Die Baalsbrugger Mühle war eine Wassermühle im Nordosten von Kerkrade in der niederländischen Provinz Limburg. Sie befand sich am Baalsbruggerweg an der Wurm, der die Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland bildet, und lag in Flussrichtung oberhalb der Bannmühle Herzogenrath und unterhalb der Nievelsteiner Mühle. Ein erster Mühlenkomplex wurde im 12. Jahrhundert errichtet und 1673 durch eine Neuanlage ersetzt. Im Jahr 1974 wurde der Mühlenbetrieb stillgelegt und die Mühlengebäude zu Wohnzwecken umgebaut. Seit November 2008 ist der 1967Baalsbruggerweg 28, 6464 EL te Kerkrade, Eintrag Baalsbruggermolen auf monumentenregister.cultureelerfgoed.nl unter Denkmalschutz gestellte Mühlenkomplex Infopunkt der Grünmetropole der Interreg.

Geschichte Wie die Annales Rodenses berichten, wurde bereits zwei Jahre nach der 1104 gegründeten Abtei Rolduc unweit der Klosteranlage eine erste Getreidemühle an den Ufern der Wurm erbaut, die die dortige Versorgung mit Getreideprodukten sicherstellen sollte. Zusammen mit der Abtei kam die Mühle im Jahr 1136 auf Veranlassung von Walram III. von Limburg unter die Schirmherrschaft der Herzöge von Limburg, die Besitzer des Landes waren und damit als Lehnsherren auftraten. So wird beispielsweise 1359 ein gewisser Gerlach von Montjardin (1320–1389) in den Annalen erwähnt, der neben anderen Gütern auch mit der Mühle belehnt worden war und Zins (Pacht) an den Herzog zahlen musste. Um 1420 entschieden die Landesherren, sowohl die Abtei als auch die Bauern von Merkstein und Umgebung vom Mühlenzwang in Herzogenrath zu befreien und dass sie fortan ihr Getreide in der „Mühle zu Baelsbergen“, wie sie zu jener Zeit genannt wurde, mahlen sollten, womit diese zur Bannmühle erhoben worden war. Aus dem am 2. April 1437 von Abt Joannes van Vorstheim von Rolduc abgeschlossenen neuen Pachtvertrag mit Paulus van Baist geht zudem hervor, dass der Mühlenkomplex mittlerweile aus zwei Mühlen bestand, nachdem die Getreidemühle um eine Ölmühle ergänzt worden war.

Die Ölmühle wurde Jahrzehnte später ebenso aufgegeben wie auch Ende des 16. Jahrhunderts die Getreidemühle, nachdem diese durch den Bau der Nievelsteiner Mühlen im Jahr 1566 in große wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, woraufhin die Mühlengebäude zunehmend verfielen. Erst Abt Petrus Melchioris van der Steghe ließ im Jahr 1673 einen neuen Mühlenkomplex, jetzt unter der Pacht der Abtei, an alter Stätte errichten, den sein Nachfolger, Abt Johannes Bock, mit einem neuen Pächterhaus, dazugehörenden Stallungen und weiteren Wirtschaftsgebäuden ergänzte. Dessen Nachfolger, Abt Nikolaus Heyendal, veranlasste 1714 den Bau einer zweiten Getreidemühle und einer neuen Ölmühle sowie einer Abteibäckerei, womit die Mühle über drei unterschlächtige Wasserräder sowie zwei Mahlwerke für Getreide und ein Mahlwerk für Öl verfügte. Heyendahls Nachfolger, Abt Franziscus Rauschaw, ließ im Jahr 1737 den Zufuhrkanal zum Mühlrad neu anlegenMühlgraben der Baalsbrugger Mühle, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digitales, abgerufen am 20. Februar 2026 und 1745 die alte Fachwerkscheune durch eine neue steinerne Kornscheune mit einem Keller an der westlichen Seite ersetzen sowie die Bäckerei ausbauen und an der Südseite zwei Rundbogentore mit Stallungen hinzufügen, die im Osten von der Wurm begrenzt wurden, wodurch die Mühle einen Innenhof erhielt.

