mini|Rijksprentenkabinet. Studiensaal, Frans van Mierisstraat (2004)

Das Rijksprentenkabinet ist die Abteilung für Druckgrafiken, Zeichnungen und Fotografien des Rijksmuseums in Amsterdam. Die Sammlung gilt als eine der bedeutendsten Europas und ist zugleich die größte der Niederlande.

Geschichte Die Geschichte des Rijksprentenkabinets ist eng mit der des Rijksmuseums verknüpft. Letzteres wurde am 19. November 1798 in Den Haag durch Beschluss der Batavischen Republik gegründet. Der Finanzminister Isaac Gogel hatte sich zuvor für die Errichtung eines nationalen Museums nach französischem Vorbild eingesetzt. Die Nationale Kunst-Galerij wurde schließlich am 31. Mai 1800 im Huis ten Bosch in Den Haag eröffnet. Im Jahr 1808 ließ König Louis Bonaparte, ein Bruder Napoleons, das Museum in den Königlichen Palast am Dam in Amsterdam verlegen. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft ordnete König Willem I. im Jahr 1817 die Überführung des Museums sowie der nationalen Drucksammlung in das Trippenhuis an, einen Stadtpalast aus dem 17. Jahrhundert am Kloveniersburgwal in Amsterdam. Dort waren das Rijksmuseum für Gemälde und das Rijksprentenkabinet als nationale Druckkammer gemeinsam untergebracht. Das Trippenhuis erwies sich jedoch auf Dauer als zu beengt und für Museumszwecke als wenig geeignet. mini|Rijksprentenkabinet (1935) Nach jahrelangen Debatten wurde im Jahr 1876 der Architekt Pierre Cuypers mit dem Entwurf eines neuen Gebäudes beauftragt, das eigens für das Rijksmuseum bestimmt war. Der Neubau, der gotische und Renaissanceelemente im historisierenden Stil vereint, wurde 1885 auf dem Museumplein eröffnet. In dem neuen Gebäude erhielt die Grafiksammlung erstmals einen eigenen Studienraum. Im Rahmen der umfassenden Renovierung des Rijksmuseums von 2003 bis 2013, die unter der Leitung der spanischen Architekten Cruz y Ortiz stand und rund 375 Millionen Euro kostete, wurde auch das Rijksprentenkabinet in das erneuerte Museumskonzept integriert. Seit der Wiedereröffnung am 13. April 2013 sind Werke auf Papier erstmals in die allgemeinen Galerieräume integriert. Aufgrund der Lichtempfindlichkeit dieser Werke werden die Installationen alle vier Monate gewechselt. Seit 2007 läuft das Projekt „Printroom Online“, das die systematische Registrierung, Konservierung und Digitalisierung der gesamten Sammlung des Rijksprentenkabinet zum Ziel hat. Über den Dienst „Rijksstudio“ des Rijksmuseums sollen die Werke einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Sammlung Das Rijksprentenkabinet beherbergt eine der größten und bedeutendsten Sammlungen von Druckgrafiken, Zeichnungen und illuminierten Handschriften Europas. Der Sammlungsbestand umfasst rund 700.000 Objekte, darunter etwa 600.000 Druckgrafiken, rund 50.000 Zeichnungen und etwa 150.000 Fotografien. Die Werke auf Papier werden zum Schutz vor Lichteinstrahlung in klimatisierten Magazinen aufbewahrt. Für wissenschaftliche Zwecke können Originale nach Voranmeldung im Study Room des Rijksmuseums eingesehen werden. Die Sammlung reicht vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und umfasst niederländische und flämische Meister sowie internationale Künstler. Zum Bestand gehören auch umfangreiche Bestände japanischer Druckgrafik, die in mehreren Katalogbänden dokumentiert sind. Einen besonderen Schwerpunkt bildet das Goldene Zeitalter der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Neben Druckgrafiken und Zeichnungen werden im Rijksprentenkabinet auch fotografische Werke des 19. und 20. Jahrhunderts aufbewahrt. Im Jahr 1996 zeigte das Rijksmuseum erstmals eine große Ausstellung mit Fotografien aus dem eigenen Bestand.

Handzeichnungen (Auswahl)

Druckgrafiken (Auswahl)

Sammlungsschwerpunkte Das Rijksprentenkabinet besitzt die größte erhaltene Sammlung von Drucken des Hausbuchmeisters. Dieser war ein anonymer spätgotischer Maler und Stecher, der im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in Süddeutschland wirkte. Da sich der überwiegende Teil seiner erhaltenen Grafiken in der Sammlung des Rijksmuseums befindet, wurde er in der älteren Forschung auch als „Meister des Amsterdamer Kabinetts“ bezeichnet. Der Hausbuchmeister gilt als einer der ersten Künstler, der die Kaltnadeltechnik für all seine Drucke verwendete. Neben diesen frühen Drucken umfasst die Sammlung bedeutende Bestände von Radierungen und Zeichnungen Rembrandts, darunter zahlreiche biblische Szenen und Porträtstudien. Weitere Sammlungsschwerpunkte sind Werke von Hercules Seghers, zu denen ebenfalls ein eigener Online-Katalog vorliegt, sowie Zeichnungen niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts allgemein.

Literatur Begegnungen – Meisterwerke der Zeichnung und Druckgraphik aus dem Rijksprentenkabinet in Amsterdam und der Albertina in Wien. SDU, ’s-Gravenhage, 1989. Marijn Schapelhouman, Peter Schatborn: Land & Water – Hollandse Tekeningen uit de 17de eeuw in het Rijksprentenkabinet Dutch drawings from the 17th century in the Rijksmuseum print room. Uitgeverij Waanders, 1987. Peter Schatborn: Tekeningen van Rembrandt, zijn onbekende leerlingen en navolgers. Catalogus van de Nederlandse Tekeningen in het Rijksprentenkabinet, Rijksmuseum Amsterdam, Bd. 4, Amsterdam 1985. C. van Rappard-Boon (bearb.): Catalogue of the collection of Japanese prints. Rijksprentenkabinet, Rijksmuseum Amsterdam. Teil I–IV, Amsterdam 1977–1982.

Weblinks

Rijksprentenkabinet. Print Room Rijksmuseum. Research Guides Encyclopaedia Britannica: Rijksprentenkabinet Rijksmuseum: History Rijksmuseum: Printroom Online CODART: Prints, Drawings and Photography in the Renewed Rijksmuseum Encyclopaedia Britannica: Master of the Housebook Journal of Historians of Netherlandish Art: Between local pride and national ambition Rijksmuseum Research Library / Study Room

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstmuseum in den Niederlanden Kategorie:Gegründet 1885 Kategorie:Museumsgründung 1885