Harold (Hal) Jack Leavitt (* 14. Januar 1922 in Lynn (Massachusetts); † 8. Dezember 2007 in Pasadena (Kalifornien)) war ein US-amerikanischer Managementpsychologe und emeritierter Kilpatrick-Professor für Organisationsverhalten an der Stanford Graduate School of Business der Stanford University.Stanford organizational behavior pioneer Harold Leavitt dies at 85 auf Stanford News Service vom 18. Dezember 2007, abgerufen am 3. März 2026, abgerufen am 31. Januar 2026.
Leben Er war das jüngste von elf Kindern von Joseph und May Leavitt; seine Mutter war Hausfrau, sein Vater Einzelhändler. Seinen Bachelor of Science erwarb er 1943 am Harvard College, einen Master of Science 1944 an der Brown University. Danach diente er zwei Jahre lang als Reservist bei der United States Navy als Personalforschungsoffizier in einem medizinischen Feldforschungslabor in North Carolina. Er promovierte (Ph.D.) 1949 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in industrial economics.
Seine akademische Karriere führte ihn 1949 an die University of Chicago, das Rensselaer Polytechnic Institute, 1958 an die Carnegie Mellon University und 1966 an die Stanford University. Hier wurde er 1987 als Walter Kilpatrick Professor für Organisationsverhalten und Psychologie an der Stanford Graduate School of Business emeritiert. Ab 1971 leitete er das Management Analysis Center und war langjähriger Berater der National Training Laboratories, eine von Kurt Lewin 1947 gegründete Institution.
Werk Er gilt als Pionier von Managerverhaltensstudien zur Verbesserung der Arbeitsorganisation. Er wird dabei als ein Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft angesehen und war auch Berater für zahlreiche Unternehmen und Organisationen, darunter die Bell Laboratories, die Ford Foundation und Kaiser Permanente.
Bereits als Doktorand am MIT begann er, über die Rolle des Verhaltens für den Erfolg von Organisationen zu schreiben. Der Erfolg von Organisationen wurde damals anhand von Zahlen analysiert. Er argumentierte hingegen, dass der Erfolg von Organisationen nicht anhand von Zahlen, sondern anhand menschlicher Merkmale beurteilt werden sollte. In seinem Lehrbuch „Managerial Psychology“ (das in 18 Sprachen übersetzt wurde) begründete er, dass Organisationshierarchien oft ein notwendiges Übel seien und dass Kreativität und dynamische Führung in kleinen Gruppen oft freier und schneller entstehen könnten als in großen, insbesondere bei komplexen Fragestellungen. Er schrieb über den Wert von „heißen Gruppen“, kleinen, dynamischen Kreativitätszentren, die in Krisenzeiten mit guten Ideen aufwarten können, aber auch schnell wieder verschwinden und nur kurzfristig optimale Ergebnisse erzielen. Er befürwortete, wo immer möglich, demokratische Entscheidungsprozesse in Organisationen.
1965 entwickelte er den sog. Leavitts Diamant, auch bekannt als Leavitts SystemmodellLeavitt’s Diamond: The Factors Involved in Change auf aicura.com, abgerufen am 3. März 2026. oder als Leavitts RauteLeavitts Raute auf onpulson.de, abgerufen am 3. März 2026., als Modell zur Analyse von Managementveränderungen. Er beschrieb darin vier unabhängige Komponenten jeder Organisation: Aufgaben, Mitarbeiter, Struktur und Technologie; eine Veränderung in einem der vier Punkte hat Auswirkungen auf einige oder alle anderen. Er argumentierte, dass für einen erfolgreichen „integrierten Wandel“ das Verständnis der Zusammenhänge zwischen den einzelnen Komponenten unerlässlich ist. Er befasste sich auch mit der Analyse von Interaktions- und Kommunikationsmustern in Gruppen sowie mit Kommunikationsstörungen. Dabei untersuchte er die Persönlichkeitsmerkmale von Führungskräften und unterschied drei Managertypen: (1) der visionäre und charismatische Führer, (2) der rationale und analytische Führer und (3) der Pragmatiker.
Privates Er war in erster Ehe mit Gloria Rosenthal Leavitt verheiratet († 1985). Er bekam mit ihr die drei Kinder John Leavitt, Emily Leavitt und David Leavitt. Mit seiner zweiten Ehefrau Jean Lipman-Blumen, Professorin für Public Policy und für Organizational Behavior an der Claremont Graduate University, die er 1987 geheiratet hatte, war er 20 Jahre verheiratet; sie brachte die drei Kinder Lorna Blumen, Lesley Macherelli und Peter Blumen in die Ehe ein. Zudem hatten sie die beiden Adoptivkinder Jamie Marks und Peter Nye. Er verstarb mit 85 Jahren im Huntington Memorial Hospital in Pasadena an Lungenfibrose.
