mini|Martine Birobent, 2013 Martine Birobent (* 11. Oktober 1955 in Mont-de-Marsan; † 30. März 2016 in Asbestos (heutiger Name Val-des-Sources)), war eine französisch-kanadische bildende Künstlerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.

Werdegang Martine Birobent wurde in der Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten Frankreichs geboren. Sie hatte eine schwierige Kindheit und reiste deshalb in ihrer Jugend umher. 1980 wanderte sie nach Kanada aus und ließ sich in der Provinz Québec im Montrealer Arrondissement Le Plateau-Mont-Royal nieder. See heiratete und bekam eine Tochter. Eine Hinterhofgarage diente ihr als Atelier für ihre künstlerische Arbeit. Außerdem unterrichtete sie als Lehrerin zwischen 1986 und 2009 an Grundschulen in sozial benachteiligten Vierteln.

Neben ihrem eigenen Kunstschaffen setzte Martine Birobent sich für die Förderung anderer Künstlerinnen ein. 2011 verließ sie Montreal, um mit ihrem Partner, dem Musiker und Aktivisten Jean-Robert Bisaillon, in der im Süden von Québec gelegenen Stadt Danville die erste Galerie für Outsider- und feministische Kunst „La Galerie des nanas“ mitzugründen. Die Galerie stellte Werke von unangepassten Künstlerinnen aus, die gegen den Mainstream und am Rande der zeitgenössischen Kunstwelt arbeiteten. Ihre Kunst thematisierte Probleme von Frauen, insbesondere die von vulnerablen Frauengruppen.

Im Januar 2016 wurde bei Martine Birobent unheilbarer Lungenkrebs diagnostiziert. Sie war die erste Einwohnerin der Regionalen Grafschaftsgemeinde, die die in der Provinz Québec verfügbare Sterbehilfe in Anspruch nehmen konnte. In ihrem künstlerischen Schaffen durch die metastasierte Krankheit zunehmend eingeschränkt, beendete sie Ende März 2016 ihr Leben in Danville. Die „Galerie des Nanas“ richtete in ihrem Andenken einen Fonds ein, der autodidaktische Künstlerinnen durch Residenzprogramme und den Ankauf ihrer Werke fördert.

Werk mini|hochkant|Duo aux pieds palmés, 2005 Martine Birobent war ohne formale Ausbildung multidisziplinär als Bildhauerin, Installationskünstlerin und Malerin tätig. Während ihrer Zeit in Montreal entstanden insgesamt über 550 Werke. Sie arbeitete mit vielen Materialien in unterschiedlichen Techniken, wie etwa mit gefundenen Objekten, Farbe, Steinen, Beton, Fiberglasharz, Ton, Stoffen, Garn und Fasern, Strick- und Häkelarbeiten sowie zahlreichen Holzschnitzereien, aus denen sie verstörende Collagen, Puppenassemblagen, Skulpturen und Bilder schuf.

„Die Figuren in ihren Gemälden sind auf groteske Weise mit allen erdenklichen sexuellen Attributen ausgestattet. Männer und Frauen, schwanger mit dem Universum, transparent und innig mit dem Hintergrund verwoben, trotzen Konventionen und der Natur der Elemente selbst“. Ihre mit Strickwerk „geknebelten Puppen, gefertigt aus neuen Puppen vom Basar oder vom Schrottplatz, entwickeln im Laufe der künstlerischen Forschung eine stetig wachsende soziopolitische Symbolik. Die Puppe verkörpert den weiblichen Körper, dem vom Kind bis zum Supermodel die Stimme durch das Netz aus Fäden, das seine plastische Anatomie bedeckt, genommen wird“.

Ausstellungen (Auswahl) Martine Birobents Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in privaten Galerien, alternativen Kunsträumen, Kulturzentren und verschiedenen regionalen Museen, wie etwa in Grande-Vallée und Victoriaville, gezeigt. 2013: 5. Biennale Internationale d’Art Hors-Les-Normes. Lyon (als Artist-in-Residence) 2015: Biennale Out Of The Box. Genf (als Artist-in-Residence) Ihre Serie „Muzzled Dolls“ wurde in der Halle Saint Pierre in Paris, in der Galerie Coeur au Ventre in Lyon und auf mehreren Ständen der Outsider Art Fair ausgestellt. 2014: Outsider Art Fair. New York 2015: Outsider Art Fair. Paris 2016: Outsider Art Fair. New York 2016: PUSIPOS, une rétrospective 1996-2016. La Galerie des nanas, Danville (Retrospektive) 2017: Museum für Outsider Art, Harstad (im Rahmen des Northern Norway Festival) 2017: Attention: état brut! Chapelle historique du Bon-Pasteur, Kulturzentrum des Montrealer Stadtbezirks Ville-Marie (Gemeinschaftsausstellung, unter anderem mit Danielle Jacqui) 2020: Le coeur au ventre. Art et Marges Musée, Brüssel (Gemeinschaftsausstellung)

Weblinks Website zu Martine Birobent

Einzelnachweise Le coeur au ventre. In: Art et Marges Musée. Abgerufen am 28. Februar 2026

Martine Birobent. In: Artmajeur. Abgerufen am 28. Februar 2026

Martine Birobent. (d. March 30, 2016) In: Outsider Art of Canada. Abgerufen am 28. Februar 2026

Martine Birobent. In: Outsider Art of Canada. Abgerufen am 28. Februar 2026

Martine Birobent and Jordan MacLachlan at Norway Exhibit. In: Outsider Art of Canada vom 30. Juni 2017. Abgerufen am 28. Februar 2026

L'aide médicale à mourir, le choix de Martine Birobent. In: Radio-Canada vom 7. April 2016. Abgerufen am 28. Februar 2026

Jean-Robert Bisaillon: Martine Birobent. In: Raw Vision, Obituaries. Abgerufen am 28. Februar 2026

Yvan Provencher: Le parcours artistique interrompu de Martine Birobent. In: La Tribune vom 30. März 2016. Abgerufen am 28. Februar 2026

Flavie Boucher: Artistes insolites et hors-norme. In: Vie des arts vom 3. Oktober 2017. Abgerufen am 28. Februar 2026

Motus et bouche cousue. In: Biennale Out Of The Box. Abgerufen am 28. Februar 2026

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