mini|Das Musée de la Ville de Bruxelles/Museum van de Stad Brussel im Maison du Roi/Broodhuis Das Musée de la Ville de Bruxelles (niederländisch Museum van de Stad Brussel) ist ein städtisches Museum am Grand-Place in Brüssel, Belgien. Es widmet sich der Geschichte und dem Volksleben der Stadt von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Es befindet sich auf der Nordseite des Platzes, gegenüber dem Rathaus der Stadt, im Maison du Roi (Königshaus), das auf Niederländisch Broodhuis (Brothaus) heißt.

Geschichte Die Idee zur Gründung eines städtischen Museums entstand im Jahr 1860, als es Jules Anspach gelang, die Stadtbehörden davon zu überzeugen, das damals vernachlässigte Maison du Roi zu erwerben. Auf Initiative von Karel Buls, dem Bürgermeister, und Alphonse Wauters, dem Stadtarchivar, wurde schließlich das erste städtische Museum geschaffen, das am 12. Juni 1887 offiziell eröffnet wurde. Es war zunächst im zweiten Obergeschoss der Maison du Roi untergebracht. Ab 1928 standen dem Museum die Räumlichkeiten des gesamten Gebäudes zur Verfügung. Nach umfangreichen Umbauarbeiten wurden diese anlässlich der Brüsseler Weltausstellung 1935 wiedereröffnet. Am 9. März 1936 wurde das Gebäude zusammen mit dem Rathaus als eines der ersten in Belgien in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1998 gehört es als Teil des Grand-Place zum UNESCO-Welterbe.

Architektur Das Gebäude gilt als eines der bedeutendsten neogotischen Bauwerke Belgiens. Seine Geschichte reicht bis ins frühe 15. Jahrhundert zurück: An dieser Stelle stand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein hölzernes Gebäude, das als Brotmarkt diente. Es wurde 1405 durch einen Steinbau ersetzt. Unter Herzog Johann IV. von Brabant begann zu Beginn des 15. Jahrhunderts die zunehmend administrative Nutzung des Gebäudes. Als das Herzogtum an die Habsburger fiel, wurde das Herzogshaus zum Königshaus umbenannt. Unter Kaiser Karl V., der von 1506 bis 1555 Herzog von Brabant und von 1516 bis 1558 König von Spanien war, wurde das Gebäude von 1515 bis 1536 durch den Hofarchitekten Antoon I. Keldermans im spätgotischen Stil vollständig erneuert. Den Namen Königshaus trägt es seither, obwohl nie ein König dort residierte. Der niederländische Name „Broodhuis“ (Brotmarkt) erinnert hingegen an den Brotmarkt, der durch das Gebäude ersetzt wurde. Im Jahr 1568 wurden Lamoral, Graf von Egmont, und Philipp de Montmorency, Graf von Hoorn, vor dem Gebäude hingerichtet. Das Gebäude erlitt seine erste schwere Beschädigung während der Bombardierung Brüssels durch die französische Armee unter Marschall François de Neufville, Herzog von Villeroy, in der Nacht vom 13. auf den 14. August 1695. mini|Anonymer Künstler: Die Bombardierung des Grand Place in der Nacht vom 13. auf den 14. August 1695, Gebäude in Flammen Danach wurde es im Jahr 1697 durch den Architekten Jan Cosijn notdürftig wiederhergestellt. Eine zweite, gründlichere Restaurierung fand 1767 statt, bei der das Gebäude ein neoklassizistisches Portal und ein großes, mit drei Ochsenaugen durchbrochenes Dach erhielt. Die Heiligenstatuen wurden durch einen Kaiseradler und einen heraldischen Löwen ersetzt. Die Brunnenanlage mit den Bildnissen der Grafen Egmont und Horn wurde bei dieser Gelegenheit entfernt und später in den Square du Petit Sablon versetzt. Seit 1911 erinnern Gedenkplatten in Französisch und Niederländisch auf beiden Seiten des Eingangs an die ehemalige Hinrichtungsstätte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Gebäude erneut in schlechtem Zustand. Im Jahr 1860 erwarb die Stadt Brüssel das Gebäude und beauftragte 1873 den Architekten Pierre-Victor Jamaer mit dem Abbruch und Wiederaufbau. Da eine Restaurierung des Originalbestands nicht möglich war, entschied man sich für einen kompletten Neubau, der das Gebäude in einem idealisierten Zustand zeigen sollte, wie es sich die Architekten zu Beginn des 16. Jahrhunderts vorgestellt hatten. Jamaer orientierte sich dabei stilistisch am Rathaus von Oudenaarde aus dem frühen 16. Jahrhundert sowie an seinem Mentor Eugène Viollet-le-Duc. Er fügte dem Neubau zwei Galerien und einen zentralen Glockenturm hinzu und schmückte die Fassade mit zahlreichen historischen Skulpturen. An der Rückseite ergänzte er einen nüchterneren Flügel im flämischen Neorenaissancestil. Die Bauarbeiten dauerten von 1874 bis 1896, die offizielle Einweihung des neuen Königshauses fand im Jahr 1896 statt. Der Neubau gilt als eines der vollkommensten Beispiele neugotischer Architektur in Belgien des 19. Jahrhunderts.

