Helene Gräfin von Waldersee, geb. Helene von Wilamowitz-Moellendorff (* 30. Juni 1850 in Meesendorf, Kreis Neumarkt, Provinz Schlesien; † 17. September 1917 ebenda) war eine deutsche Schriftstellerin.
Leben Helene von Wilamowitz-Möllendorff entstammte der schlesischen Linie des Adelsgeschlechts Wilamowitz-Möllendorff. Sie war eine Tochter des 1813 von Wichard von Möllendorff (General) adoptierten Ottocar von Wilamowitz-Moellendorff (1811–1867) auf Meesendorf und Polnisch Baudiß/Bauditz im Kreis Neumarkt, Niederschlesien und dessen Frau Fanny, geb. von Heinen, geschiedene Tepper-Laski (1819–1889).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1876. Jahrgang 26, Justus Perthes, Gotha 1875, S. 896. Ihre ältere Schwester Marie (1846–1914) heiratete Graf Friedrich Eberhard von Pfeil und Klein-Ellguth (1839–1901) auf Hausdorf.Zu ihr siehe: Vera Schmilewski: Das sozialkaritative Wirken der Gräfin Maria von Pfeil (1846-1914) und der Diakonisse Eva von Tiele-Winckler (1866-1930). In: AGG-Mitteilungen 19 (2020), S. 49–75. Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Hugo von Wilamowitz-Moellendorff und Wichard von Wilamowitz-Moellendorff der Ältere waren ihre Cousins.
1872 heiratete Helene den 15 Jahre älteren Marineoffizier Franz von Waldersee. Die Ehe blieb kinderlos. Von 1876 bis 1889 lebte das Paar in Potsdam, „wo sich ein zahlreicher Freundeskreis um sie bildete und allerlei künstlerische Interessen das Leben des Paares verschönten“.Nachruf auf Franz von Waldersee, In: Guido von Frobel (Hrsg.): Militär-Wochenblatt. 1903. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1903, Sp. 1294. Anschließend zogen sie nach Schlesien, um die von Helene geerbten Güter Meesendorf (330 Hektar) und Polnisch Bauditz (249 Hektar) der verstorbenen Mutter zu bewirtschaften. 1903 starb ihr Mann auf dem Gut Meesendorf.
1895 wurde erstmals ein Gedicht von Gräfin Waldersee mit dem Titel Königin der Nacht in der Zeitschrift Velhagen & Klasings Monatshefte veröffentlicht.Velhagen & Klasings Monatshefte 10 (1895), Selbstverlag, Bielefeld 1895, S. 630. Als Witwe intensivierte sie ihre dichterische Tätigkeit. 1907 erschienen ihre teils in schlesischer Mundart geschriebenen Schlesischen Gedichte. Außerdem gab sie eine Sammlung von Aphorismen heraus. Im Urteil ihrer Zeitgenossen „eine vielseitige und durchsetzungsfähige Frau“, war sie gesellschaftlich vielfältig engagiert.Neumarkter Verein (Hrsg.): Schlesische Heimat, Stadt und Kreis Neumarkt. 1994, S. 214. So hatte sie den Vaterländischen Frauenverein in Schlesien mitbegründet. Auf Meesendorf ließ sie eine Kirche bauen, legte den Friedhof an und gründete eine Kinderkrippe. Sie war auch Mitglied der Goethe-Gesellschaft.Siehe die Mitglieder-Verzeichnisse im Goethe-Jahrbuch.
Helene von Waldersee starb 1917 auf Meesendorf, „betrauert von der ganzen Provinz Schlesien“.Alexis von Schoenermarck: Helden-Gedenkmappe des deutschen Adels. Verlag von Wilhelm Petri, Stuttgart 1921, S. 355. Sie vererbte Meesendorf und Polnisch Bauditz an den dritten Sohn ihres Cousins (Vetters) Wichard von Wilamowitz-Moellendorff der Ältere, an Hugo von Wilamowitz-Moellendorff (1876–1952).Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1920. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1919, S. 1070.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Hans Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Briefadel). 1953. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Ausschuss für adelsrechtliche Fragen der deutschen Adelsverbände/in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, Verlag C. A. Starke, Glücksburg an der Ostsee 1953, S. 496–498.
Heute wird Helene von Waldersee zu den vergessenen Schriftstellerinnen gerechnet.Auf der Suche nach Werken vergessener Schriftstellerinnen, Blog des Deutschen Literaturarchivs Marbach. vom 3. März 2026, Abruf 3. März 2026. Ihre Aphorismen sind jedoch nach wie vor verbreitet.Helene von Waldersee auf Aphorismen.de, Abruf 4. März 2026. Das ihr zugeschriebene Wer zusammenbricht, soll auf die Knie fallen. findet sich gar als Motto von Heft 3192 der Perry-Rhodan-Hefte Unter dem Nabel von Zou Skost (2022).
Werke Gedankenschatten. Eigenverlag 1903 Späne aus stiller Werkstatt: Aphorismen. Eigenverlag 1908, Neuausgabe 2021, ISBN 978-1-4717-8911-3 Schlesische Gedichte. Berlin: Trewendt 1907, 2. verm. Auflage Schweidnitz: Heege Gedichte. Schweidnitz: Heege 1914 Aus Herzenstiefen: Skizzen und Märchen. Schweidnitz: Heege 1914
Vertonungen Karl Groditz: Zwei Lieder nach Gedichten von Helene Gräfin Waldersee: Für 1 Singstimme mit Klavier. Breslau: Becher 1910 Warum?, Königin der Nacht Max Thomale: 3 Lieder. Leipzig: W. Ehrler 1924 (darin No.1: Königin der Nacht)
Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1876. Jahrgang 26, Justus Perthes, Gotha 1875, S. 896. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1905. Jahrgang 55, Mit: Wilamowitz-Möllendorff. Justus Perthes, Gotha 1904, S. 901. Elisabeth Friedrichs: Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein Lexikon. In: Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte, 9, Verlag Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-00456-7, S. 325.
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