Das Wasserviertel ist ein Stadtviertel innerhalb des Duisburger Stadtteils Altstadt im Stadtbezirk Mitte. Das Viertel gehört nicht zu den offiziell benannten Vierteln Duisburgs, sondern wird verwaltungstechnisch lediglich als Wohnlage begriffen.

Geografische Lage Das Gebiet, auf dem sich heute das Wasserviertel befindet, gehörte im 19. Jahrhundert zum Überschwemmungsgebiet der Ruhr. Erst infolge des Hafenausbaus in den 1890er Jahren und den damit verbundenen Hochwasserschutzmaßnahmen war die Bebauung des Areals möglich. Das Wasserviertel erstreckt sich im Norden vom Innenhafen bzw. dem hier verlaufenden Philosophenweg aus in Richtung Süden und endet hinter dem König-Heinrich-Platz.

Im Westen schließt sich der Stadtteil Altstadt im Westen des Pulverweges an. Allerdings wird heute auch das Gebiet zwischen Junkernstraße und Köhnenstraße zum Wasserviertel gezählt. Die östliche Begrenzung bildet der Verlauf der Bundesautobahn 59. Diese trennt das Gebiet vom weiter östlich gelegenen Duissern. Die Kardinal-Galen-Straße mit dem Schillerplatz verläuft in Ost-West-Richtung durch das Wasserviertel und teilt dieses in einen nördlichen und einen südlichen Teil.Harald Küst: Das Ende der Welt auf dem Schillerplatz, Kultur- und Stadthistorisches Museum (2026), abgerufen am 27. Februar 2026. Das Kerngebiet des Viertels wird außerdem von Straßen dominiert, deren Namen an deutsche Flüsse (Erftstraße, Fuldastraße, Lahnstraße, Lippestraße, Mainstraße, Moselstraße, Nahestraße, Neckarstraße, Siegstraße, Werrastraße und Wupperstraße) erinnern.Marius Lange: Das „Wasserviertel“ – Bürgerliches Wohnen im Herzen der Stadt. In: Zeitlupe 2026. Duisburg 2026. S. 14.

Geschichte Das bebaute Gebiet der Stadt Duisburg beschränkte sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich auf die Altstadt. Erst im Zuge der einsetzenden Industrialisierung explodierte die Bevölkerung. Zunächst wurde das spätere Dellviertel besiedelt. Das Wasserviertel blieb bis in die 1890er Jahre unbebaut, weil die Hochwasserzone der Ruhr eine einfache Besiedlung unmöglich machte. Vor dem Ersten Weltkrieg war der Teil nördlich der heutigen Kardinal-Galen-Straße weitgehend bebaut.Harald Küst: Stadtgeschichte zu Fuß im Wasserviertel, RP (2023), abgerufen am 27. Februar 2026. mini|Kardinal-von-Galen Str. 2–4, 1921 Besondere Bedeutung für die bauliche Erschließung des Wasserviertels hat die Duisserner Bauernfamilie Hitzbleck. Karl Hitzbleck gründete im Jahr 1897 ein Baugeschäft und ließ die Angerstraße auf einem hochwasserfreien Damm errichten. Er verkaufte noch unbebaute Grundstücke, die die Eigentümer dann individuell bebauen konnten. Dagegen errichtete die Baufirma der Metzgerswitwe Margarethe Doerth und ihres Schwiegersohns Gottfried Strässer im östlichen Teil des Viertels erst die Häuser und ließ dann Mieter einziehen.Martin Kleinwächter: Die Geschichte des Wasserviertels mit tollen alten Bildern, WAZ (2025), abgerufen am 27. Februar 2026.

Im Süden des Wasserviertel konzentrierte sich die Bebauung zunächst auf das Areal der südwestlichen Fuldastraße, der nordöstlichen Neckarstraße und entlang der Mainstraße. Die Baulücken verschwanden vor allem in der Zeit der Weimarer Republik, wobei die steigenden Mietpreise in dem Areal die Bebauung verzögerten. Die letzten Grundstücke in der Fuldastraße wurden erst nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in den Jahren 1936/1937 bebaut.