Sammlung Das Museum beherbergt mehr als 7000 Objekte, die die Geschichte und das Volksleben Brüssels vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert dokumentieren. Die Sammlung umfasst Gemälde, Skulpturen, Wandteppiche, Altarwerke, Kupferstiche, Fotografien, Stadtmodelle, Porzellan, Zinngeschirr, Silberwaren, archäologische Objekte und Stadtpläne. Im Erdgeschoss werden Skulpturen und Bauwerksdekorationen von Brüsseler Stätten aus dem 13. bis 19. Jahrhundert, Zinn- und Töpferwaren, Silber und Porzellan sowie Wandteppiche aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und Altarwerke aus dem 15. und 16. Jahrhundert präsentiert. Das erste Obergeschoss ist dem Stadtgebiet, dem Grand-Place, der Topographie, den Grünflächen und der Wasserversorgung sowie den verschiedenen Stadtentwicklungsprogrammen gewidmet. Zwei Dioramen zeigen die Stadt Brüssel in ihren frühen Phasen und in der Blütezeit des 16. Jahrhunderts. Das zweite Obergeschoss ist dem Manneken Pis sowie Wechselausstellungen gewidmet.

Werke (Auswahl)

Die Sammlung der Brüsseler Wandteppiche ist eines der Höhepunkte des Museums. Weltweit ist es das einzige Museum, das einen Wandteppich aus dem 16. Jahrhundert zusammen mit dem dazugehörigen, monumentalen Karton präsentiert. Letzterer ist die großformatige Vorlagezeichnung auf Papier, auf deren Grundlage der Wandteppich gewebt wurde. Der Karton stellt das Martyrium des heiligen Paulus dar, stammt vermutlich von Pieter Coecke van Aelst, dem Hofmaler Karls V., und wurde zwischen 1530 und 1535 angefertigt. Er besteht aus rund sechzig auf Pergamentpapier zusammengeklebten Blättern und ist mit Tempera bemalt. Er ist der letzte einer Serie von neun Kartons zur Geschichte des Apostels Paulus. Kartons dieser Art galten als Arbeitsdokumente und wurden nach Gebrauch meist vernichtet. Es ist deshalb außergewöhnlich, dass dieses Stück erhalten blieb und in seiner Entstehungsstadt aufbewahrt wird. Das Museum besitzt zudem eine ebenfalls zu diesem Zyklus gehörende Tapisserie, die am Ende des 17. Jahrhunderts vom Brüsseler Weber Albert Auwercx in Zusammenarbeit mit Jan II. Leyniers und Willem van Leffendael nach dem Karton gewebt wurde. Zwischen 2014 und 2017 wurde der Karton einer aufwendigen Restaurierung unterzogen, an der zehn belgische und französische Restauratoren beteiligt waren.

