Arthraerua leubnitziae ist die einzige Art der Pflanzengattung Arthraerua innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sie ist ein Endemit von Namibia und wächst ausschließlich in der Wüste Namib, wo sie häufig ist und in manchen Regionen der Nebelzone ausgedehnte Bestände bildet. Sie wird manchmal Bleistiftpflanze (oder Bleistiftbusch) genannt (vom englischen Trivialnamen Pencil bush). Die deutschen Trivialnamen Bleistiftstrauch und Bleistiftbusch sind nicht eindeutig und bezeichnen meist eine andere, nicht verwandte Art, Euphorbia tirucalli, die als Zierpflanze verwendet wird.

Beschreibung mini|Einzelstrauch Vegetative Merkmale Arthraerua leubnitziae ist ein aufrecht, aber niedrig, oft kugelig wachsender halbsukkulenter, reich verzweigter Zwergstrauch, der Wuchshöhen von 50 bis 100 Zentimeter erreicht. Die Triebe sind in fleischige, wachsige, rippige und wurstförmige Abschnitte gegliedert. Die Wurzeln können bis etwa 3 Meter tief reichen.

Die gegenständigen Blätter sind zu unscheinbaren Schuppenblättern reduziert.

Generative Merkmale Die kleinen unscheinbaren Blüten sitzen dicht gedrängt in einer von dichten weiß-grauen Haaren eingehüllten, endständigen Ähre, die Einzelblüten jeweils in der Achsel eines kurzen Tragblatts, sie blühen nacheinander von unten nach oben hin auf. Die fünf einfachen Blütenhüllblätter (Tepalen) der einfachen Blütenhülle sind einnervig, auf der Oberseite rot oder rosa gefärbt, die Unterseite von langen, seidigen Haaren bedeckt. Die fünf freien Staubblätter entspringen einem basalen, becherartigen Diskus. Zwischen ihnen können Pseudostaminodien genannte abgestutzte Anhängsel sitzen, die basal mit den Staubfäden verwachsen sind und Nektar liefern. Der einfächrige Fruchtknoten der zwittrigen Blüte enthält nur eine Samenanlage („uniovulat“). Er ist kahl, mit schlankem Griffel und kopfiger Narbe.

Es werden nicht öffnende Kapselfrüchte im Perianth gebildet.

Verbreitung, Ökologie und Standort Arthraerua leubnitziae wächst in der Namib, von der Küste bis in küstenferne Gebiete, auf den kiesgeprägten, im Boden oft Gips enthaltenden Regolith-Ebenen. Sie fehlt in den Sanddünen. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Fluss Ugab im Norden bis zur Lüderitzbucht im Süden. Es entspricht der Zone der Nebelwüste. Auch Arthraerua leubnitziae selbst ist in der Wasserversorgung auf den regelmäßig auftretenden Nebel angewiesen, während Niederschläge hier selten und unregelmäßig sind. Die Pflanze kann aber die Nebeltröpfchen nicht direkt aufnehmen, vermutlich werden sie ausgekämmt und dann über die Wurzeln aufgenommen. Die Art ist regional recht häufig und kann, oft zusammen mit der ebenfalls sukkulenten Zygophyllum stapffii, den Aspekt der Landschaft dominieren. Sie ist namensgebend für eine weit verbreitete Vegetationseinheit (Arthraerua leubnitziae-dominated fog belt shrublands and lichen fields). Auch die berühmteste Pflanzenart der Namib, die Welwitschie (Welwitschia mirabilis) ist damit vergesellschaftet.

Die langsam wachsende Art ist offenbar sehr langlebig. Mit Ausnahme weniger Individuen an gestörten Stellen gelang es bei einer Untersuchung in der zentralen Namib nicht, Keimlinge oder Jungpflanzen von Arthraerua leubnitziae ausfindig zu machen. Dies galt auch für die vergangenen Jahrzehnte, einschließlich des in der Namib als ungewöhnlich regenreich bekannten Jahrs 1934. Welche Bedingungen überhaupt für eine erfolgreiche Fortpflanzung erforderlich sind, ist unbekannt, möglicherweise verjüngt sie nur ausnahmsweise in Extremjahren überhaupt.

Systematik Die Erstbeschreibung unter dem Namen (Basionym) Aerva leubnitziae erfolgte 1889 durch den Botaniker und Forschungsreisenden Carl Ernst Otto Kuntze in Bot. Jahrb. Syst. Band 10, S. 7. Kuntze selbst transferierte sie 1891 als Ouret leubnitziae in die Gattung Ouret . Für diese Art hatte Kuntze eine Sektion Arthraerua in der Gattung Aerva aufgestellt, die 1894 Hans Schinz in Amarantaceae. S. 91–118. In: A. Engler, K. Prantl, (eds.): Die natürlichen Pflanzenfamilien, Teil III, Abteilung 1a, Leipzig, Wilhelm Engelmann, mit der Art Arthraerua leubnitziae als Typusart, zur Gattung hochstufte. In dieser Gattung Arthraerua ist sie seitdem verblieben. Arthraerua leubnitziae ist die einzige Art der Gattung Arthraerua. Die, ebenfalls 1889, von Adolf Engler beschriebene Aerva desertorum, die sich durch etwas größere Blätter unterscheiden sollte, wurde mit dieser Art synonymisiert.

Einzelnachweise Sarina Claassens, Gillian Maggskölling, Eugene Marais, Stefan Siebert: Gems of the gypsum desert. In: Veld & Flora. Volume 108, Issue 4, 2022, S. 16–21, online auf researchgate.net. Patricia Craven, Christine Marais: Namib Flora. Von Swakopmund zur Großen Welwitschia über Goanikontes. Gamsberg Macmillan, 1992. ISBN 0-86848-286-2. Arthraerua leubnitziae auf S. 27. Patrick van Damme: Plant ecology of the Namib desert. In: Afrika Focus. 7, Issue 4, 1991, S. 355–400, doi:10.1163/2031356X-00704005, online auf researchgate.net. Engler: Scan der Erstbeschreibung bei biodiversitylibrary.org. N. Juergens, J. Oldeland, B. Hachfeld, E. Erb, C. Schultz: Ecology and spatial patterns of large-scale vegetation units within the central Namib Desert. In: Journal of Arid Environments. Volume 93, 2012, S. 59–79. doi:10.1016/j.jaridenv.2012.09.009. Magda Nel: Rare and interesting plants of the Namib Desert. Part 2: Three desert plants, In: Veld & Flora. Volume 81, Issue 1, 1995, S. 14–15. download C. C. Townsend: Amaranthaceae. In: K. Kubitzki, G. Rohwer, V. Bittrich: The Families and Genera of Vascular Plants. Volume 2: Flowering Plants Dicotyledons, Magnoliid, Hamamelid and Caryophyllid Families. Springer, Berlin/Heidelberg 1993, ISBN 978-3-642-08141-5. S. 85. Ina Dinter, Klaus Haas: Epicuticular wax and anatomical features of Arthraerua leubnitziae (Kuntze) Schinz (Amaranthaceae) related to the ecological conditions in the Namib Desert. In: Dinteria. Volume 30, 2008, online auf researchgate.net.

Weblinks

Arthraerua leubnitziae (Kuntze) Schinz, African Plant Database. Arthraerua leubnitziae (Kuntze) Schinz, Kew Plants of the World online.

Kategorie:Fuchsschwanzgewächse Kategorie:Amaranthaceae