Andreas Michel (* 1955 in Wurzen) ist ein deutscher Musikwissenschaftler.
Leben und Wirken Andreas Michel studierte von 1977 bis 1983 Musikwissenschaft, Kulturtheorie und Ästhetik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig, unter anderem bei Hans Grüß (1929–2001), Winfried Schrammek (1929–2017) und Werner Wolf (1925–2019). Zusatzstudien zur Musikethnologie erfolgten später in Berlin bei Doris Stockmann (1929–2006) und Erich Stockmann (1926–2003) sowie an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Bratislava bei Oskár Elschek (1931–2026).
Von 1985 bis 1993 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Musikwissenschaften/Musikethnologie des Instituts für Ästhetik und Kunstwissenschaften der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin. Hier wurde er 1989 bei Erich Stockmann mit der Dissertationsschrift „Die Geschichte der Zister in Deutschland“ zum Dr. phil. promoviert.
1994 wechselte er an das Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig, wo er bis zum Jahr 2000 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Hier beschäftigte er sich insbesondere mit Gitarren, Zithern und Zistern.
2000 erhielt er eine Professur für Instrumentenkunde an der Westsächsischen Hochschule Zwickau, die in Markneukirchen den Studiengang Musikinstrumentenbau betreibt, den er bis zum Renteneintritt 2022 leitete.
Er arbeitete ferner in Studiengruppen des International Council for Traditional Music sowie des 1998 am Musikinstrumentenmuseum Leipzig gegründeten Instituts für Musikinstrumentenforschung Georg Kinsky e.V. und schrieb zahlreiche Arbeiten zur Musikgeschichte und der Musikinstrumentenkunde einschließlich der Ethnoorganologie sowie zur Kultur- und Musikgeschichte. Er veröffentlichte in MGG, Grove, Neues Handbuch der Musikwissenschaft und der Encyclopaedia of tablature. Er ist Editor der Website STUDIA INSTRUMENTORUM MUSICAE.
Von 2011 bis 2023 war er Vorsitzender des Fördervereins für die Restaurierung und Pflege der Barock-Orgel in der Kirche zu Klinga e. V.
Ausstellungen Andreas Michel war Kurator der folgenden Ausstellungen: Leipzig 1996: Zithern – Musikinstrumente zwischen Volkskultur und Bürgerlichkeit Herne 1997: Zistern und Gitarren Markneukirchen 2005: Christian Friedrich Martin und der frühe vogtländische Gitarrenbau 1800–1833 Suhl 2010: Musikinstrumentensammlung Herbert Grünwald Lichtenwalde 2015: Musikinstrumentenbau als Hochschulstudium. Kunst – Handwerk – Wissenschaft
Publikationen (Auswahl) Editionen Studia instrumentorum musicae popularis, Band XI, hrsg. von Birgit Kjellström, Erich Stockmann und Andreas Michel, Stockholm 1995 und Studia instrumentorum musicae popularis, Band XII, hrsg. von Eszter Fontana, Erich Stockmann und Andreas Michel, Leipzig 2004 Hans Grüß. Ansichtssachen. Notate, Aufsätze, Collagen, hrsg. von Thomas Schinköth, Hans-Joachim Schulze und Andreas Michel, Altenburg 1999 Gitarren von Richard Jacob „Weißgerber“. Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig. Katalog. Leipzig 2007 (mit Beiträgen von Anabelle Kießig, Eberhard Meinel, Thomas Ochs, Heidi von Rüden und Angela Waltner) Die Orgel in der Kirche zu Klinga. Festschrift zur Wiederweihe 2021; hrsg. von Andreas Michel, mit Beiträgen von Klaus Gernhardt, Horst Hodick, Andreas Michel, Frank Peiter, Reinhard Schäbitz und Tobias Haase, Parthenstein 2021
Monografien und Artikel Das »Tielke-Modell« von Richard Jacob Weißgerber. Historisierender Gitarrenbau im frühen 20. Jahrhundert. In: Hinter den Tönen. Musikinstrumente als Forschungsgebiet. Festschrift für Friedemann Hellwig zu seinem 80. Geburtstag, Nürnberg 2018, S. 73–85; sowie in: Friedemann und Barbara Hellwig: Joachim Tielke. Neue Funde zu Werk und Wirkung, München 2020, S. 58–71 Zur Frühgeschichte des Gitarrenbaus in Sachsen und Thüringen: Eine fünfsaitige Gitarre von Jacob August Otto aus dem Jahre 1795. In: Ya’qub Yonas N. El-Khaled, Enrico Weller, Hannes Vereecke (Hrsg.): Musikinstrumentenbau zwischen Tradition und Innovation: Perspektiven aus Theorie und Praxis, Markneukirchen 2024, S. 32–49 Innovation auf dem Kontinent: Das »Klein Englisch Citherlein«. In: Monika Lustig & Ute Omonsky (Hrsg.): Michael Praetorius: Innovationen – Traditionen – Theatrum Instrumentorum, Michaelstein 2025, S. 307–324 (= Michaelsteiner Konferenzberichte 89) Gitarren in Sachsen und Thüringen bis 1850. Quellen · Dokumentationen · Kommentare. Leipzig 2018, ²2020 Andreas Michel & Philipp Neumann: Gitarren. 17. bis 19. Jahrhundert. Musikinstrumenten-Museum der Universität Leipzig. Katalog, Leipzig 2015 Changes in Central European Concepts of Folk Musical Instruments: Industrially Produced Zithers Without Fingerboards. In: the world of music, Vol. 39/3 (1997), 71–90 The Development of Ethnomusicology in the GDR – An Overview. In: Yearbook for Traditional Music XIX (1987), 171–186 Publications and Activities of the ICTM Study Group on Folk Musical Instruments. In: Yearbook for Traditional Music XXIII (1991), p. 172–181; Neudruck in: Studia instrumentorum musicae popularis X (1992), 140–144 Die Theorbenzistern von Andreas Ernst Kram. In: Dieter Krickeberg (Hrsg.): Der „schöne“ Klang. Studien zum historischen Musikinstrumentenbau in Deutschland und Japan unter besonderer Berücksichtigung des alten Nürnberg. Nürnberg 1996, 83–98 Zistern. Europäische Zupfinstrumente von der Renaissance bis zum Historismus. Katalog. Musikinstrumenten-Museum der Universität Leipzig. Leipzig 1999 Fritz Mehnert (1891–1932) – Maler und Grafiker in Klinga, hrsg. vom Förderverein für die Restaurierung und Pflege der Barock-Orgel in der Kirche zu Klinga e.V., Parthenstein 2025, 3., erweiterte Auflage (Digitalisat)
Weblinks
Andreas Michel, S. 187 in: Gitarren in Sachsen und Thüringen bis 1850 (Digitalisat)
Einzelnachweise
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