mini|Hans Grether (1916) Hans Grether (* 25. April 1880 in Lörrach; † 25. Oktober 1925 in La Paz) war ein deutscher Ingenieur, Statiker, Brücken- und Bahnplaner.

Leben Seine Schulausbildung erhielt Grether zunächst an der Volks- und Realschule in Lörrach. Grether absolvierte 1899 am Realgymnasium Karlsruhe die Reifeprüfung und studierte dann acht SemesterOktober 1899 – Juli 1901 und Oktober 1903 – Juli 1905 (unterbrochen durch einen einjährigen freiwilligen Militärdienst bei den Eisenbahntruppen). an der Technische Hochschule Karlsruhe. Im April 1906 legte er die Badische Staatsprüfung für Maschineningenieure ab und arbeitete danach ein Jahr als Praktikant bei der Maschinenbaugesellschaft Nürnberg einem Vorläufer von MAN. Im Juli 1908 bestand er die Prüfung für das Doktoringenieursdiplom mit Auszeichnung. Seine Dissertation Über Potentialbewegung tropfbarer Flüssigkeiten in gekrümmten KanälenDissertation TH Karlsruhe 1908, Berlin 1909. BLB Karlsruhe wurde 1908 gedruckt. Betreut wurde die Dissertation durch die Professoren Ernst Adolf Brauer (bei dem Grether auch als Assistent arbeitete) und Theodor Rehbock.

Kurz nach der Promotion erhielt die Hochschule von der kanadischen Regierung die Anfrage, ob man einen fähigen Statiker für die Berechnungen zur Neukonstruktion der 1907 eingestürzten Eisenbahnbrücke über den Sankt-Lorenz-Strom zwischen den Städten Québec und Lévis in der Provinz Québec in Kanada empfehlen könnte. Grether übernahm diese Aufgabe und arbeitete bei den Berechnungen für die knapp einen Kilometer lange Québec-Brücke mit und war als assistant engineerThe Montreal Daily Witness vom 4. Februar 1911, S. 12 McGill Notes bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs auch am Bau beteiligt. Während seines Aufenthalts in Kanada gab Grether an der Hochschule von Montreal auch Kurse in Statik und Brückenbau.The Montreal Daily Witness vom 4. Februar 1911, S. 12 McGill Notes

Im August 1914 heuerte Grether auf einem griechischen Frachter an, der in Hamburg anlegte, wo er das Schiff verließ und sich zum Militär meldete.Joseph E. Mayer: The way it was. In: Ann. Rev. Phys. Chem. 1982.33:1-23, S. 3 PDF Er wurde alsbald zum Großen Hauptquartier versetzt und arbeitete in der von Fritz Haber geleiteten Abteilung „Versuche und Erfindungen“,Fred Ludwig Sepaintner: Hans Grether. In: Badische Biographien NF 4 (1996), 106–108 wiedergegeben auf LeoBW die sich mit der Entwicklung von Giftgas befasste. Grether erlitt bei Versuchen mit Gasmasken eine schwere Gasvergiftung und litt seitdem unter Herzbeschwerden.

1919 emigrierte Grether nach Argentinien und von dort 1921 nach Bolivien. Der bolivianische Präsident Baudista Saavedra hatte ihm die Leitung der Eisenbahn-Studienkommission übertragen. Bolivien wollte eine Bahnverbindung von Cochabamba in den Anden nach Santa Cruz de la Sierra im östlichen Tiefland bauen, um das Land zu erschließen. „Die Schwierigkeiten für die vorgesehene Bahntrasse waren immens, galt es doch, die Anden mit ihren über 4000 Meter hohen Pässen zu überwinden.“ Grether ließ sich in Cochabamba nieder und unternahm „drei mehrmonatige Erkundungsexpeditionen zur Erforschung und Vermessung des Landes.“ 1925 legte er einen umfangreichen „‚Generalerschließungsplan‘ für Bolivien durch Bahn-, Straßen- und Wasserwegebau.“ vor und organisierte in New York auch die Finanzierung. Grethers Pläne wurden durch den deutschstämmigen bolivianischen Kriegsminister Hans Kundt gefördert. Gleichwohl wurde die von ihm projektierte Bahn bis heute nicht realisiert. Lediglich eine kurze Teilstrecke wurde in Betrieb genommen, aber die geplante Trasse wurde für den Bau einer Straße verwendet.

Die deutsche Gemeinde in Bolivien sicherte 1925 unter dem maßgeblichen Einfluss von Hans Grether die Finanzierung der ersten Junkers F 13 der neu gegründeten Fluggesellschaft Lloyd Aéreo Boliviano, die die Verbindung zwischen Cochabamba und Santa Cruz anbot – die Strecke für die Grether auch die Eisenbahnlinie plante.Bolivia, su historia, TOMO V, Gestación y emergencia del nacionalismo 1920–1952, S. 165 PDF

Die Republik Bolivien ehrte Grether nach dessen Tod mit einer dreitägigen Landestrauer.Ein verdienter Badener. In: Karlsruher Tagblatt (Morgenausgabe) vom 11. November 1925, S. 5

Gedenken Das kleine bolivianische Dorf Puerto Grether wurde nach ihm benannt. In Santa Cruz de la Sierra ist die Calle Hans Grether (Hans-Grether-Straße) nach ihm benannt.

Werke Über Potentialbewegung tropfbarer Flüssigkeiten in gekrümmten Kanälen. Dissertation TH Karlsruhe 1908, Berlin 1909. BLB Karlsruhe

Literatur Volker G. Scheer: Dr.-Ing. Hans Grether. Zum 100. Todestag. In: Stadtbuch Lörrach 2025, S. 44–47 Hermann Vortisch: Zum Gedächtnis an Dr. H. Grether, Morstadt, Kehl, 1926 Hermann Vortisch: H. Grether Ein dt. Kulturpionier in Bolivien 1880–1925. In: Mein Heimatland, 22 Jg., 1935, S. 213–214 José Luis Roca, Fisonomía del Regionalismo Boliviano, 1980, 188 ff.; PDF Sophie Grether-Grether: Hans Grether zum Gedächtnis In: Unser Lörrach. 13. Jg., 1982, S. 134–145

Siehe auch Schienenverkehr in Bolivien#Ostbahn

Weblinks

Hans Grether auf Find a grave.

Einzelnachweise

Kategorie:Brückenbau-Ingenieur Kategorie:Person (Landkreis Lörrach) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1925 Kategorie:Mann