitert. Am Tag konnte man 1900 bereits mehr als 800 Tonnen Zuckerrüben verarbeiten und im Jahr 6731 Tonnen Rohzucker erzeugen. Bis 1917 steigerte man die Werte auf 15.491 Tonnen Rohzucker im Jahr, die man aus 86.100 Zuckerrüben gewann. 1922 wurden erstmals mehr als 100.000 Zuckerrüben verarbeitet. Die Rohzuckerfabrik gehörte bald zu den größten deutschen Zuckerfabriken, mit einer Tageskapazität von 30.000 Zentnern im Jahr 1918 bzw. einer Betriebsleistung von (trotz Kriegswirtschaft) 38.000 Doppelzentnern verarbeiteter Zuckerrüben pro Tag 1943/44.Bestandsübersicht Zuckerfabrik Salzwedel, Landesarchiv Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 8. März 2026. Sie verarbeitete in der Kampagne 1943–1944 2.684.503 Doppelzentner Zuckerrüben und damit die meisten unter den Zuckerfabriken Großdeutschlands.
1935 arbeiteten 535 Menschen in der Zuckerfabrik, im Zweiten Weltkrieg sank die Stammbelegschaft auf 232, da man zeitweise fast 200 Kriegsgefangene hier einsetzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen 1948 durch die SMAD verstaatlicht und somit zum VEB. In den Jahren 1947 bis 1950 erfolgte die Umstellung auf Weißzucker. Zwischenzeitlich wurden im Areal mehrfach zusätzliche Produktionszweige ausprobiert, darunter 1943 die Trocknung von Speisekartoffeln, 1950 Schweineaufzucht, 1956 Grünfuttertrocknung, 1960 Entenaufzucht oder 1963 Getreidetrocknung. 1961 erfolgte erstmals die Umarbeitung von Kuba-Rohrzucker. 1966 folgte die Eingliederung in den VEB Zuckerkombinat „Altmark“ Haldensleben als Betrieb IV, die bis 1972 bestehen blieb. Zum 1. Januar 1973 wurde die Zuckerfabrik wieder ein selbstständiger Betrieb der VVB Zucker- und Stärkeindustrie. 1977 wurde eine Futtermittelpelletieranlage ergänzt. Ab 1985 konnten 3000 Tonnen Zuckerrüben am Tag verarbeitet werden.
1991 wurde sie, wie die meisten Zuckerfabriken der ehemaligen DDR, stillgelegt.
Im Stadtarchiv Salzwedel sind Archivalien zur Geschichte des Unternehmens überliefert.
Gebäude Die Zuckerfabrik befand sich in der Hoyersburger Straße in Salzwedel. Die meisten Gebäude wurden im Jahr 1998 gesprengt und abgetragen. Erhalten sind zwei große Rundsilos, die aus dem Jahr 1978 stammen, 16 Meter hoch sind und 50 Meter Durchmesser haben. Die Fabrikantenvilla in der Hoyersburger Straße 20, die auch als Verwaltungsgebäude diente und die Aufschrift Zuckerfabrik Salzwedel trägt, steht unter Denkmalschutz und ist als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 61365 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt registriert.
Bereits 1897 erhielt die Zuckerfabrik Anschluss an die Salzwedeler Kleinbahnen, 1900 wurde ein weiterer Gleisanschluss an diese, diesmal an die Strecke Salzwedel–Dülseberg, ermöglicht. Diese wurden später noch erweitert (1912, 1979), aber zwischenzeitlich – durch Bombardierung im Zweiten Weltkrieg – auch wieder reduziert. Die Zuckerfabrik besaß mehrere eigene Lokomotiven: 1894 Tenderlokomotive, 1897 Schmalspur-Lokomotive, 1913 zwei Staatsbahn-Lokomotiven, 1935 Diesellokomotive. 1913 erbaute man daher einen eigenen Lokomotivschuppen. Nachdem man 1899 und 1910 das Wohngebäude für die Arbeiter vergrößert hatte, ergänzte man 1914 ein zweites. Zeitweise bestanden im Areal ein Sportplatz und eine Freiluftkegelbahn (angelegt 1939 bis 1940).
Die Zuckerfabrik besaß mehrere Rübenlagerplätze (bis 1970 Salzwedel und Hohenwulsch, ab 1975 zudem Dähre) sowie ab 1975 ein eigenes Kinderferienlager in Apenburg.
Literatur Verzeichnis der Rübenzuckerfabriken und Zucker-Raffinerien im deutschen Reiche, XVII. Jahrgang, Campagne 1900/01. Albert Rathcke, Magdeburg 1900, S. 94, Nr. 293.
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Altmarkkreis Salzwedel) Salzwedel Kategorie:Unternehmensgründung 1892 Kategorie:Aufgelöst in den 1990er Jahren Kategorie:Organisation (Salzwedel) Kategorie:Altmärkische Geschichte