Publikationen (Auswahl) mini|Buchillustration zu Leavitts Theorien Monografien Top Down: Why Hierarchies Are Here to Stay and How to Manage Them More Effectively. Harvard Business Review Press, Brighton 2004, ISBN 978-1-59139-498-3. Mit Jean Lipman-Blumen; Hal Leavitt: Hot Groups: Seeding Them, Feeding Them, and Using Them to Ignite Your Organization. Oxford University Press, Oxford 1999, ISBN 978-0-19-512686-0. Corporate Pathfinders. McGraw-Hill, Columbus 1986, ISBN 978-0-87094-695-0. Der Manager als Pionier im Unternehmen. Verlag Moderne Industrie. Landsberg 1986, ISBN 978-3-478-32250-8. Mit Homa Bahrami: Managerial Psychology: Managing Behavior in Organizations. University of Chicago Press, Chicago 1989, ISBN 978-0-226-46973-7. Managerial Psychology: An Introduction to Individuals, Pairs, and Groups in Organizations. University of Chicago Press, Chicago 1972. Deutsche Ausgabe: Grundlagen der Führungspsychologie: Individuum, Gruppe, Organisation (2., völlig neubearb. Aufl.). Verlag Moderne Industrie, München 1979, ISBN 978-3-478-11542-1. Ital. Ausgabe: Fondamenti di psicologia per dirigenti. Etas Compass 1967.
Herausgeberschaften Mit Louis R. Pondy; David M. Boje: Readings in Managerial Psychology. University of Chicago Press, Chicago 1988. ISBN 978-0-226-46991-1.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Ray Reagans; Jean Lipman-Blumen: Hot Groups: Seeding Them, Feeding Them, and Using Them to Ignite Your Organization. In: Contemporary Sociology A Journal of Reviews 2000, 29 (6), S. 833. Mit Jean Lipman-Blumen: Hot groups “with attitude”: A new organizational state of mind. In: Organizational Dynamics, 1999, 27 (4), S. 63–73. Mit Jean Lipman-Blumen: A case for the relational manager. In: Organizational Dynamics, 1980, 9 (1), S. 27–41. Mit Jean Lipman-Blumen; Kerry J. Patterson; Robert J. Bies; Alice Handley-Isaksen: A Model of Direct and Relational Achieving Styles. In: L. J. Fyans (Hrsg.): Achievement Motivation. Springer, Boston 1980, ISBN 978-1-4757-8999-7. Mit Jean Lipman-Blumen: Vicarious and Direct Achievement Patterns in Adulthood. In: The Counseling Psychologist, 1976, 6 (1), S. 26–32. Future Directions in Organizational Behavior. In: The Teaching of Organizational Behavior, 1975, 1 (4), S. 9–13. Beyond the Analytic Manager: Part II. In: California Management Review, 1975, 17 (4), S. 11–21. Task ordering and organizational development in the common target game. In: Behavioural Science, 1960, 5 (3), S. 233–239. Mit Thomas L. Whisler: Management in the 1980's. In: Harvard Business Review, 1958, S. 41–48.
Weblinks
Harold Leavitt's research while affiliated with Graduate School USA and other places auf Research Gate, abgerufen am 3. März 2026. Das Modell von Harold J. Leavitt auf YouTube, abgerufen am 3. März 2026. Harold J. Leavitt, 85, Management Expert, Dies auf New York Times, abgerufen am 3. März 2026. Leavitt, Harold J. 1922–2007 (Hal Leavitt, Harold Jack Leavitt) - Obituary Notice auf encyclopedia.com, abgerufen am 3. März 2026. Harold J. Leavitt, 1922–2007 auf The Chicago Blog, abgerufen am 3. März 2026. Alexander Zeeman: Harold Leavitts biography and books auf toolshero.com, abgerufen am 3. März 2026. Jocelyn Y. Stewart: Stanford professor was organizational behavior pioneer auf Los Angeles Times vom 19. Dezember 2007, abgerufen am 3. März 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:Wirtschaftspsychologe Kategorie:Hochschullehrer (University of Chicago) Kategorie:Hochschullehrer (Rensselaer Polytechnic Institute) Kategorie:Hochschullehrer (Carnegie Mellon University) Kategorie:Hochschullehrer (Stanford University) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1922 Kategorie:Gestorben 2007 Kategorie:Mann