mini|Ausschnitt aus Siegfriedkarte 1880, Rot: Lage der späteren Siedlung im Gebiet Letten. mini|Schiess- und Scheibenstand der Feuerschützen Basel Die Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter ist eine Wohnsiedlung im Kanton Basel-Stadt (Schweiz). Sie wurde in den Jahren 1920 bis 1922 erbaut und ist ein Werk der Architekten Hans Bernoulli und Ernst Eckenstein. Die Siedlung liegt im Neubadquartier in unmittelbarer Nähe des heutigen Schützenmatttunnels der sogenannten «Elsässerbahn» (SBB und SNCF).

Geschichte Im Gebiet Letten des ausgehenden 19. Jahrhunderts gab es nichts, ausser Grasland, Korn- oder Rübenfelder – auf dem Gelände der späteren Eigenheimkolonie flogen lediglich Bleikugeln durch die Luft. Aufgehalten wurden die Geschosse durch einen 8,5 Meter hohen Wall etwa am südlichen Ende des heutigen Bristenwegs am Laupenring. Dieser Wall diente als Kugelfang für die gleich davor aufgestellten Zielscheiben des letzten Schiessplatzes der Feuerschützen auf Basler Boden. Der Schützenstand selbst lag etwa auf dem Gebiet der heutigen Schützenmatt-Sportplätze.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts platzte Basel aus allen Nähten, Stadterweiterungen waren angedacht, Bauland wurde dringend benötigt, für die Elsässerbahn wurde ein neues Trassee weit ausserhalb der Stadt geplant, neue Wohnbauten sind bereits entstanden – Pulverdampf und Bleigeschosse waren in diesem Szenario nicht mehr zu verantworten. Das Schiessgelände Schützenmatte wurde 1899 aufgelöst. mini|Luftbild 1902 mit dem fertiggestellten Schützenmatttunnel Um 1900 wurde der Zielwall abgetragen und dessen Material über das ganze Gelände der heutigen Siedlung verteilt. Gleichzeitig wurde die neue Bahnlinie mit dem Schützenmatt-Tunnel fertiggestellt und am 12. Mai 1901 in Betrieb genommen. Auf dem frisch planierten Grund gediehen danach noch jahrzehntelang Korn und Rüben des nahen Lettenhofs, der zum Besitz des Bürgerspitals gehörte. Angrenzend erstreckten sich weitere Ackerflächen des Hofguts sowie weitläufige «Schrebergärten» der Städter.

Das schwer defizitäre Bürgerspital musste sich von Ländereien trennen, um den Finanzhaushalt einigermassen ins Lot zu bringen. Die Landparzellen des ehemaligen Schiessgeländes standen nun zum Verkauf.

Der erste städtische Zonenplan trat 1920 in Kraft. Dank den Abzonungen wandelten sich grosse Terrains am Stadtrand zu Bauland für Einfamilienhaussiedlungen. Die Wohnungsnot und der Bedarf an günstigen Wohnungen war nach Kriegsende gross. Die öffentliche Hand subventionierte daher ab 1920 den Bau von Wohnsiedlungen mit Pflanzgärten.

Am 10. September 1920 wurde im Schweizerischen Handelsamtsblatt die Gründung der Genossenschaft Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter Basel eingetragen. Der Vorstand setzte sich zusammen aus zwei kaufmännischen Angestellten, einem Abteilungsleiter, einem Bankbeamten, einem Prokuristen, einem Advokaten sowie einem Bautechniker. Als Präsident der Genossenschaft wird Carl Trissler-Hasler, kaufmännischer Angestellter, erwähnt. mini|Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter, Gesamtplan ca. 1922. Am 6. Dezember 1920 wurden in Basel die Kaufverträge zu den vom Bürgerspital übernommenen Landparzellen unterschrieben. Das Land wurde zum Betrag von 28 – 30 Franken pro Quadratmeter erstanden. Gleichzeitig erhielten die Architekten Hans Bernoulli und Ernst Eckenstein den Auftrag zur Planung und Durchführung des Baus einer Kolonie von vorerst 47 Reihen-Einfamilienhäusern an Militärstrasse (heute General Guisan-Strasse), Laupenring und Bristenweg. Weitere Käufe von Spitalland erfolgten 1921, das letzte Teilstück der Siedlung an der Realpstrasse wurde erstellt. Der Bezug der 47 fertigen Häuser der ersten Tranche wurde auf 1921 vermeldet, jener der weiteren 9 Häuser an der Realpstrasse um 1922.

