mini|Myron Korduba, vor 1935 Myron Mychajlowytsch Korduba (; * 2. März 1876 in Ostriw (Ternopil), Galizien (heute Oblast Ternopil); † 2. Mai 1947 in Lwiw) war ein ukrainischer Historiker, Politiker, Wissenschaftler, Publizist, Schriftsteller.

Leben und Wirken mini|Senat der Ukrainischen Geheimuniversität in Lwiw, 1921. Sitzen v.l.: Myron Korduba, Marjan Pantschyschyn, Wassyl Schtschurat, Iwan Kurowez, Maksym Lewyzkyj; stehen v.l.: Iwan Rakowskyj, Wolodymyr Werhanowskyj, Roman Kowschewytsch, Maksym Musyka, Myron Wachnjanyn. mini|links|Ukrainische Prominente bei der Enthüllung des Iwan-Kotljarewskyj-Denkmals in Poltawa, 1903. Myron Korduba: hintere Reihe, 4. von links mini|Titelblatt von Myron Korduba: Land als Zeuge vergangener Zeiten. Geografische Namen als historische Quelle. Lwiw 1924. Myron Korduba wurde als Sohn eines griechisch-katholischen Priesters geboren. Er besuchte die Gymnasien in Ternopil und Lwiw. 1893 begann er sein Studium an der Philosophischen Fakultät der Universität Lwiw. Die Teilnahme an den Vorlesungen Mychajlo Hruschewskyjs prägte seinen Werdegang als Historiker maßgeblich. Während der Studienzeit begann Korduba, seine literarischen Werke zu veröffentlichen. 1895 setze er sein Studium an der Universität Wien bei Max Büdinger fort. Seine ersten wissenschaftlichen Schriften, darunter Die Teilnahme Daniels an der Schlacht bei Kressenbrunn, erschienen in den Mitteilungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft Schewtschenko. 1896 veröffentlichte er in Wien zudem seine ethnografische Studie Pysanka in Galizien-Wolhynien, die unter anderem von Fedir Wowk positiv aufgenommen wurde. 1897 wurde Korduba zum Präsidenten der ukrainischen Wiener Gesellschaft Sitsch gewählt. 1898 erhielt er an der Universität Wien den Doktortitel der Philosophie für seine Dissertation über das Fürstentum Halytsch. Anschließend war er als Beamter in der Universitätsbibliothek tätig.

1900 zog Korduba nach Czernowitz, wo er als Gymnasiallehrer arbeitete. Dort gründete er die Ukrainische Historische Gesellschaft, der sowohl Lehrkräfte als auch Studierende der Universität Czernowitz angehörten. Er stand in Kontakt mit Olha Kobyljanska, Lessja Ukrajinka, Ossyp Makowej, Roman Smal-Stozkyj und anderen ukrainischen Politikern und Kulturschaffenden. Korduba rezensierte Werke von Iwan Franko und veröffentlichte eigene Forschungen zu Toponymie, Ethnografie und Geschichte der Bukowina.

1903 wurde er Mitglied der Schewtschenko-Wissenschaftsgesellschaft in Lwiw, ab 1923 leitete er deren historisch-philosophische Sektion. Zwischen 1907 und 1909 erforschte Korduba im Auftrag der Archäografischen Kommission der Gesellschaft historische Dokumente mit Bezug zur Ukraine in den Archiven von Moskau, Wien, Krakau und Bukarest. Auf Grundlage dieser Archivrecherchen verfasste er den 12. Band von Quellen zur Geschichte der Ukraine-Rus (Жерела до історії України-Руси).

Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er mit dem Bund zur Befreiung der Ukraine zusammen, veröffentlichte Beiträge in dessen Publikationen und leitete die kulturelle sowie pädagogische Arbeit unter 30.000 ukrainischen Gefangenen im Kriegsgefangenenlager Salzwedel.

Ab 1918 war er Mitglied des bukowinischen Bezirksausschusses des Ukrainischen Nationalrats der Westukrainischen Volksrepublik und im diplomatischen Dienst der ukrainischen Staatlichkeit in Wien tätig. 1920 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Staatlichen Ukrainischen Universität Kamjanez-Podilskyj ernannt, jedoch verhinderte die bolschewistische Besetzung der Stadt dies. Von 1920 bis 1928 war er Professor am Akademischen Gymnasium in Lwiw. Gleichzeitig war er 1921–1925 Mitorganisator, Professor und Dekan der philosophischen Fakultät des Geheimen Ukrainischen Universität Lwiw. In den 1920er Jahren war Korduba zudem Mitglied der wirtschaftlich-technischen Abteilung des Instituts für Gemeinschaftskunde und der Historisch-Philologischen Gesellschaft in Prag, der Polnischen Gesellschaft der Geschichtsfreunde und des Warschauer Instituts für nationale Angelegenheiten sowie der Ungarischen Gesellschaft namens Sandor Petőfi.

1928 wurde Korduba zum Professor für osteuropäische Geschichte an der Universität Warschau berufen. Ab 1937 hielt er Vorlesungen zur Geschichte der Ukraine an der Philosophischen Fakultät der Universität, zu deren Studenten auch Jerzy Gedroyc zählte. Nach der Schließung der Universität während der NS-Besatzung 1940 verließ er Warschau. Er unterrichtete zunächst an einem ukrainischen Gymnasium in Chełm und später in Lwiw. Korduba beteiligte sich nicht an Organisationen, die den deutschen Besatzern loyal gegenüberstanden. 1944 wurde er Professor für Geschichte an der Universität Lwiw und Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der Ukrainischen SSR. In der Sowjetzeit geriet er aufgrund seiner Haltung zur Geschichte der Ukraine unter Druck pro-kommunistischer Lehrkräfte, blieb jedoch den Ideen von Hruschewskyj treu.

Korduba verfasste über 500 Schriften zur Geschichte und historischen Geographie der Ukraine, die in Lwiw, Tschernihiw, Kiew, Wien, Paris, Berlin, Krakau und Warschau veröffentlicht wurden. Sein Werk Bibliografie zur Geschichte der Ukraine umfasst etwa 73.000 Karteikarten und bildet eine umfassende ukrainistische Bibliografie vom 16. Jh. bis 1941. Er war Mitautor von The Cambridge History of Poland. Er übersetzte Werke von Guy de Maupassant und Johann Wolfgang von Goethe ins Ukrainische. Sein Tagebuch enthält viele Informationen über die politischen Ereignisse in der Westukraine während des ukrainisch-polnischen Krieges in Galizien 1918–1919.mini|Grab von Myron Korduba Myron Korduba starb am 2. Mai 1947 in Lwiw und wurde am Lytschakiwski-Friedhof beigesetzt.

Einzelnachweise

Kategorie:Person (Nationale Iwan-Franko-Universität Lwiw) Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Hochschullehrer (Universität Warschau) Kategorie:Person (Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik) Kategorie:Historiker Kategorie:Übersetzer ins Ukrainische Kategorie:Übersetzer aus dem Deutschen Kategorie:Übersetzer aus dem Französischen Kategorie:Ethnograph Kategorie:Ukrainer Kategorie:Geboren 1876 Kategorie:Gestorben 1947 Kategorie:Mann