Bicheno (IPA: ) ist eine Ortschaft an der Ostküste Tasmaniens, Australien, 185 km nordöstlich von Hobart am Tasman Highway gelegen, mit einer Einwohnerzahl von etwa 800 Personen (Volkszählung 2021) im Zentrum respektive rund 1000 Personen (2021), wenn man die unmittelbaren Vororte dazuzählt. Sie gehört zur Gemeinde Glamorgan Spring Bay. Die Ortschaft ist in erster Linie ein Fischereihafen und ein Badeort.

Name Bicheno verdankt seinen Namen dem britischen Offizier James Ebenezer Bicheno (1785–1851). Bicheno war von 1843 bis 1851 britischer Kolonial-Sekretär für Tasmanien, welches damals noch „Van Diemen’s Land“ hieß. Die vielleicht erste Erwähnung des Ortes unter diesem Namen erfolgte in einer Zeitungsmeldung vom 28. Juli 1851, wo eine Gruppe von 50 Sträflingen erwähnt wird, die im „township of Bicheno, at Wabbs’ Harbour“ untergebracht ist, und von dort ausgehend eine Straße bauen sollte; wobei die Zeitungsmeldung eine öffentliche Ausschreibung um Angebote für deren Versorgung mit Lebensmitteln ist.

Geschichte mini|James Ebenezer Bicheno (1785–1851) Erstmals schriftlich erwähnt wurde Bicheno durch James Kelly, einem australischer Entdecker, während seiner Umsegelung des damaligen „Van Diemen’s Land“. Er landete an dem damals „Waubs’ Harbour“, also „Waubs Hafen“, genannten Ort, um seine Vorräte zu trocknen. Ehemals gehörte das Gebiet des heutigen Bicheno wohl zum Lebensraum der Ureinwohner der „Paredarermer“, welche auch als „(Great-) Oyster-Bay Tribe“ (Stamm aus der Großen Austern-Bucht) bezeichnet wurden, weil sie an der und um die „Great Oyster Bay“ (deutsch: Große Austern-Bucht) lebten, und welche die Sprache oder Sprachabart „Paredarerme“ oder „Paytirami“ oder „Poredareme“ sprachen.

Der Name „Waubs Hafen“ müsste eigentlich „Waubas Hafen“ heißen. Er ehrt eine Ureinwohnerin namens Wauba Debar, die als Jugendliche aus ihrem Stamm entführt wurde, um Frau („Sealers’ Woman“) eines Robben-Fängers zu werden. Sie rettete während eines Sturmes zwei solchen Robben-Fängern das Leben, ihrem Gatten und einem anderen, als deren Boot etwa 1 km entfernt vom Ufer kenterte. Dieser tapferen Tat zu Ehren wurde später ein Gedenkstein errichtet. Wauba Debar starb 1832, angeblich, laut Grabstein, damals vierzig Jahre alt, während einer Schiffsreise zu den „Furneaux-Inseln“, der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist jedoch umstritten.mini|Gaol Cottages, Bicheno, ehemaliges Gerichtsgebäude und Wachhaus, das heute als Hotel genutzt wird.

An der Küste bei Waubs’ Harbour wurden in den späten 1830er und frühen 1840er Jahren mehrere Walfang-Stützpunkte betrieben.

Bicheno wurde 1866 zur Gemeinde erklärt. Das Postamt von Bicheno wurde am 1. Januar 1855 als Empfangsstelle eröffnet.

Wirtschaft Das Hinterland wurde Mitte der 1840er Jahre für die Landwirtschaft erschlossen, die bis heute fortbesteht. Im Jahr 1848 wurde Kohle entdeckt. 1854 wurde der Hafen erweitert, um Hafenanlagen für die Kohleminen am Denison River zu schaffen. Die Kohle wurde über eine 5 km lange, von Pferden gezogene Straßenbahn zum Hafen transportiert. (englisch).

Die Kohlenlagerstätten im Umland Bichenos sind auch heute noch nicht völlig erschöpft. Dennoch war die Nutzung Bichenos als Kohlenhafen kurzlebig, denn 1855 wurden in Victoria im Südosten des australischen Festlandes Goldlagerstätten entdeckt, was dazu führte, dass die meisten Einwohner 1855 wegzogen und Bicheno für fast ein Jahrhundert zu einem unscheinbaren, kleinen Fischerdorf wurde.

mini|Tasmanische Meeresspezialitäten. Die Fischerei ist nach wie vor der Lebensnerv der Stadt, mit beträchtlichen Mengen an Langusten, Abalonen, Jakobsmuscheln und Trevally.

