Als Fertigungsbeschichtung wird eine Schutzschicht bezeichnet, die auf metallische Halbzeuge und ähnliche Zwischenprodukte aufgebracht wird. Meist handelt es sich um Beschichtungen für größere Stahlbauteile, wie sie z. B. im Schiffbau eingesetzt werden. Der teils sehr weit verbreitete englische Begriff ist shop primer.
Der Name Fertigungsbeschichtung bezieht sich darauf, dass die Beschichtung nach Herstellung der Halbzeuge für eine darauffolgende Fertigung aufgebracht wird. Sie soll das Halbzeug bei der Lagerung und auch beim Verarbeiten schützen. Andererseits soll die Beschichtung auch die weitere Verarbeitung nicht stören. Durch diese Anforderung werden Fertigungsbeschichtungen für bestimmte Arten von Materialien und Einsatzzwecke optimiert.
Im Schiffbau werden die Stahlteile, insbesondere Platten und größere Elemente nach dem Zuschnitt oder auch nach dem Sandstrahlen mit einer Fertigungsbeschichtung versehen. Diese schützt vor Flugrost, Korrosion durch Feuchtigkeit und vor schädlichen Partikeln und Flüssigkeiten. Während der Verarbeitung reduziert sie die Schäden durch Schweißspritzer. Die Beschichtung muss nicht eigens entfernt werden, bevor Teile mittels Schweißen zusammengefügt oder durch Brennschneiden bearbeitet werden. Dabei soll die Entwicklung gefährlicher Gase und Partikel kontrolliert und minimiert werden, die Schmelze beim Schweißen vor schädlichen Verunreinigungen geschützt werden und eine wirtschaftliche Schnittgeschwindigkeit erreicht werden.
Die Verwendung von Fertigungsbeschichtungen wird in DIN EN 10238 im Rahmen der Herstellung von Stahlbauteilen eingeführt. Dort werden als Basis u. a. verschiedene Kunstharze genannt, die als Zuschlag entweder Eisenoxid oder Zinkstaub enthalten sollen. Diese Zuschläge erlauben einerseits eine Erkennung der Beschichtung durch ihre Färbung bzw. Reflexion, andererseits erhöhen sie die Abriebfestigkeit und verhindern Korrosion. Die Norm nennt eine Trockenschichtdicke von 20 μm±5 μm.
Genaue Eigenschaften von Fertigungsbeschichtungen sind jedoch für den Einsatzzweck festzulegen, also zwischen Auftraggeber und Hersteller der Halbzeuge zu vereinbaren. Die Normenreihe ISO EN 17652 erläutert jedoch, wie wesentliche Eigenschaften zu prüfen sind, damit diese als Vertragsgrundlage für die Herstellung von Stahlbauteilen festgelegt werden können. ISO EN 17652-2 beschreibt Schweißtest und Bruchprüfung und erklärt, wie die Ergebnisse in einem Prüfbericht festzuhalten sind. ISO EN 17652-3 behandelt das Brennschneiden beschichteter Platten. Neben den Prozessparametern ist das Ziel des normierten Prüfprozesses vor allem, die maximale Schneidgeschwindigkeit beschichteter Bauteile zu bestimmen und diese darüber mit unbeschichteten Bauteilen zu vergleichen. Dies schlägt sich in dem Reduktionsfaktor für die Schneidgeschwindigkeit nieder. Auch hier soll in erster Linie eine eindeutige Dokumentation darüber geschaffen werden, wie die Beschichtung die Weiterbearbeitung beeinflusst. ISO EN 17652-4 definiert schließlich den Versuch, in dem die Emissionen der Beschichtung bei Schweiß- und Trennarbeiten bestimmt werden sollen. Im Schweißrauch sollten mindestens die Gehalte von Fe Mn Zn Cu Pb Cr(T) und F gemessen werden. Die Gase NO NO2 und CO sollen mengenmäßig erfasst werden. Organische, gasförmige Giftstoffe sollten zusätzlich analysiert werden, wenn sie in relevanten Mengen frei werden. Aus den Ergebnissen ist ein Prüfbericht zu erstellen, der es dem Kunden ermöglicht Arbeits- und Umweltschutzmaßnahmen bei der Weiterverarbeitung einzuhalten. Die Norm spricht auch von der Erstellung eines Rauchmerkblattes.
Einzelnachweise
Kategorie:Stahlbau Kategorie:Beschichtungswerkstoff