Der Messerangriff in Zürich vom 2. März 2024 war ein antisemitisch motivierter Terroranschlag auf einen orthodoxen Juden im Zürcher Enge-Quartier. Ein 15-jähriger Schweizer mit tunesischen Wurzeln griff in der Nähe des alten Botanischen Gartens einen 50-jährigen Mann mit einer Stichwaffe an und verletzte ihn lebensbedrohlich. Passanten konnten den Jugendlichen festhalten, bis die Polizei eintraf und ihn festnahm. Der Täter sah sich als Soldat der Terrororganisation Islamischer Staat (IS).
Tathergang Am Abend des 2. März 2024 begab sich der Jugendliche zu einer Synagoge in der Stadt Zürich. Als der 15-Jährige diese verschlossen vorfand, beschloss er zu warten. Kurz nach 21 Uhr verliess ein 50-jähriger orthodoxer Jude die Synagoge. Der Jugendliche folgte ihm und stach kurz darauf mehrfach auf ihn ein. Zwei Passanten konnten den 15-Jährigen überwältigen, bis die Polizei eintraf und ihn festnahm.{ "type": "Feature", "properties": { "name": "Zürich" }, "geometry": { "type": "Point", "coordinates": [8.53364175325989, 47.36979774479538]
}Das Opfer wurde mit der Stichwaffe schwer verletzt. Angehörige berichteten, dass die Messerstiche die Hauptschlagader sowie Teile der Lunge getroffen und nur knapp am Herzen vorbeigegangen seien. Der Mann musste umgehend ins Spital gebracht werden und war zunächst in Lebensgefahr.
Laut Zeugen rief der Täter gegenüber ankommenden Passanten: . Ein Ersthelfer berichtete, dass der Täter lauthals lachte, als er kurz nach der Tat von der Polizei gegen die Wand gedrückt und arretiert wurde. Zeugen vor Ort hörten zudem Rufe wie «Allahu Akbar» und «Islam, Islam» vom Täter.
Hintergrund Am 2. März 2024 lud der 15-jährige Täter gegen 14:10 Uhr ein Video auf einer Sharing-Plattform hoch, in dem er auf Arabisch verstörende Sätze sprach und sich als Soldat des Kalifats dem Aufruf des Islamischen Staats folgend ankündigte, eine Synagoge zu überfallen und so viele Juden wie möglich zu töten. Kurz bevor er zur Tat schritt, setzte er um 21:14 Uhr auf Instagram seinen letzten Post mit dem arabischen Wort «Jetzt» ab. Zuvor hatte er sich ein Steakmesser gekauft.
Täter Der Attentäter ist ein 15-jähriger Teenager mit schweizerisch-tunesischen Wurzeln, der 2011 in der Schweiz eingebürgert wurde. Ehemalige Klassenkameraden beschrieben ihn als in sich gekehrt und Einzelgänger, der viel Zeit in sozialen Netzwerken verbrachte. Dort kam er in Kontakt mit islamistischen Inhalten, die ihn radikalisierten und zu der Überzeugung führten, einen Anschlag verüben zu sollen. Auf seinen Accounts zeigte er sich als IS-Sympathisant. Diese Radikalisierung verlief im Verborgenen und der Jugendliche war nicht auf dem Radar von Polizei oder Nachrichtendienst.
Recherchen der Neuen Zürcher Zeitung zeigten, dass der Jugendliche mehrere Jahre mit seiner Mutter in Tunesien gelebt und dort die Schule besucht hatte, was sein schlechtes Schweizerdeutsch erklärt. Es wird in Betracht gezogen, ob das Leben in Tunesien zu seiner Radikalisierung beigetragen haben könnte, da in dem nordafrikanischen Land der Antisemitismus in den letzten Jahren stark zugenommen habe und der Islamismus für einen Teil der jungen Männer aus Maghreb-Ländern zur Leitideologie geworden sei.
