Wendt boxt sich durch ist ein 1962 im Sportverlag Berlin erschienener Roman von Ulla Küttner. Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Sportlehrers Joachim Wendt, der zwischen 1954 und 1956 in der fiktiven thüringischen Kleinstadt Tonnstedt gegen vielfältige Widerstände den Schulsport aufbaut und eine Gemeinschaft aus Schülern, Kollegen und Bürgern für den Sport begeistert.

Der in der frühen DDR angesiedelte Roman setzt der ersten Studentengeneration der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig ein literarisches Denkmal.Vgl. Werner Beuschel: Die Sportlehrerausbildung an den pädagogischen Hochschulen – das Fallbeispiel Karl-Marx-Stadt/Zwickau. In: Wolfgang Buss, Christian Becker (Hrsg.): Aktionsfelder des DDR-Sports in der Frühzeit, 1945–1965. Köln: Sport und Buch Strauß 2001, S. 95–132, hier S. 112. Dabei basiert das Buch auf realen Erlebnissen eines Sportlehrers an der Polytechnischen Oberschule in Bad Tennstedt.

Inhalt und formale Aspekte Nach dem Sportstudium in Leipzig trifft der 24-jährige Sportlehrer Joachim Wendt am 25. August 1954 in der Kleinstadt Tonnstedt ein, um seine erste Stelle an der örtlichen Schule anzutreten. Schon bei der Ankunft lernt er durch einen Zufall den Bürgermeister Klomfuß kennen, dem er bei einer Autopanne hilft. In der Schule wird er vom alternden, konservativen Direktor Schaub empfangen, der den Sport als „Nebensache“ betrachtetS. 32. Alle Seitenangaben nach der Ausgabe von 1962. und Wendt zusätzlich als Deutsch- und Klassenlehrer einspannt.

Die Turnhalle entpuppt sich als verfallene „Rattenburg“S. 28, 30, 33. ohne brauchbare Geräte. Unterstützt von seinem Kollegen Peter Büchner, der Pionierleiterin Renate Baier – in die er sich verliebt – und einer Handvoll begeisterter Schülerinnen beginnt Wendt, die Turnhalle zu säubern und eine Sportwerbegruppe aufzubauen. Dabei muss er sich mit vielfältigen Schwierigkeiten auseinandersetzen: der Ablehnung durch den Schulleiter, der mangelnden Ausdauer der Kinder, dem Widerstand mancher Eltern, dem Fehlen von Sportgeräten und dem baufälligen Zustand der Übungsräume. Besonders viel pädagogische Aufmerksamkeit widmet er der schwierigen Schülerin Lili Ferner, die aus zerrütteten Familienverhältnissen stammt, sowie dem verhaltensauffälligen Benno Jahn.

Im Verlauf der anderthalb Jahre, die der Roman umspannt, gelingt es Wendt durch unermüdliches Engagement, die Situation schrittweise zu verbessern. Ein „sportliches Rauschgefühl“S. 164. verbreitet sich in der Tonnstedter Jugend. Wendt organisiert einen öffentlichen Sportwerbeabend, beschafft – auf teils abenteuerlichen Wegen – neue Geräte, gewinnt neue Verbündete in der Betriebssportgemeinschaft der Papierfabrik und bringt sogar den eigensinnigen Bauern Schulze dazu, ein Grundstück für eine neue Turnhalle zu stiften.

Als der reformorientierte Kurt Franke den pensionierten Schaub als Schulleiter ablöst, verbessern sich die Arbeitsbedingungen deutlich. Der Roman endet am 21. Februar 1956 mit der feierlichen Grundsteinlegung für die neue Turnhalle, bei der Bürgermeister Klomfuß Wendts Verdienste würdigt. Wendt und Renate Baier sind inzwischen ein Paar und sprechen bei Renates Vater vor.

Der Roman besteht aus 28 Kapiteln und ist in der Buchausgabe 296 Seiten lang. Handlungsorte sind – neben Tonnstedt – die Bezirkshauptstadt Erfurt (Kapitel 8), Steinach (Winterlager in Kapitel 13), die fiktive Kreisstadt Salzenau (eine Anspielung auf Bad Langensalza) und Mühlhausen (beide Kapitel 18). Erwähnt wird auch der fiktive Nachbarort Bad Glimmerbach.

Vorbild für Wendt In der Nachbemerkung berichtet Ulla Küttner, dass es für den Protagonisten Wendt ein reales Vorbild gab, den Sportlehrer Joachim Werner, der an der Oberschule Bad Tennstedt arbeitete. Werner bekam 1962 vom Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport den Ehrentitel „Verdienter Meister des Sports“ verliehen.Siehe Neues Deutschland, 13. Juni 1962, S. 6.

In der Thüringer Allgemeinen vom 14. Juni 2021 rekapitulierte eine ehemalige Schülerin den Auftritt der Bad Tennstedter Sportwerbegruppe 1961 bei der Eröffnung der Internationalen Gartenbauausstellung in Erfurt:

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Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Roman, Epik