mini|Joseph Georg Dreer, Lithografie (1845) Joseph Georg Dreer (* 24. April 1812 in Erding; † 26. Juli 1885 in Aibling) war ein katholischer Priester und beliebter Prediger, der im 19. Jahrhundert im Königreich Bayern wirkte, zuletzt als Dompropst am Augsburger Dom.

Leben und Wirken Joseph Georg Dreer wurde am 24. April 1812 als Sohn eines Schneidermeisters in Erding geboren.Nekrolog des hochw. Herrn Joseph Georg Dreer, Dompropst. In: Jahresbericht des Historischen Vereins von Schwaben und Neuburg für die Jahre 1885–87, J. P. Himmer’sche Buchdruckerei, Augsburg April 1888, S. VII, VIII (Digitalisat). Am 4. August 1836 wurde er zum katholischen Priester geweiht und erhielt gleichzeitig seine Approbation. Von 1837 bis 1839 war er Koadjutor in der Pfarrei der oberbayerischen Stadt AiblingSchematismus der Geistlichkeit des Erz-Bistums München und Freysing für das Jahr 1839, S. 2 (dort mit abweichendem Geburtsdatum 19. April 1811).Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, Wolf & Sohn, München 1857, S. 61 und 295 (dort mit abweichendem Geburtsdatum 19. April 1811). und von 1840 bis 1842 Kaplan in Reichenhall.Schematismus der Geistlichkeit des Erz-Bistums München und Freysing für das Jahr 1842, S. 77 (dort mit abweichendem Geburtsdatum 19. April 1811). Ab 1844 wirkte Dreer an der Frauenkirche (Dom zu Unserer lieben Frau) in München. Dort blieb er mehrere Jahre,Wochenbericht. Bayern. In: Illustrirte Bayerische Volkszeitung, Nr. 31 vom 2. August 1885 (Digitalisat). zunächst als Dom-CooperatorSchematismus der Geistlichkeit des Erz-Bistums München und Freysing für das Jahr 1844, S. 46 (dort mit abweichendem Geburtsdatum 19. April 1812). und ab 1846 als Domprediger und Katechet.Schematismus der Geistlichkeit des Erz-Bistums München und Freysing für das Jahr 1846, S. 42 (dort mit abweichendem Geburtsdatum 19. April 1812).

Während seiner Münchner Jahre schuf der Lithograf Friedrich Knauber eine Porträtlithografie von Joseph Georg Dreer, die heute Bestandteil der Ansichten- und Porträtsammlung der Bayerischen Staatsbibliothek ist. Es handelt sich um ein frühes Werk des Künstlers, das 1845 in der Kunstanstalt von H. Dragendorf in München entstand und Dreer im Alter von etwa 33 Jahren zeigt.

Auf seine Bitte hin wurde Dreer im Frühjahr 1848 zum Stadtpfarrer in Lindau ernannt. Aus dieser Zeit ist seine Abschiedspredigt, die er im Münchner Dom hielt, in gedruckter Form überliefert.Abschieds-Rede, gehalten am V. Sonntag nach Ostern […] Gedruckt bei Christian Kaiser, München 1848 (Digitalisat). In Lindau wirkte er ab dem 22. April 1848 acht Jahre lang.

1856 wurde Joseph Georg Dreer als Domkapitular an den Augsburger Dom berufen. Wegen dieser Beförderung musste er seinen bisherigen Sitz im Landrat von Schwaben und Neuburg aufgeben. Im Rahmen der ersten Sitzung des neu zusammengetretenen Landrats im Dezember 1856 wurde sein Ausscheiden bekanntgegeben.Erste und Eröffnungs-Sitzung, Augsburg, den 9. Dezember 1856. In: Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt für Schwaben und Neuburg, Nr. 105 vom 27. Dezember 1856, Sp. 1475. (Digitalisat).