Die Genossenschaft Eintrag im Schweizerischen Handelsamtsblatt, Ausgabe 261 von 1920:

«Basel, 10. September. Unter der Firma Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter Basel besteht mit Sitz in Basel eine Genossenschaft, die die gegenseitige Unterstützung im Bau und Erwerb bescheidener Eigenheime bezweckt. Die Dauer der Genossenschaft ist unbestimmt. Ihre Statuten sind am 20. Juli 1920 festgestellt worden. Die Genossenschaft sucht ihre Zwecke zu erreichen: 1. durch Kauf, eventuell Pacht von geeignetem Bauland; 2. durch Erstellung geeigneter Wohnungsbauten; 3. durch Anschluss an bereits bestehende Genossenschaften mit ähnlichen Bestrebungen; 4. durch Erwerb bereits bestehender, dem Zwecke der Genossenschaft entsprechender Liegenschaften. Die Mitgliedschaft wird erworben durch schriftliche Anmeldung und Aufnahmebeschluss des Vorstandes. Die Mitgliedschaft erlischt: a) durch freiwilligen Austritt; b) durch Tod, resp. bei Stiftungen und Anstalten durch deren Liquidation oder Auflösung; e) durch Ausschluss. Der Austritt aus der Genossenschaft kann nach erfolgter dreimonatlicher Kündigung auf das Ende eines jeden Geschäftsjahres erfolgen. Zur Führung des Finanzhaushaltes der Genossenschaft dienen: 1. die Eintrittsgelder der Mitglieder, die à fonds perdu eingezahlt sind; 2. die Mitgliederbeiträge; 3. die Anteilscheine der Mitglieder und Subvenienten; 4. Subventionen, Stiftungen, Geschenke und Legate. Jedes Mitglied ist verpflichtet, mindestens einen auf seinen Namen lautenden Anteilschein von Fr. 100 einzuzahlen. Die Subvenienten, welche Anteilscheine zeichnen, haben nur beratende Stimme. Für die Verbindlichkeiten der Genossenschaft haftet nur deren Vermögen, eine persönliche Haftung der Genossenschafter ist ausgeschlossen. Die Bekanntmachungen der Genossenschaft erfolgen durch briefliche Mitteilung oder Zirkularschreiben. Aus dem nach Abzug der Verwaltungskosten, allfälliger Verluste und der erforderlichen Abschreibungen sich ergebenden Reingewinn werden die Anteilscheine zu einem Zinsfusse bis höchstens 5 % verzinst. Die Organe der Genossenschaft sind: a) die Generalversammlung; b) der aus sieben Mitgliedern bestehende, von der Generalversammlung gewählte Vorstand; c) die aus drei Mitgliedern bestehende, von der Generalversammlung gewählte Kontrollstelle. Die rechtsverbindliche Unterschrift für die Genossenschaft führen zurzeit: der Präsident, der Kassier, der erste und der zweite Aktuar kollektiv je zu zweien. Der Vorstand besteht zurzeit aus: Carl Trissler-Hasler, kaufmännischer Angestellter, von und in Basel, Präsident; Bernhard Hennig, Abteilungsleiter, von Zschipkau (Deutschland), in Basel, Vizepräsident; Hermann Siegrist-Hofmann, Bankbeamter, von und in Basel, Kassier; Adolf Suhr, kaufmännischer Angestellter, von und in Basel, erster Aktuar; Adolf Gürtler-Manz, Prokurist, von und in Basel, zweiter Aktuar; Dr. jur. Viktor Emil Scherer-Schneebeli, Advokat, von und in Basel; Emil Bürgin-Meyer, Bautechniker, von Basel, in Neu-Allschwil. Geschäftslokal: Landskronstrasse 36.»

Die Genossenschaft Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter Basel wurde am 5. Februar 1925 aufgelöst.

Das Projekt Hans Bernoulli Eine Reihe von bedeutenden Siedlungen entwarf Hans Bernoulli für Genossenschaften. Nach seinen Plänen wurden unter anderem 1921–1924 in Basel die Wohnkolonie Im Langen Lohn, die Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter, die Siedlung Lindengarten und die Landgenossenschaft Hirzbrunnen erbaut. Die Genossenschaften bauten mit Vorliebe Reiheneinfamilienhäuser mit Gärten.

Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter mini|Eigenheim, Grundrisse mini|Eigenheim, Schnitt und Ansichten mini|Bristenweg ca. 1922 Im Dezember 1920 hatten sich ca. 50 Bauherren der Genossenschaft «Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter Basel» zum Zweck der billigen Erstellung ihrer Häuser zu einer Baugenossenschaft zusammengetan (eine Wohngenossenschaft war nicht beabsichtigt). Für Planung und Ausführung der Siedlung wurden die Architekten Hans Bernoulli und Ernst Eckenstein beauftragt. Den Ausgangspunkt für die Planung bildete das Fünfzimmerhaus des Langen Lohn. Schon bald darauf wurde nicht weit vom Langen Lohn ein großer Bezirk für Wohnhausbauten abgesteckt und im Sommer 1922 konnten 56 Einfamilienhäuser der Eigenheimkolonie kaufmännischer Angestellter den Bestellern fertig übergeben werden.

Weblinks E-Periodica, Zeitschrift Das Werk 1922: https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=wbw-002%3A1922%3A9%3A%3A271# E-Periodica, Schweizerisches Handelsamtsblatt, Band 38, 1920: https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=sha-001%3A1920%3A38%3A%3A2225 Digitaler Lesesaal des Staatsarchivs Basel-Stadt: https://dls.staatsarchiv.bs.ch/ E.E. Gesellschaft der Feuerschützen Basel: https://feuerschuetzen.ch MapBS, Geoportal Basel-Stadt: https://map.geo.bs.ch/

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