Neben der Fischerei ist auch der Weinbau zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor geworden, da um Bicheno herum zahlreiche Weinberge vorhanden sind.

Ein weiteres Standbein des Ortes ist inzwischen der Tourismus geworden. Besucher werden auch von der Kolonie kleiner Pinguine auf der benachbarten Diamond Island angezogen. Hier besteht die Möglichkeit, an einer geführten Pinguin-Tour zu einer geschützten Kolonie teilzunehmen.

Besonderheiten 1893 gruben Vertreter des „Tasmanischen Museums“ der Hauptstadt Hobart die Leiche Wauba Debars für Forschungszwecke aus, was bei den örtlichen Volksvertretern für große Empörung führte. Erst 1990 wurden die sterblichen Überreste von Wauba Debar an die tasmanische Aborigine-Gemeinde zurückgegeben, wo sie anschließend eingeäschert wurden.

Im September 2003 wurde in Bicheno ein Denkmal für die Handelsmarine enthüllt. (englisch). Fünf Monate später, im Februar 2004, verlieh Bicheno der australischen Handelsmarine eine „Charta der freien Einfahrt“, die „Freedom of the City“. Damit war dies weltweit die erste Stadt, die der Handelsmarine die „Freiheit der Stadt“ gewährte. (englisch).

Örtliche Grundschüler wurden zu Hütern des Denkmales bei Wauba Debars Grab ernannt.

Bevölkerung Bei der Volkszählung 2016 lebten 943 Menschen hauptlich in Bicheno, 2021 waren es nur noch 797.

Von den damaligen 943 Einwohnern Bichenos waren 76,6 % in Australien geboren worden, und 86,0 % von ihnen sprachen daheim nur englisch miteinander. Zur Frage nach der Religion erklärten sich damals 37,7 % für religionslos und 23,7 % bekannten sich zum anglikanischen Glauben.

Bei der australischen Parlamentswahl im Jahr 2025 wurden im Bichenoer Wahlbezirk folgende Ergebnisse ermittelt: Australian Labor Party: 199 (41,12 %), Liberal Party of Australia: 108 (22,31 %), Australian Greens: 95 (19,63 %), Pauline Hanson's One Nation Party: 24 (4,96 %), Trumpet of Patriots: 21 (4,34 %), Shooters, Fishers and Farmers Party: 18 (3,72 %), Angela Offord (unabhängige Einzel-Bewerberin): 16 (3,31 %), Australian Citizens Party: 3 (0,62 %) Gemäß der australischen Mehrheitswahl wiesen die Wähler bei der Wahl den einzelnen Bewerbern Ränge zu, statt nur einzelne anzukreuzen. Bei der Auszählung wurden dann den beiden meist bevorzugten Bewerbern die ihnen gegebenen Ränge von den Stimmzetteln, wo sie nicht die bevorzugtesten waren, hinzu gerechnet, wodurch in der Stichwahl Rebecca White von der sozial-demokratischen „Australian Labor Party“ mit 317 Wähler-Stimmen (64,46 %) gegen Susie Bower von der liberal-konservative „Liberal Party“ mit 172 Wähler-Stimmen (35,54 %) gewann.

Klima In und um Bicheno obwaltet ein ozeanisches gemäßigtes Klima mit milden Sommern und linden Wintern (Köppensche Klimaklassifikation: Cfb). Die höchste bislang jemals dort gemessene Temperatur war 38,9 °C (= 102,0 °F), und wurde am 31. Januar 1968 gemessen, und die tiefste solche war bislang −0,6 °C (=30,9 °F), und war am 15. Juli 1966 festgestellt worden.

Sehenswürdigkeiten Whalers Lookout mini|Aussichtsplattform auf dem Hügel Whalers Lookout in Bicheno

In Bicheno befindet sich ein Hügel, von dem aus früher Walfänger nach Walen ausspähten. Heute ist dort eine Aussichtsplattform, von wo man eine gute Sicht auf Bicheno und dessen Umland hat. Grab von Wauba Debar mini|Grabstein von Wauba Debar von 1855 Im „Lions Park“, in der Nähe der Tennisplätze, befindet sich das Grab von Wauba Debar. Der nicht weit entfernte Strand heißt „Waub’s Beach“. Der Grabstein wurde erst 1855 aufgestellt, nachdem einige ortsansässige weiße Siedler, unter ihnen John Allen (1806–1879), dafür Geld gesammelt hatten.