In Augsburg gründete Joseph Georg Dreer 1859 unter dem Protektorat von Bischof Pankratius von Dinkel die „Marienanstalt Augsburg“, eine Einrichtung zur Unterstützung katholischer alter und kranker weiblicher Dienstboten, die bis heute unter dem Namen Augsburger Marienheimstiftung existiert. Bis zu seinem Tod war er Vorsitzender dieses und weiterer wohltätiger Vereine in Augsburg, darunter der katholische St. Johannisverein und der St. Vinzentiusverein. mini|Dompropst J. G. Dreer in Augsburg, Lithografie von Theodor Mayerhofer Am 21. März 1864 hielt Dreer im Augsburger Dom die Trauerrede für den verstorbenen bayerischen König Maximilian II.

Im Oktober 1867 konnte er in der Wallfahrtskirche St. Rasso in Grafrath eine Festpredigt anlässlich der feierlichen Rückkehr der Gebeine des Heiligen Rasso halten, die im Januar desselben Jahres von den „Rasso-Räubern“ gestohlen worden waren. Die sterblichen Überrester des Heiligen waren im März desselben Jahres in einem Wald wiedergefunden und mit neuer Fassung am 12. Oktober 1867 in die Wallfahrtskirche zurückgebracht worden.Die feierliche Wiederheimbringung der ... Gebeine des heiligen Rasso: Eine Festpredigt, gehalten am ersten Festtage, den 13. October 1867, in der Wallfahrtskirche zu Grafrath, von J[osef Georg] Dreer. Bei der Exequienfeier für den Ende Februar 1868 verstorbenen König Ludwig I. von Bayern hielt Dreer am 13. März 1868 im Augsburger Dom die Trauerrede, die im selben Jahr publiziert wurde und deren Verkaufserlös für die „Marienanstalt“ bestimmt war.

Im Jahr 1868 gab Dreer – nach eigener Aussage im Vorwort auf wiederholte Bitten hin – einen umfangreichen Band mit seinen bisher gehaltenen Fest- und Gelegenheitsreden heraus, die als Einzeldrucke im Buchhandel teilweise schon vergriffen waren. Das als „Band I“ bezeichnete Werk enthielt auf 300 Seiten eine Zusammenstellung der Predigten aus seiner Zeit in München und Lindau, ein zweiter Band mit Kanzelreden aus Augsburg und Umgebung sollte folgen.

Als zweitältester Domkapitular seiner Diözese wurde Dreer im Frühjahr 1878 von König Ludwig II. zum Dompropst ernannt. Anlässlich seines 70. Geburtstags füllte ein Gedicht zu seinen Ehren die Titelseite des Schwäbischen Postboten, des Feuilletons zur Neuen Augsburger Zeitung.Zur 70. Geburtstagsfeier […]. In: Der Schwäbische Postbote. Feuilleton zur Neuen Augsburger Zeitung, Nr. 71 vom 23. April 1882, Titelseite (Digitalisat).

Am 26. Juli 1885 starb Dompropst Joseph Georg Dreer „nach langem und beschwerlichem Leiden“ im Alter von 73 Jahren während eines Kuraufenthaltes in Aibling, wo seine priesterliche Laufbahn 48 Jahre zuvor begonnen hatte. Sein Leichnam wurde nach Augsburg überführt und dort am Nachmittag des 29. Juli 1885Todesanzeige in: Neue Augsburger Zeitung, Nr. 174 vom 29. Juli 1885, S. 8 (Digitalisat). unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.Dompropst Dreer †. In: Neue Augsburger Zeitung, Nr. 176 vom 31. Juli 1885, S. 4 (Digitalisat).Dompropst Joseph Georg Dreer †. In: Schematismus der Geistlichkeit des Bisthums Augsburg für das Jahr 1886. F. C. Kremer’sche Buchdruckerei, Augsburg 1886, S. 230–233 (Digitalisat). Den Trauergottesdienst im Augsburger Dom hielt am folgenden Tag sein Nachfolger im Amt des Dompropstes, Franz Joseph Heim (1817–1890).

