rechts|mini|Eingang zum Stadtgarten (2005) Der Stadtgarten (, transkr. Gradska Gradina) ist der älteste Park der bulgarischen Hauptstadt Sofia.
Lage Er umfasst heute ein rechteckiges, Nordost-Südwest orientiertes Areal im Zentrum von Sofia. Dieses wird von Nordosten ausgehend, im Uhrzeigersinn von den Straßen Platz Zar Oswoboditel (), uliza Diakon Ignatij (), uliza General Josif W. Gurko () sowie uliza Knjas Alexander I. () umrahmt. Im Nordosten befindet sich das als Nationalgalerie und Ethnographisches Museum genutzte Königliche Schloss. Südöstlich liegen die Bulgarische Entwicklungsbank, das Verteidigungsministerium und das Nationaltheater „Iwan Wasow“. Im Südwesten stehen das Grand Hotel Sofia sowie die Sofioter Städtische Kunstgalerie.
Geschichte Anfänge Der Ursprung des heutigen Stadtgartens lässt sich bis in die Zeit der osmanischen Herrschaft zurückverfolgen. Nachdem die Osmanische Armee Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts Bulgarien und angrenzende Länder unterworfen hatte, wurden diese zur Großverwaltungseinheit () Rumelien zusammengefasst. Ab 1520 befand sich der Amtssitz des Gouverneurs (Beylerbeys) in Sofia. Sein Dienstgebäude (Konak) lag an der Stelle des heutigen Königlichen Schlosses.Nikifor Ganew, 1942, S. 16 Es fiel in den nächsten Jahrhunderten verschiedene Male Bränden zum Opfer. (stara-sofia.blogspot.com, 2022; bulgarisch, Übersetzung: Chronik des Stadtgartens) Auch am 20. Februar 1816 kam es im Konak zu einem Feuer. Nach Fertigstellung des Neubaus wurde das Gelände südlich davon von Trümmern beräumt und ein Markt für Holz und Kohle eingerichtet. Später entstanden an dieser Stelle Gemüsegärten.
rechts|mini|Konak mit Stadtgarten im Aquarell von Joseph Oberbauer Offiziell wurde das Grundstück erst 1869 durch Midhat Pascha, dem Wālī des 1864 errichteten Donau-Vilâyets, als Garten deklariert.Bulgarian Development Bank, 2018, S. 27 Das Gelände war mit Pappeln, Weiden, Maulbeer-, Walnuß-, Kirsch- und anderen Obstbäumen bestanden, wie alle türkischen Gärten zu dieser Zeit. Es war mit einem Holzzaun abgegrenzt. Die damalige Situation ist in einem Aquarell von Joseph Oberbauer festgehalten.: (zheleva-martins.com, 2010; bulgarisch, Übersetzung: Joseph Oberbauer - „Spuren der Stadt“)
1878–1882 Im Vorfeld des Umbaus des Konaks zum Fürstlichen Schloss erweiterte der seit 1878 als Sofioter Stadtarchitekt wirkende Václav Kolář die Größe des Gartens auf 2 Hektar. Er übernahm auch die Leitung der teilweisen Neubepflanzung und der Umgestaltung des Wegenetzes. Im Zentrum des Areals ließ er eine Büste des russischen Zaren Alexanders II. platzieren. Der Park wurde am 4. April 1878 als „Garten Alexanders II.“ () eröffnet. (www.vesti.bg, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Der Stadtgarten war das Zentrum des öffentlichen Lebens in der Hauptstadt Ende des XIX. Jahrhunderts) Die Sofioter bezeichneten den Park kurz als „Alexandrowska“ ().
1879 begannen schließlich die Arbeiten am Konak.Marcella Stern, 1998, S. 20 Aufgrund weiterer Baumaßnahmen, wie der Anlage der Zarigradsko Chaussee (heute Boulevard Zar Oswoboditel), wurde 1880 die Größe des Gartens um ein Drittel reduziert.Bulgarian Development Bank, 2018, S. 29 Auf Initiative Václav Kolářs ließ die Stadtverwaltung im Park 32 Gaslaternen errichten.
