mini|Josip Vancaš, um 1900

Josip Vancaš (* 22. März 1859 in Sopron; † 15. Dezember 1932 in Zagreb) war ein österreich-ungarischer Architekt, der viele Gebäude in Sarajevo und im sonstigen Bosnien und Herzegowina entwarf. Er zeichnete insgesamt 240 Baupläne, von denen die meisten verwirklicht wurden. Verwirklicht wurden 70 Kirchen, 10 Regierungs- und Gemeindegebäude, 12 Schulen, 6 Kaffeehäuser und Hotels, 10 Banken, 102 Miet- und Privathäuser, 6 Fabriken, 7 Altare und Inneneinrichtungen und 10 Umbauten und Adaptionen. Oberhalb des Veliki Park im Zentrum von Sarajevo gibt es eine Straße die seinen Namen trägt.

Leben Josip Vancaš wurde in der ungarischen Stadt Sopron geboren, wo sein Vater als Postbote arbeitete. Später bekam sein Vater eine Stelle in Zagreb, also zogen sie dorthin. In Zagreb schloss Josip Vancaš 1876 das Gymnasium ab.

Studium Er schloss die Technische Universität in Wien in der Abteilung Architektur 1881 ab. Anschließend arbeitete er im Atelier von F. Fellner und H. Helmer als Bühnenzeichner für verschiedene Theater, darunter auch für das Kroatische Nationaltheater in Zagreb. In diesem Atelier orientierte sich Vancaš am Renaissancestil, den er später in Sarajevo anwenden sollte. Während er auf eine feste Anstellung wartete, trat Vancaš im Oktober 1882 in die Architekturabteilung der Akademie der Bildenden Künste ein, wo er sich dem Studium der Gotik bei Friedrich von Schmidt widmete.

Wirken in Bosnien und Herzegowina und Kroatien Auf Empfehlung und Einladung der bosnischen Regierung kam er 1884 nach Sarajevo, wo er als Regierungsarchitekt tätig war und unter anderem die Kathedrale von Sarajevo entwarf. 1890 erhielt er die Zulassung als Bauarchitekt und eröffnete sein eigenes Büro. Für seine Entwürfe des Nationalregierungsgebäudes (heute das Präsidentschaftsgebäude von Bosnien und Herzegowina) und der Kathedrale von Sarajevo erhielt Vancaš von Franz Joseph I. die Rittermedaille vom Kreuz und 1898 von Papst Leo XIII. die St.-Georges-Medaille. Er stellte seine Werke auf den Weltausstellungen in Budapest (1896), Wien (1898) und Paris (1900) aus. 1921 kehrte er nach Zagreb zurück, wo er in verschiedenen Komitees und Kommissionen mitwirkte, für Zagreber Zeitungen schrieb und öffentliche Vorträge hielt.

Kreieren des Bosnischen Stils Vancaš studierte die bosnische Volksarchitektur und bemühte sich, deren charakteristische Elemente in seine Entwürfe einfließen zu lassen, um einen einzigartigen „bosnischen Stil“ zu schaffen. Bereits in seinen frühen Werken bevorzugte Vancaš den Neo-maurischen Stil, woraus sich eine spezifische Architekturform entwickelte, der sogenannte „bosnische Stil“ der die frühe Moderne in Bosnien und Herzegowina repräsentierte. Als Abgeordneter in der bosnisch-herzegowischen Nationalversammlung legte er 1911 die Resolution zum Schutz der Kulturdenkmäler in Bosnien und Herzegowina vor, in der er erstmals den Begriff „bosnischer Stil“ definierte. Diese Resolution zielte auf den Schutz und die Aufwertung des architektonischen Erbes sowie auf besondere Vergünstigungen und Steuererleichterungen für alle Neubauten in diesem Stil ab.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt Kategorie:Person (Österreich-Ungarn) Kategorie:Geboren 1859 Kategorie:Gestorben 1932 Kategorie:Mann