Nachrufe Die Neue Augsburger Zeitung veröffentlichte Anfang August 1885 einen ausführlichen Nachruf, der in zwei Teilen erschien.Dompropst Joseph Georg Dreer †. In: Neue Augsburger Zeitung, Nr. 177 vom 1. August 1885, S. 2 (Digitalisat).

Ein weiterer Nachruf erschien im Jahresbericht des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 1885, dessen zweiter Vorsitzender Dreer gewesen war.

Im Bayerischen Veteranen-Kalender von 1886 wurde er zudem als eine Persönlichkeit gewürdigt, die „in allen Kreisen ohne Unterschied der Konfession und Parteirichtung beliebt“ war. Durch sein humanes Wesen und seinen liebenswürdigen Charakter habe er es verstanden, „alles zu vermeiden und zu beseitigen, was den confessionellen Frieden stören konnte und zugleich in wirksamster Weise zu dessen Erhaltung und Pflege beizutragen“. Dem dortigen Nachruf war eine Lithografie des Wiener Zeichners Theodor Mayerhofer beigegeben, die Dreer im fortgeschrittenen Alter darstellt.

Ehrungen Joseph Georg Dreer erhielt folgende Auszeichnungen des bayerischen Königs: Ritter des königlich bayerischen Verdienstordens vom heiligen Michael 1. Klasse Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870–1871 (für die Pflege der Verwundeten)

Fest- und Trauerreden (Auswahl) Rede gehalten nach der Hinrichtung des Doppelmörders Johann Eppensteiner am 3. Mai 1845. Verlag der J. J. Lentner’schen Buchhandlung, München 1845. Woher kömmt es, daß wir in Mitte der Segnungen Gottes so viele Klagen über theuere, harte und bedrängte Zeiten hören? Ein Wort zu seiner Zeit gesprochen bei Gelegenheit des Aerntedanksagungsfestes gefeiert in der Metropolitan-Pfarrkirche zu U. L. Frau am XIV. Sonntag nach Pfingsten von J. G. Dreer, Domprediger. Verlag der J. J. Lentner’schen Buchhandlung, München 1846 (20 Seiten, Digitalisat) Trauerrede, gehalten bei der Exequien-Feier für den höchstseligen König Maximilian II. von Bayern : in der Dom- und Kathedralkirche zu Augsburg am 21. März 1864. Kranzfelder’sche Buchhandlung, Augsburg 1864 (Digitalisat). Die feierliche Wiederheimbringung der … Gebeine des heiligen Rasso : Eine Festpredigt, gehalten am ersten Festtage, den 13. October 1867, in der Wallfahrtskirche zu Grafrath, von J[osef Georg] Dreer. Kranzfelder’sche Buchhandlung, Augsburg 1867 (Digitalisat) Trauerrede, gehalten bei der Exequienfeier für den höchstseligen König Ludwig I. von Bayern. Kranzfelder’sche Buchhandlung, Augsburg 1868 (Digitalisat)

Bücher (Auswahl) als Autor Heilige Stunden. Ein Gebet- und Erbauungsbuch für Katholiken jeden Standes. Verlag der J. J. Lentner’schen Buchhandlung, München 1847 (482 Seiten, Digitalisat) Mein Schutzengel. Oder: Christlicher Wegweiser in Lehre, Beispiel und Gebet für Jünglinge und Jungfrauen. Verlag von Johann Thomas Stettner, Lindau 1856 (602 Seiten, Digitalisat) Fest- und Gelegenheitspredigten von Jos. G. Dreer, Domcapitular, Dompfarrer, Stadtdecan und Archidiacon. I. Band. Literarisches Institut von M. Huttler / Kranzfelder’sche Buchhandlung, Augsburg 1868 (300 Seiten, Digitalisat) als Herausgeber Joseph Georg Dreer (Hrsg.): Kurze Frühlehren im Geiste des seligen Vaters Aegidius Jais. Verfasst von einem alten Landpfarrer. 6 Bände. Hurter, Schaffhausen 1853–1855.

Weblinks

53 Werke von Joseph Georg Dreer in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Einzelnachweise

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