1882–1906 Im Jahr 1879 kam der deutsche Gärtner Carl Betz (* 1850, † 1925) auf Einladung Fürst Alexanders I. nach Sofia. Später übernahm er die Stelle des Hofgärtners.: (Carl Betz) (www.roustchouk.com, 2025; bulgarisch, Übersetzung: 175 Jahre seit Geburt und 100 Jahre seit dem Tod von Carl Betz) Er führte eine Neubepflanzung des Stadtgartens mit aus Österreich importierten Gehölzen und Stauden durch und schuf so den schönsten Park Bulgariens. Neben einem Musikpavillon erhielt der Park auch ein Kaffeehaus. Bis 1885 diente der Park als Tagungsort der Nationalversammlung.: (trip.dir.bg, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Der Stadtgarten ist der älteste Park Sofias) Zusätzlich war Carl Betz auch für die Anlage des Fürstengarten () verantwortlich. 1892 beendete er seine Tätigkeit in Sofia und wechselte als Dozent an die Landwirtschaftsschule Obraszow Tschiftlik () in Rustschuk (heute Russe).
1882 trat der Schweizer Daniel Neff (* 1843, † 1900) das Amt des Sofioter Stadtgärtners an, das er bis zu seinem Tode innehatte. Unter seiner Leitung entstand der nach Südwesten nahezu verdoppelte Stadtgarten. Im Frühling 1883 begannen die Rodung sämtlicher Bäume und die Neubepflanzung des Gartens mit Zierbäumen und Sträuchern. Die Arbeiten konnten erst 1890 abgeschlossen werden. Im Park wurde auch ein Büffet angelegt, das Essen und Bier anbot. Der Garten entwickelte sich zu einem Treffpunkt der Sofioter Gesellschaft sowie einem beliebten Ort für Veranstaltungen aller Art. Er bildete auch den Ausgangspunkt des Tourismus in Bulgarien. Am 27. März 1895 trafen sich dort über 300 Bergfreunde, um zusammen mit dem Schriftsteller Aleko Konstantinow den Gipfel Tscherni Wrach im Witoscha-Gebirge zu besteigen.Bulgarian Development Bank, 2018, S. 33
Neffs Nachfolger als Stadtgärtner hatten nur vergleichsweise kurze Amtszeiten. Es waren Karl Neff (1900–1902), Emile Amann (1902–1903), Stefan Below (1903–1904) und Ilija Todorow (1904–1906).Nikifor Ganew, 1942, S. 28
1906–1934 Der in Mulhouse geborene Gärtner Joseph Frei betreute die Parks und Gärten der Stadt über 28 Jahre.Rosenkranz - Boris Garten (about-sofia.com) Er realisierte die Neuausrichtung des Parks auf das 1907 eröffnete Nationaltheater hin. Dabei ließ er die Baumvegetation durch Rosskastanien, Eschen, Perlschnurbäume (Sophora), Eiben u. a. ersetzen. Einige Bäume sind bis heute erhalten. Im Jahr 1927 erfolgten der Abriss des Büffets und dessen Ersatz durch das vom Architekten Naum Torbow im Stil der Sezession entworfene Stadt-Casino.Petăr Jokimow, 2005, S. 54
1934–1944 In dieser Zeit lag die Leitung der Parks und Gärten der Hauptstadt in den Händen des bulgarischen Landschaftsplaners und Gärtners Georgi Duchtew (* 1885, † 1955). Seit der Gestaltung des Meeresgartens in Burgas galt er als bester Landschaftsarchitekt Bulgariens.: (www.bgdnes.bg, 2023; bulgarisch, Übersetzung: Georgi Duchtew ist der Gründer der Parks in Bulgarien) In seiner Amtsperiode kam es zu keinen nennenswerten Änderungen am Layout des Stadtgartens. Während der Bombardierung Sofias 1944 erlitt jedoch das Casino schwere Schäden. (www.sofiahistorymuseum.bg, 2023; bulgarisch, Übersetzung: 150 Jahre sei Eröffnung des Kasinos)
1944–1999 Als der Ministerpräsident und Generalsekretär der Bulgarischen Kommunistischen Partei Georgi Dimitrow am 2. Juli 1949 verstarb, fasste der Ministerrat den Beschluss, für ihn im Nordteil des Stadtgartens ein Mausoleum zu errichten. Das Georgi-Dimitroff-Mausoleum wurde am 1. September 1950 eröffnet. Zum Ende der sozialistischen Periode entschied der bulgarische Ministerrat unter Leitung von Andrei Lukanow, die sterblichen Überreste Georgi Dimitrows auf dem Sofioter Zentralfriedhof beizusetzen. Nach Abriss des Gebäudes im August 1999 wurde das Gelände wieder in den Stadtgarten integriert.