Das Wasserviertel war bereits zu diesem Zeitpunkt als „herrschaftliche“ Wohngegend bekannt. Hier wohnten vor allem Personen aus dem gehobenen Bürgertum, leitende Beamte und Angestellte, Juristen, Kaufleute und Professoren. Daneben spielte das Gebiet für die Musiker des Städtischen Orchesters eine gewisse Rolle. Das Gebiet wurde früh auch von jüdischen Duisburgern besiedelt. Die Synagoge befand sich seit 1875 an der Junkernstraße, sodass auch der Rabbiner Manass Neumark Bewohner des Wasserviertels war.

Das Wasserviertel erhielt während des Zweiten Weltkriegs an der Ecke Moselstraße/Fuldastraße einen Hochbunker. Viele Gebäude wurden durch Bombenangriffe beschädigt, nach dem Krieg aber wieder hergestellt. Deshalb finden sich hier noch heute vergleichsweise viele Häuser des Historismus und des Jugendstils.Marius Lange: Das „Wasserviertel“ – Bürgerliches Wohnen im Herzen der Stadt. In: Zeitlupe 2026. Duisburg 2026. S. 15. Das Wasserviertel wird heute nicht als eigene statistische Größe geführt, sondern ist Teil der Altstadt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Bauten des Landfermann-Gymnasiums Das Wasserviertel ist noch heute für seine homogene, historische Bebauung bekannt. Größere und repräsentativere Bauten in öffentlicher Hand befinden sich jedoch lediglich am südlichen Rand des Areals. So ragt das Stadttheater, dessen Haupteingang sich am König-Heinrich-Platz und damit im Dellviertel befindet, in das Gebiet herein. Ebenso sind die beiden, das Theater rahmenden Bauten hier zu finden: Das Stadthaus und das Hotel Duisburger Hof wurden beide in den 1920er Jahren errichtet und greifen in ihrem Erscheinungsbild die Formen des Expressionismus auf. → siehe auch: Theater Duisburg, Stadthaus (Duisburg) und Hotel Duisburger Hof

Mit dem Landfermann-Gymnasium in der Mainstraße 10 ist im Wasserviertel außerdem eine der ältesten Schulen Deutschlands zu finden. Diese Schule geht auf das 13. Jahrhundert zurück, sie war allerdings bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in der Altstadt angesiedelt. Im Jahr 1909 wurde der Neorenaissancebau mit den markanten Schweifgiebeln eingeweiht. Heute besitzt die Schule ein humanistisches Profil. Hier werden alte und neue Sprachen, individuelle Begabungsförderung und Persönlichkeitsentwicklung sowie Informatik im MINT-Bereich unterrichtet. → siehe auch: Landfermann-Gymnasium

Bei den denkmalgeschützten Bauwerken im Wasserviertel handelt es sich zumeist um Bauten des Historismus. Immer wieder stößt man auf Häuser, die von berühmten Architekten wie Gustav von Cube und Arthur Buchloh geschaffen wurden, darunter das Haus Kardinal-Galen-Straße 2–4. Dagegen hat der sogenannte Rosenhof in der Mainstraße keinen Denkmalstatus: Der viergeschossige Bau wurde 1937 fertiggestellt und greift die sachliche Schlichtheit der von den Nationalsozialisten geforderten „neuen Stadt“ in seinem Erscheinungsbild auf.Marius Lange: Der „Rosenhof“ – „In der Stadt und doch im Grünen“. In: Zeitlupe 2026. Duisburg 2026. S. 16.

Literatur Marius Lange: Das „Wasserviertel“ – Bürgerliches Wohnen im Herzen der Stadt. In: Zeitlupe 2026. Duisburg 2026. S. 14 f.

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Einzelnachweise

Kategorie:Altstadt (Duisburg) Kategorie:Stadtteil von Duisburg Kategorie:Bauensemble in Europa