Dominicus I., auch Domenico genannt, war von etwa 913 bis nach 925 Bischof von Metamaucum, einer Stadt am Ostrand der Lagune von Venedig (nicht zu verwechseln mit Malamocco). Metamaucum war bis etwa 810 Hauptstadt des Dukats Venedig und damit des Gebiets rund um die Lagune, bevor diese Rolle Rialto übernahm. Dort residierte seit 911 der Doge Orso II. Particiaco. Dessen Sohn wurde entführt, wobei Dominicus bei den Verhandlungen, die schließlich zur Freilassung des Dogensohns führten, eine wichtige Rolle spielte. Bei den Verhandlungen um die Handelsprivilegien auf dem italienischen Festland, die 915 und 924/925 stattfanden, stand Dominicus jeweils an der Spitze der Unterhändler. Über die Zeit danach ist nichts bekannt.

Leben Archidiakon, Verhandlungen um die Freilassung des Dogensohnes, Bischof von Metamaucum Auch über die Herkunft des Dominicus ist nichts bekannt, jedoch muss er dem Kreis der Vertrauten um den Dogen Orso II. Particiaco angehört haben, der von 911 bis 932 Doge von Venedig war. Dessen Sohn Petrus, der auf der Rückreise von Konstantinopel ausgeraubt und an Zar Simeon von Bulgarien ausgeliefert worden war, wurde in Verhandlungen gegen Lösegeld wieder freigelassen. Dabei spielte Dominicus eine wesentliche Rolle, der zu dieser Zeit noch Erzdiakon an der Kathedrale von Metamaucum war. Nach Gerhard Rösch fanden die Verhandlungen um die Freilassung im Jahr 913 statt.

Ob dieser Erfolg unmittelbar dazu führte, dass er zum Bischof erhoben wurde, ist unklar. Die älteste Chronik, die Istoria Veneticorum, stellt jedenfalls keinen erkennbaren Zusammenhang ausdrücklich her, sondern beschränkt sich auf einen Hinweis auf die spätere Erhebung zum Bischof.In der Istoria Veneticorum, die die Gefangennahme des Dogensohns schildert, heißt es: „Quem pater perditum acriter dolens, minime acquirere quivit, interim per suum internuncium, Dominicum videlicet Metamaucensem archidiaconem, qui postea episcopus effectus est, suis donis redimeret.“ Spätmittelalterliche Chroniken, wie die von Andrea Dandolo,In dessen Chronik beschreibt der Verfasser zunächst die Gefangennahme des Dogensohns, um dann fortzusetzen: „prò cuius redempcione dux genitor misit Dominicum archidiaconum methamaucensem, qui, maximis exibitis donis, ducis filium recuperavit, et propterea, suasione ducis, sue ecclesie episcopus postea factus est.“ (Andreae Danduli Chronica per extensum descripta, ed. Pastorello, S. 168, Z. 18–20). stellen diesen Zusammenhang her, obwohl auch sie sich nur auf die besagte Chronik berufen.

Verhandlungen mit den Königen Italiens (915, 925) Im Februar 915 entsandte Orso II. Unterhändler nach Pavia, um die Vereinbarungen zwischen Venedig und dem Königreich Italien mit König Rudolf zu erneuern. Die venezianische Diplomatie zielte darauf ab, vom König eine schriftliche Verpflichtung zu den Vereinbarungen zwischen den Dogen und den Herren des Königreichs Italien zu erhalten, die seit der Zeit Lothars I. immer wieder erneuert worden waren. Diese diplomatische Mission wurde Stefano Caloprini, einem Angehörigen einer Tribunenfamilie, und Bischof Dominicus von Malamocco anvertraut.Andrea Dandolo schreibt in seiner Chronica: „Hic Rodulphus, sui regni anno iiii°, Papié solium tenens, Dominico episcopo madamaucense et Stephano Caloprino nunciis ducis Venecie, libertates et inmunitates Venetorum, in regno Ytalico ab antiquis imperatoribus et regibus concessas, per privilegium renovavit, et in eodem declaravit ducem Venecie potestatem habere fabricandi monetam quia ei constitit antiqui duces hoc, continuatis temporibus, perfecisse.“ (S. 169, Z. 30–35). Der Text des Pactums ist nicht überliefert, aber ein zweites Dokument ist erhalten, das sogenannte Praeceptum, das auf ein Edikt Lothars I. aus dem Jahr 841 zurückgeht. Wieder einmal erreichten die Gesandten, die offenbar geschickt die politische Schwäche des Königs ausnutzten, von Rudolf eine Erweiterung der venezianischen Rechte.

Zeitweise stiftete die Erwähnung eines Bischofs von Malamocco mit einem anderen Namen im Jahr 919 Verwirrung. Diese fand sich im Pactum Clugiae, das sich jedoch als Fälschung aus dem 11. Jahrhundert herausstellte.

Schließlich verlieh Rudolf II., König von Burgund und Italien, Venedig das Recht, Münzen zu prägen. Eine Delegation reiste dazu nach Pavia an den Hof Rudolfs und erhielt am 28. Februar 925 ein weiteres Mal eine Erneuerung der Privilegien, die zuletzt 891 bestätigt worden waren. Am 26. Februar 927 erreichte die venezianische Diplomatie eine solche Bestätigung auch von Hugo von der Provence, der 926 König von Italien geworden war.

Mit dem Praeceptum gewährte Rudolf zudem das Recht, Münzen zu prägen. Zwar zirkulierten bereits im 9. Jahrhundert eigene, lokal geprägte Münzen, ebenso wie byzantinische Goldmünzen, doch wurden erstere nunmehr offiziell anerkannt.

Dominicus I. spielte also eine zentrale Rolle bei den wichtigsten politischen Initiativen des Dogen. Nach der Mission von 925 verschwindet er aus der Überlieferung. Möglicherweise wirft seine überaus bedeutende Rolle ein Schlaglicht darauf, dass Metamaucum in der Geschichte der Lagune von Venedig weiterhin eine zentrale Rolle spielte, obwohl die Stadt seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr Hauptstadt und Residenz der Dogen war.

Quellen Johannes Diaconus: Istoria Veneticorum, Liber II, 40. Ester Pastorello (Hrsg.): Andreae Danduli Ducis Venetiarum Chronica per extensum descripta aa. 46–1280 (= Rerum Italicarum Scriptores, XII,1), Nicola Zanichelli, Bologna 1938, S. 168 f. (Digitalisat, S. 128) Giovanni Monticolo (Hrsg.): Marin Sanudo: Le vite dei dogi (= Rerum Italicarum scriptores, IIa serie, 22.4), Città di Castello 1900–1911, S. 125 f. (verschweigt die Entführung des Dogensohns und die Verhandlungen um seine Freilassung).

Literatur Gerhard Rösch: Domenico, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 40 (1991). Girolamo Vianelli: Nuova serie de'vescovi di Malamocco e di Chioggia accresciuta e con documenti in gran parte ora sol pubblicati, Teil 1, Baglioni, Venedig 1790, S. 40–45. (Digitalisat)

Siehe auch Liste der Bischöfe von Chioggia

Anmerkungen

Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (10. Jahrhundert) Kategorie:Person des Christentums (Venedig) Kategorie:Person (venezianische Geschichte) Kategorie:Venezianischer Diplomat Kategorie:Geboren im 9. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 10. Jahrhundert Kategorie:Mann