rechts|mini|Wasserbecken und Wasserspiele vor dem Nationaltheater (2015) 1976 erfolgte der Umbau des Kasinos in die Sofioter Städtische Kunstgalerie. Nach Entwurf des Architekten A. Agura wurde in den Jahren 1976–78 das auf das Nationaltheater ausgerichtete Wasserbecken mit Wasserspielen angelegt. (www.kaminata.net, 2008; bulgarisch, Übersetzung: Entwicklung des Stadtgartens)
Ab 1999 Zur Pflege aller Grünanlagen der Stadt Sofia wurde 2009 der Städtische Betrieb „Parks und Stadtgärten“ () gegründet. (www.so-parkove.com; bulgarisch, Übersetzung: Städtische Betrieb "Parks und Stadtgärten" - Geschichte) Seit September 2025 amtiert Ilijana Iliewa () als dessen Direktorin. (www.bezpartien.bg, 2025; bulgarisch, Übersetzung: Die neue Direktorin des Städtischen Betriebs „Parks und Stadtgärten“ ist Ilijana Iliewa, kündigt die Hauptstadtgemeinde an)
2018 erfolgte unter dem Namen „Vision für Sofia“ () die Vorstellung einer Initiative zur Schaffung einer langfristigen Strategie für Entwicklung von Sofia und den Vororten. Dabei wurden sieben keilförmige Grünzüge ausgezont, die den Flüssen der Stadt folgen. Sie soll als Basis für die Entwicklung der Stadt und ihrer Parks und Gärten bis 2050 dienen.Nurhan Redshew, 2018, S. 2–3
Ausstattung
rechts|mini|Statue von Atanas Burow (2017) rechts|mini|Büste von Grigor Watschkow (2005) Bedingt durch seine Innenstadtlage ist der Park bis heute sehr beliebt. Er verfügt über eine große Zahl an Ruhebänken. Daneben bietet er folgende Ausstattung. Café „Mausoleum“ (), Kinderspielplatz, Leseecke (), Bereich für Open-air Schach, mehrere Trinkwasserspender; Wasserbecken mit Springbrunnen und Skulptur Tanzende Ballerina (vor dem Nationaltheater), Bronzestatue des Bankiers Atanas Burow (Bildhauer: Emil Popow und Petăr Strjaskow), (stolica.bg; bulgarisch, Übersetzung: Denkmal für Atanas Burow) und die Büste des Schauspielers Grigor Watschkow.
Literatur /Bulgarian Development Bank (Hrsg.): /How Sofia was transforming into an European city. 64 S., /Bulgarian Development Bank, Sofia 2018. : (bulgarisch, Übersetzung: Die Begrünung von Sofia), 56 S., , Sofia 1942. : (bulgarisch, Übersetzung: Die Secession und die bulgarische Architektur). 153 S., Архитекурно Издателсво »Арт & Арт«, Sofia 2005, ISBN 954-8931-35-4. : (bulgarisch, Übersetzung: Schritt 3: Richtungsreport - Umwelt), 18 S., Sofia 2018. /Marcella Stern: /Architekt Viktor RUMPELMAYER. In: /Museum für die Geschichte Sofias (Hrsg.): /Österreichische Architektureinflüsse in Sofia. 2. korrigierte und erweiterte Aufl., S. 19–21, , Sofia 1998, ISBN 954-8853-12-4.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Parkanlage in Bulgarien Kategorie:Bauwerk in Sofia