Dorfkirche von 1882 mini|Die am 10. Dezember 1882 eröffnete Bichenoer Kirche der Uniting Church

In Bicheno gibt eine hölzerne kleine Kirche, welche am 10. Dezember 1882 eröffnet wurde, und heute von der örtlichen Gemeinde der „Uniting Church“, einer evangelisch-reformierten Kirche, genutzt wird.

Pinguine auf Diamond Island Diamond Island oder Cod Rock („Dorsch-Felsen“) ist ein niedriges Felsen-Eiland aus Granit mit einer Fläche von etwa 676 Ar. Es liegt etwa 200 m vor der Küste des tasmanischen Festlandes bei Bicheno und ragt an seiner höchsten Stelle etwa 9 m über den Meeresspiegel. Bei Ebbe ist es mit dem Festland durch eine Sandbank verbunden, über die man zu ihm gelangen kann. Es ist ein Naturschutzgebiet. Auf ihm nisten etwa 200 Paare von Zwergpinguinen. Außerdem leben auf ihm auch andere Seevögel und Wattvögel, so z. B. Rußausternfischer. Die Bruststätten der Pinguine können im Rahmen geführter Besuche besichtigt werden.

Governor Island mini|Teile des Fels-Eilandes Governor Island bei Bicheno.

An der Küste Bichenos, jenseits eines winzigen Sundes befindet sich ein Fels-Eiland namens „Governor Island“. Der Sund ist etwa 50 m breit und heißt „Waubs’ Gulch“. In ihm herrschen starke Strömungen und Dünungen. Das Meer festlandabwärts dieses Felsen-Eilandes ist seit 1991 ein Meeresschutzgebiet, welches bei Tauchern sehr beliebt ist. In ihm befinden sich auch weitere kleinere aus dem Meer ragende Felsen, Schären, wie „The Castle“ und die „Golden Bommies“. Das Meer dort ist tief, und auch von heftigen Strömungen und Dünungen betroffen. Deswegen sollten dort nur erfahrene Taucher oder von solchen geführte minder kundige Laien tauchen.

Die Sicht ist dort im Wasser im Winter am besten, bis etwa 30 m Tiefe, jedoch hat das Wasser dann dort nur etwa 11 °C bis 14 °C. Im Sommer wird es bis zu etwa 20 °C warm, doch sorgen Algen dann meist für schlechtere Sicht. Fischen ist in dem Meeresschutzgebiet verboten.

Wegen der Kälte des Wassers wachsen keine richtigen Korallen, aber andere Hohltiere und Tange bewachsen die Felsen. Auch Kraken, Krebse und allerlei Fische leben dort, sowie auch Delfine und Pelzrobben, Seebären, wobei diese Meeressäuger diesen Ort nur manchmal besuchen.mini|Australische Seebären auf Bruny Island.

Außerdem ist dieses Eiland der vogelreichste Brutplatz der Eilseeschwalbe in Tasmanien, und auch etliche andere Seevögel sind dort heimisch oder besuchen gelegentlich diesen Flecken. mini|Felsige Küste nördlich von Bicheno. Der Ort ist hinten rechts sichtbar.

Bicheno Blowhole Bei Bicheno gibt es an der Küste im Felsen einen Spalt (Bicheno Blowhole), durch den das Meer sein Wasser zu einer Gischtsäule emporspritzen lässt.

Das Handelsschifffahrts-Denkmal mini|Das Handelsschiffahrts-Denkmal Das Denkmal für die Handelsschifffahrt wurde im September 2003 nahe Wauba Debars Grab enthüllt. Schüler örtlicher Grundschulen wurden zu Hütern dieses Denkmales ernannt.

Der Tierpark East Coast Natureworld Nördlich Bichenos befindet sich ein Tierpark namens East Coast Natureworld, welcher die Anschrift „18356a Tasman Highway Bicheno, Tasmania“ hat. Dort dürfen Besucher auch tasmanische Wildtiere anfassen, und nachts mit einem Führer Beutelteufel besuchen.

Persönlichkeiten Wauba Debar (um 1792–1832): Aborigine, Gattin eines europäisch-stämmigen Robbenfängers, Lebensretterin zweier Schiffbrüchiger (von denen einer ihr Gatte war) Shane Gould: Sportschwimmerin. Vanessa Richardson: Kunstmalerin Mathew Tildesley: Lichtbildner Carl Noonan: Juwelier

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Tasmanien Kategorie:Ort mit Seehafen Kategorie:Glamorgan Spring Bay Municipality