Wilhelm IV. de Provence (um 1150 – 1209) war Graf von Forcalquier (Wilhelm II.). Er war Sohn Graf Bertrands I. von Forcalquier und dessen Ehefrau Josserande de Flotte.

Leben Zwischen 1149 und 1151 trat er gemeinsam mit seinem Bruder Bertrand die Nachfolge seines Vaters an. Während ihrer Herrschaft gerieten sie in Konflikt mit König Alfons II. von Aragon (als Alfons I. Graf von Provence), der seinen Einfluss in seiner Grafschaft nach Norden ausdehnen wollte.

1162 erwirkte der aragonesische König beim römisch-deutschen Kaiser, Friedrich Barbarossa, ein Urteil gegen Wilhelm, da dieser den Lehnseid nicht geleistet hatte. Am 12. Dezember 1164 wurde diese Entscheidung aufgehoben, nachdem Wilhelm in feierlicher Form in Roveredo erschienen war. Ein kaiserliches Diplom erkannte ihn daraufhin als unmittelbaren Vasallen des Kaisers an. Dadurch konnte er die Unterwerfungsforderungen Alfons’ zurückweisen.

1177 oder 1178 überschritt Alfons die Durance und trat damit auf das Herrschaftsgebiet Wilhelms. Der König nahm Pertuis ein, überquerte den Luberon bei Montfuron und belagerte Forcalquier. Erst ein kirchliches Schiedsverfahren beendete die Feindseligkeiten. Der Unterwerfungsvertrag wurde in Sault geschlossen. Guillaume verzichtete dabei auf die Unterstützung seines Lehnsherrn, Friedrich, der sich 1178 in Arles zum König von Burgund krönen ließ und sich auf der Durchreise in Gap befand.

1181 leistete Wilhelm dem Bruder Alfons’ II., Prinz Sancho von Aragon, der mit der Verwaltung der Provence betraut worden war, den Lehenseid. 1183 unterstützte er diesen bei dessen Auflehnung gegen den aragonesischen König; nach der Niederlage und Absetzung Sanchos im Jahr 1185 blieb dies für Guillaume ohne Folgen.

Familie und Nachfolge Der Name der Ehefrau Wilhelms ist in den zeitgenössischen Quellen nicht überliefert. In der Forschung werden daher verschiedene Namen genannt. Die meisten Genealogen vermuten Adelheid (Azalais) von Béziers, andere nennen deren Schwester Cécile. Aus seiner Ehe ging jedenfalls lediglich einzig die Tochter Garsenda hervor. Da diese aber vor ihm, im Jahre 1193, verstorben ist, schwankte er über etwa ein Jahrzehnt hinweg mehrfach in der Regelung seiner Nachfolge.

1191 schloss er zunächst einen Erb- und Beistandsvertrag mit Raymond V. von Toulouse, der vorsah, dass beim Tod eines Vertragspartners ohne Erben dessen Besitz an den anderen fallen sollte. Im Juli 1193 unterzeichnete er jedoch zwei neue Verträge:

Der erste regelte die Heirat seiner Enkelin Garsende de Provence mit dem Sohn des aragonesischen Königs Alfons II.

Der zweite war ein Militärbündnis; als Sicherheit überließ Wilhelm die Burgen Aubignosc, Montjustin und Vitrolles zeitweise ausgewählten Rittern.

Zudem wurde festgelegt, dass die Grafschaft Forcalquier nach seinem Tod an Alfons fallen sollte, mit Ausnahme mehrerer Burgen, die seinen eigenen Erben vorbehalten blieben. 1195 schloss er jedoch ein neues Abkommen mit Raymond VI. von Toulouse, das frühere Vereinbarungen aufhob, die Besitzgrenzen klar regelte und die bisherige Mitverwaltung beendete.

Nach dem Tod König Alfons’ nutzte Wilhelm die Minderjährigkeit dessen Nachfolgers, um frühere Unterwerfungsakte für nichtig zu erklären. Auf den Stufen von Notre-Dame de Forcalquier verkündete er unter Berufung auf das kaiserliche Privileg von 1174 seine Unabhängigkeit. Im Bündnis mit den Herren von Les Baux, den Grafen von Toulouse, den Fürsten von Orange und den Vicomte von Marseille eröffnete er erneut die Feindseligkeiten und verheerte 1199 provencalisches Gebiet um Aix; die Einnahme der Stadt misslang jedoch.

1202 verbündete er sich mit Guigues VI. de Viennois, dem er seine Enkelin zur Frau gab und die Grafschaften Gap und Embrun – den nördlichen Teil seines Herrschaftsgebiets bis zur Brücke von Sisteron – überließ. Die strategisch wichtige Stadt Sisteron wurde jedoch im selben Jahr von Alfons II. eingenommen.

Während eines Waffenstillstands verkündeten Wilhelm und sein Gegner 1203 gemeinsam einen „Gottesfrieden“, der Kirchen, Geistliche, kirchlichen Besitz sowie geistliche Orden unter Schutz stellte. Nach erneuten Niederlagen gegen die Katalanen mussten er sich und sein Bruder schließlich unterwerfen.

Wilhelm starb 1209, zwei Jahre nach seinem Bruder Bertrand. Seine Nachfolgerin wurde seine Enkelin Garsenda von Sabran, die durch die Ehe mit Alfons II. auch Gräfin der Provence war.

Literatur Jean-Bernard Elzière, « Notes sur les coseigneurs de la cité d'Uzès au Moyen Âge », Congrès archéologiques de France, Derache (Paris) A. Hardel (Caen), 1999, S. 429f (online auf [archive]) (lire en ligne [archive] sur Gallica). Florian Mazel, La noblesse et l'Église en Provence fin Xe - début XIVe siècle, Paris, CTHS, 2002, 803 p. ( ISBN 978-2-7355-0503-6, LCCN 2005397122). Mariacristina Varano (thèse soutenue à l'université d'Aix-Marseille I), Espace religieux et espace politique en pays provençal au Moyen Âge (IXe-XIIIe siècles). L'exemple de Forcalquier et de sa région, 2011, S. 454–474. Guy de Tournadre, Histoire du comté de Forcalquier (XIIe siècle), Paris, éd. Aug. Picard, 1930, S. 250ff Paul Fournier, Il regno di Borgogna o d'Arles dall'XI al XV secolo, in «Storia del mondo medievale», Bd. VII, 1999, S. 383–410

Einzelnachweise

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