Besondere Kunstwerke mini|Jérôme Du Quesnoy l’Ancien (1570–1641): Manneken Pis, Originalbronzeskulptur im Musée de la Ville de Bruxelles/Musée de la Ville de Bruxelles Zu den herausragenden Einzelwerken der Sammlung zählen das Gemälde Martyrium der Heiligen Crispinus und Crispinianus des flämischen Malers Aert van den Bossche aus dem Jahr 1490, Gemälde des französischen Historienmalers Charles Meynier aus dem 19. Jahrhundert sowie die Fontaine des Trois Grâces von Niccolò da Corte, Gian Giacomo und Guglielmo della Porta. Ein weiteres herausragendes Werk ist die Originalstatue des Manneken Pis. Letztere ist eine 1619 vom Brüsseler Bildhauer Jérôme Du Quesnoy l’Ancien geschaffene Bronzefigur eines nackten, urinierenden Knaben. Die Darstellung des urinierenden Knaben wurde von Du Quesnoy im barocken Stil gestaltet. Sie geht auf antike griechisch-römische Vorbilder zurück, in denen Amor als nackter Knabe dargestellt wird. Die Figur wurde mehrfach gestohlen, aber jedes Mal wiedergefunden. Nach einem erneuten Diebstahlversuch im Jahr 1965 übergaben die Stadtbehörden die Originalstatue im Jahr 1966 dem Museum. Seitdem befindet sich an dem Brunnen in der Rue de l'Étuve eine Kopie. Das Museum zeigt darüber hinaus originale Skulpturen, die ehemals die Fassade des Rathauses zierten, und gibt einen Überblick über alle künstlerischen Gattungen, die den Ruf der Stadt begründeten.

Garderobe des Manneken Pis In Brüssel besteht seit dem 17. Jahrhundert die Tradition, die Manneken-Pis-Figur bei besonderen Anlässen zu kostümieren. Diese Tradition setzte sich in den folgenden Jahrhunderten fort und intensivierte sich ab den 1980er Jahren. Die Kostüme werden der Stadt geschenkt und sind weder kommerziell noch politisch motiviert. Die Sammlung umfasst mittlerweile mehr als 1000 Stücke aus aller Welt. Bis Februar 2017 waren ausgewählte Kostüme im Museum selbst zu sehen. Im Februar 2017 wurde in unmittelbarer Nähe der Figur an der Adresse Rue du Chêne 19 ein neues, speziell konzipiertes Museum mit dem Namen GardeRobe MannekenPis eröffnet. In der „GardeRobe“ werden rund 150 Kostüme der Sammlung nach Themen wie Geographie, Designer, historische Persönlichkeiten, Berufe, Sport und karnevalistische Folklore geordnet ausgestellt. Die Sammlung wächst kontinuierlich: Jährlich erhält Manneken Pis zwischen 20 und 30 neue Kostüme.

Literatur

Bérengère de Laveleye, Cecilia Paredes (Hrsg.): Le Martyre de saint Paul : renaissance d'un chef-d'oeuvre de papier. Études autour de la restauration d'un carton de tapisserie du XVIe siècle. In: Studia Bruxellae, Nr. 11. Musées et Archives de la Ville de Bruxelles, Brüssel 2019. Elizabeth Cleland (Hrsg.): Pieter Coecke van Aelst : la peinture, le dessin et la tapisserie à la Renaissance. Mercatorfonds, Brüssel 2014.

Weblinks

Région de Bruxelles-Capitale. Inventaire du patrimoine mobilier: Musée de la Ville de Bruxelles Website des Museums Musée de la Ville de Bruxelles. Website in Englisch Bonjour ! Je suis Manneken-Pis La Maison du Roi au milieu du 17e siècle Maison du Roi–Musée de la Ville de Bruxelles Musées et centres d'art

Einzelnachweise

Kategorie:Museum in Brüssel Kategorie:Heimatmuseum in Belgien Kategorie:Historisches Museum Kategorie:Museumsgründung 1887 Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Belgien Kategorie:Bauwerk des Historismus in Brüssel