Radikalisierung Ab dem Frühjahr 2023, etwa ein Jahr vor der Tat, kam es zu einer selbst herbeigeführten Radikalisierung durch exzessiven Konsum von IS-Propaganda. Zudem könnten der 7. Oktober und der folgende Gaza-Krieg ihn zusätzlich befeuert haben. In Kombination mit einer depressiven Störung sei er psychisch verletzlich gewesen.
IS-Verbindung und Bombenplan Der Täter stand in direktem Austausch mit IS-Anhängern, die ihn dazu drängten, einen Sprengsatz zu bauen. Sie besprachen tagelang die nötigen Schritte und die Verwendung von Chemikalien. Dieser Austausch fand auf der Plattform Discord statt, wo er von den IS-Anhängern wurde. Die Kontaktaufnahme durch IS-Personen in der Online-Welt erfolgte zu einem unbekannten Zeitpunkt.
Obwohl auf seinen Geräten eine Sammlung von Anleitungen zum Bombenbau gefunden wurde, kaufte der Täter keine der nötigen Chemikalien. Offenbar war ihm der Plan seiner IS-Führungsleute zu riskant, was er drei Tage vor der Tat mit kommunizierte. Das Messer für den Angriff erwarb er einen Abend vor der Tat in einem Einkaufszentrum, zusammen mit Alltagsgegenständen wie Gabel, Teller und Becher, um nicht aufzufallen.
Opfer Das Opfer ist ein zum Tatzeitpunkt 50-jähriger Mann und Mitglied der jüdischen Gemeinde in Zürich. Der Mann war an diesem Samstagabend nach dem Besuch der Synagoge auf dem Weg zur Wohnung seiner Schwiegereltern. Kurz nach der Tat fanden ihn Angehörige blutüberströmt auf dem Trottoir vor dem Haus sitzen.
Anschliessend traf sich die jüdische Gemeinde in der Synagoge, um für ihn zu beten. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zeigte sich zutiefst erschüttert. Ein Jahr nach der Tat (Stand März 2025) kann das Opfer wieder aktiv am Alltag der Gemeinschaft teilnehmen.
Im April 2024 besuchte Bundesrat Beat Jans das Opfer, um zu zeigen, dass eine derartige Tat nicht akzeptiert werden kann. Er sicherte Unterstützung im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus zu und betonte, dass der Vorfall genau untersucht werde, um Wiederholungen zu verhindern. Jans vermutete, dass der Angriff eine erste Umsetzung eines IS-Aufrufs vom Januar zur Tötung von Menschen anderen Glaubens in Europa sein könnte.
Ermittlungen Die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich eröffnete ein Strafverfahren wegen versuchten Mordes und beantragte Untersuchungshaft.
Der damals 16-Jährige befand sich Stand Januar 2025 in einer geschlossenen Institution, er bestritt die Tat nicht. Ende März 2026 reichte die Jugendanwaltschaft Unterland beim Jugendgericht Dielsdorf Anklage ein.https://www.blick.ch/schweiz/zuerich/gewalttat-in-zuerich-jugendlicher-nach-angriff-auf-orthodoxen-juden-angeklagt-id21831641.html In der Anklageschrift wurde bekannt, dass er die Tat per Livestream übertrug, in die Synagoge eindringen wollte und das Opfer enthaupten wollte.
Reaktionen Der Angriff löste in der Schweiz eine breite politische und gesellschaftliche Debatte über Antisemitismus und islamistische Radikalisierung aus. Vertreter der jüdischen Gemeinden äusserten sich schockiert über den Angriff und forderten stärkere Schutzmassnahmen für jüdische Einrichtungen.
Die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr kündigte im Zürcher Kantonsrat eine volle Aufklärung des Verbrechens an und warnte gleichzeitig vor voreiligen Schlüssen aufgrund von Teilinformationen.
Folgen Nach dem Anschlag wurden in Zürich mehrere jüdische Einrichtungen, darunter Synagogen und Schulen, verstärkt durch die Polizei geschützt.
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte (Zürich) Kategorie:Terroranschlag 2024 Kategorie:Antisemitismus Kategorie:Islamistischer Terroranschlag in der Schweiz