mini| Konsularisches Anmeldeformular für die chinesisch-brasilianische Designerin Chu Ming Silveira Chu Ming Silveira (; * 4. April 1941 in Shanghai, China; † 18. Juni 1997 in São Paulo, Brasilien) war eine chinesisch-brasilianische Architektin und Designerin. 1964 wurde sie durch ihre Telefonzellenentwürfe bekannt, die unter den Namen Orelhinha und Orelhão bekannt wurden.
Leben und Werk Chu Ming wurde als zweites von vier Kindern in China geboren. Ihr Großvater war Minister des letzten chinesischen Kaisers Puyi. Ihr Vater diente während des chinesischen Bürgerkriegs in der Armee, aber nach dem Sieg der Kommunisten 1949 war ihre Familie gezwungen, das Land zu verlassen. Nach dreimonatiger Schiffsreise erreichte die Familie Rio de Janeiro und zog bald nach São Paulo. Hier schlossen sie sich einer wachsenden chinesischen und japanischen Gemeinde im Stadtteil Pinheiros an.
Designerin der Orelhão (öffentliche Telefonzelle) mini| Originaldesign der Telefonzelle, 1971 mini| Dreifach- oder Tulpen-Telefonzelle in São Paulo, 1972 Chu Ming studierte Architektur an der Mackenzie Presbyterian University, wo sie 1964 ihr Studium abschloss. 1965 gründete sie ihr eigenes Architekturbüro und entwickelte verschiedene Projekte im Bereich des Hochbaus. 1966 begann sie ihre Tätigkeit bei der brasilianischen Telefongesellschaft (CTB) in São Paulo. Dort überwachte und koordinierte sie die Entwicklung von Telefonzentralen und Servicestellen und beaufsichtigte die Bauarbeiten. Zu der Zeit gab es in Brasilien keine öffentlichen Telefone. Diese befanden sich in Apotheken oder Tankstellen, und es gab keine Telefonzelle, die das Telefon schützte. Nur wenige brasilianische Familien konnten sich ein Telefon leisten. Frühere Versuche, öffentliche Telefone zu errichten, hatten viele Probleme verursacht. Große Telefonzellen wurden beschädigt, waren teuer im Bau und nahmen viel Platz ein. Chu Ming Silveiras Aufgabe bestand darin, eine Lösung zu finden, die günstig, robust und optisch ansprechend war.
1971 entwarf Chu Ming Silveira als Leiterin der Projektabteilung der brasilianischen Telefongesellschaft eine öffentliche Telefonzelle, die Funktionalität und Ästhetik vereinte. Ihre Hauptanforderung bestand darin, eine kostengünstige und den Umgebungsbedingungen angepasste Lösung für öffentliche Telefonzellen zu finden, die sowohl gestalterisch als auch akustisch optimiert war. Sie ließ sich von der Form eines Eis inspirieren und entwarf eine robuste, leichte, sonnen- und regenbeständige sowie preiswerte Konstruktion mit guter Akustik. Die Formgebung reflektiert den Großteil des Außenlärms, während sich der im Inneren entstehende Schall zum Mittelpunkt des Krümmungsradius hin bündelt, der sich direkt unterhalb des Ohrs des durchschnittlichen Nutzers befindet. Dadurch werden Kommunikationsstörungen minimiert. Obwohl öffentliche Telefonzellen sich als beliebtestes Format etablierten, wurden Studien für drei Problemkategorien durchgeführt: Lösungen für geschlossene, halboffene und offene Umgebungen. Hierfür wurden die sogenannten kleinen Ohren, die Schalen und die großen Ohren entwickelt. Während die kleinen Ohren kleiner waren und aus lichtdurchlässigem Acrylglas bestanden, waren die großen Ohren robuster und widerstandsfähiger gegenüber Bedingungen wie dem Einsatz im Freien. Die großen Ohren wurden aus Fiberglas gefertigt. Die Schalen hingegen hatten eine kugelförmigere Gestalt als die anderen beiden Formen und wurden hauptsächlich an Tankstellen installiert. Schalen und kleine Ohren wurden direkt an der Wand befestigt, während die großen Ohren auf Masten montiert wurden. Dadurch konnten zwei oder mehr Geräte mit nur einer vertikalen Stützkonstruktion aufgestellt werden. Dies ermöglichte eine bessere Raumausnutzung im Vergleich zu älteren Telefonzellen, beispielsweise durch deutlich geringeren Materialverbrauch und eine einfachere Konstruktion. Die Telefonzellen, die zu Ikonen brasilianischen Designs zählen, wurden von der brasilianischen Telefongesellschaft bei ihrer Markteinführung zu Ehren ihrer Schöpferin Chu I und Chu II benannt. Doch erst unter dem Namen Orelhão wurde sie der Öffentlichkeit bekannt.
Im März 1972 verzeichnete die CTB bereits einen Anstieg der durchschnittlichen täglichen Anrufe an öffentlichen Telefonen um 12 % nach der Installation der Großen Ohren. Die öffentlichen Telefonzellen waren ein großer Erfolg, und in den wichtigsten brasilianischen Städten wurden mehr als 50.000 davon gebaut. 1973 wurden die ersten Großen Ohren nach Mosambik exportiert. Das Projekt war so erfolgreich, dass Adaptionen in Ländern auf der ganzen Welt installiert wurden, darunter Peru, Kolumbien, Paraguay, Angola und China. Ein Prototyp des Orelhão steht vor dem Sichtbetonhaus, das Chu Ming Silveira für ihre Familie im Vorort Morumbi von São Paulo baute.
Architektin 1975 widmeten sich Chu Ming und ihr Ehemann, der Ingenieur Clóvis Silveira, dem Entwurf und Bau eines Hauses für ihre Familie im Stadtteil Morumbi. Ab 1987 wandte sie sich der Entwicklung von Wohnbauprojekten an der Küste von São Paulo zu. In Ilhabela errichtete sie ein Familiendorf im sogenannten Post-Caicara-Stil. In diesem Stil verband sie zeitgenössische Materialien und Techniken mit der traditionellen Kultur der Caiçara.
Sie war seit 1968 mit dem Ingenieur Clóvis Silveira verheiratet und hatte zwei Söhne. 1997 starb sie im Alter von 56 Jahren in São Paulo.
Ehrungen (posthum) 2003: Ehrung posthum von der Mackenzie University für den Entwurf der Orelhão 2009 war die Orelhão-Zelle Teil der Ausstellung Ikonen des Designs im Museu da Casa Brasileira in São Paulo. 2010 wurde die Orelhão in die Ausstellung So Far, So Near der Telefónica-Stiftung im Museum für Brasilianische Kunst der FAAP aufgenommen 2012 ehrte die von Vivo organisierte Call Parade die Orelhão und ihre Schöpferim mit einer Ausstellung von einhundert von renommierten brasilianischen Künstlern und Designern gestalteten Orelhão-Telefonzellen in den Straßen von São Paulo Am 4. April 2017 wurde sie anlässlich ihres 76. Geburtstags mit einem Google Doodle geehrt.
Weblinks
Website (portugiesisch) Discover Chu Ming Silveira’s unseen 1970s brutalist house in São Paulo (englisch)
Einzelnachweise
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