Das KZ-Außenlager Passau I, auch KZ Passau Oberilzmühle, war ein KZ-Außenlager. Es lag etwa fünf Kilometer nördlich von Passau und war zunächst vom 19. Oktober 1942 bis zum 19. November 1942 ein Außenlager des KZ Dachau und anschließend vom 20. November 1942 bis zum 2. Mai 1945 ein Außenlager des KZ Mauthausen. Etwa 70 Inhaftierte wurden als Zwangsarbeiter beim Bau eines Unterwasserkraftwerkes am Stausee Oberilzmühle eingesetzt.

Entstehung 1939 kaufte die Stadt Passau die Oberilzmühle, damals ein Gutshof mit Sägemühle, um ein Wasserkraftwerk zur Ergänzung des bereits bestehenden Ilzkraftwerks zu bauen. Im Mai 1942 musste die Stadt den Bau an die „Arno‐Fischer‐Forschungsstätte“ abtreten, die ein vor Luftangriffen geschütztes Unterwasserkraftwerk unter Leitung von Arno Fischer errichten wollte. Das Lager befand sich etwa fünf Kilometer nördlich von Passau an der Ilz, der genaue Standort ist nicht mehr rekonstruierbar. Auf dem Holztrocknungsplatz des Sägewerks wurde eine rund 200 Quadratmeter große Wohnbaracke errichtet.

Im Oktober 1942 wurden etwa 40 politische und religiös verfolgte Häftlinge aus dem KZ Dachau nach Oberilzmühle gebracht und in einer 45 Quadratmeter großen früheren Lkw-Garage untergebracht. 1943 wurden sie durch 70 bis 80 Gefangenen aus dem KZ Mauthausen ersetzt. Die Inhaftierten stammten hauptsächlich aus Polen, aber auch aus Österreich, Spanien, der Tschechoslowakei, Deutschland und der Sowjetunion. Im September 1944 befanden sich etwa 70 männliche Gefangene im Lager. Im Februar 1945 wurden 50 Häftlinge wieder ins KZ Mauthausen überstellt.

Lebens- und Arbeitsbedingungen Einige Häftlinge wurden im Sägewerk Oberilzmühle und zu allgemeinen Aufräumungsarbeiten nach alliierten Bombardements sowie zur Beseitigung von Bomben-Blindgängern eingesetzt. Die überwiegende Mehrheit musste auf der Baustelle des Unterwasserkraftwerks arbeiten. Nachdem im Februar 1945 der Großteil der Häftlinge (etwa 50 Personen) nach Mauthausen überstellt worden war, wurden die verbliebenen 20 Häftlinge bis zum Kriegsende für Montagearbeiten und zur Wartung bereits errichteter Anlagen eingesetzt. Nach Zeitzeugenberichten versorgten einige Anwohner die Gefangenen heimlich mit Essen, obwohl dies verboten war und streng bestraft wurde. Außerdem wurden mit Wissen des Hofverwalters Kartoffeln ins Lager geschmuggelt und Getreide bei vorgetäuschten Dachreparaturen in den Kamin geschaufelt, wo es von den Inhaftierten herausgeholt und zu Schrot vermahlen wurde.

Wachmannschaft Die Wachmannschaft bestand aus sieben bis 14 SS-Angehörigen, darunter sogenannte „Volksdeutsche“. Lagerführer war SS-Hauptsturmführer Wilhelm Werner, der nachweislich den Sänitäter Biermann erschoss, weil er sich einer Frau genähert haben soll. Werner wurde nach Kriegsende von einem US-Militärgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt. Schwere körperliche Misshandlungen der Inhaftierten waren an der Tagesordnung, drei polnische Gefangene wurden bei einem Fluchtversuch erschossen.

Lagerräumung und Gedenken Im April 1945 sollten auf Befehl des Stammlagers Mauthausen alle Lagerinsassen ermordet werden, der Befehl erreichte den Lagerführer Werner aber nicht, sondern wurde von Arno Fischer verschwiegen. Am 2. Mai 1945 wurde das Lager von US-Truppen befreit und der Lagerführer Werner festgenommen. Nach dem Krieg wurde das nicht vollendete Unterwasserkraftwerk von 1951 bis 1955 zu einem konventionellen Flusskraftwerk umgebaut und ist seit 1953 in Betrieb.

Nach der Befreiung errichteten fünf ehemalige polnische Gefangene ein Kreuz aus Eichenbohlen. Dies wurde beim Bau des neuen Kraftwerks entfernt und das Lager nach und nach abgerissen. 1979 initiierte der Gemeinderat Sepp Kufner unter Schwierigkeiten die Errichtung eines Denkmals, das vom SPD-Ortsverein Salzweg-Straßkirchen, der Gemeinde und privaten Spendern finanziert und am 15. Oktober 1983 in Anwesenheit der ehemaligen Häftlinge Johann Kunej aus Landskron und Karl Klemm aus Nürnberg eingeweiht wurde. Das Denkmal aus naturbelassenem Granitstein des Künstlers Karl Mader befindet sich am Rande des Parkplatzes unterhalb der Wehrmauer vor dem Kraftwerk Oberilzmühle und trägt die Aufschrift:

Den Opfern des KZ Außenlagers Mauthausen-Oberilzmühle 1942–45. Errichtet 1983. SPD OV. Salzweg.

Aus dem Stein ragen vier waagerecht verbundene handgeschmiedete Eisenstäbe, welche die Form eines Gitters und eines Kreuzes ergeben. Die Eisenkreuze wurden von der Firma Juhass in Willhartsberg gefertigt.

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

Passau I Passau I Passau I Passau I