Mit dem Einmarsch der Franzosen und der damit einhergehenden Säkularisierung der Klöster wurden 1796 auch die Abtei Rolduc und ihre Bestandsbauten versteigert, wobei der vormalige Professor für Theologie in Rolduc und nunmehrige Pfarrer in Afden bei Herzogenrath Simon Peter Ernst den Mühlenkomplex ersteigerte. Diesen Mühlenkomplex verkaufte er 1804 an den Aachener Nadelfabrikanten Stefan Wilhelm Joseph Beissel (1751–1819), der sie seinem Sohn Stefan Franz Beissel (1779–1830) vererbte.

In den Folgejahrzehnten wechselten die Eigentümer mehrfach, wodurch es auch zu Veränderungen, Ergänzungen und Modernisierungen an der Mühle kam. Unter Adam Hintzen wurde die Mühle im Jahr 1866 zu einer Mehlfabrik umgebaut, wobei dessen Nachfolger Caspar Rock die Ölmühle wegen Baufälligkeit stilllegte und abriss. Der nächste Besitzer Frans Wackes ließ die Mühle 1894 wiederum versteigern, wodurch Frans Sanders aus Oirsbeek in der Gemeinde Beekdaelen den Zuschlag erhielt. Er ließ zunächst ein neues Wasserrad installieren, musste aber zunächst wegen der unklaren Wasserrechte prozessieren. Sein Nachbesitzer Eugene Hoenen aus Roermond erhielt am 9. September 1916 die Genehmigung, das alte Wasserrad, das durch eine Überschwemmung zerstört worden war, durch eine Francis-Turbine zu ersetzen und einen Turbinenraum einzurichten. Im gleichen Jahr teilte Hoenen den Gesamtkomplex auf, wobei er Wohnhaus, Scheune und Stallungen verkaufte und den Mühlentrakt beibehielt. Unter seinem Nachfolger Mathieu Huynen aus Epen in der Gemeinde Gulpen-Wittem wurde die Mühle im Jahr 1957 im Rahmen der Mühleninventarisierung der Provinz Limburg landschaftlich und wirtschaftsgeschichtlich als sehr wertvoll eingestuft. Huynen ließ zwischen 1962 und 1970 zwar mehrere Sanierungsarbeiten an Staumauer und Schleusen durchführen, konnte aber den Verfall des Mühlengebäudes nicht mehr aufhalten. Schließlich entschied er, die Wasserrechte am 13. Dezember 1974 an die Gemeinde Kerkrade zu verkaufen und die Mühle endgültig stillzulegen. Nach seinem Tod führten seine Witwe und die Kinder den Betrieb als Handelsgeschäft für Tierfutter und Düngemittel zunächst weiter, planten aber 1991, die Mühle wiederherzurichten, was sich jedoch nicht umsetzen ließ.

Im Jahr 2003 erwarb Marga Wolthuis aus Hilversum die Mühle, die für eine mögliche Wiederherstellung ihrer Funktion als touristische Mühle die Stiftung „Watermill Foundation“ gründete.Baalsbrugger Mühle / Watermill Foundation, Porträt auf eurode.eu Mit deren Hilfe konnte die seit 1967 unter Denkmalschutz gestellte Anlage zwar grundlegend restauriert und für Besucher und zu Konzertveranstaltungen zugänglich gemacht werden, aber wegen des bürokratischen Aufwands war es bisher nicht möglich, ein neues Wasserrad an der zwischenzeitlich begradigten Wurm zu installieren.

Weblinks

Peter Burggraaf (2016): Baalsbrugger Mühle, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digitales Beatrix Oprée: Konzerterlebnis vor historischer Mühlenkulisse, in: Aachener Zeitung vom 25. Mai 2024 Baalsbruggermolen, Mühlendaten und -geschichte auf molens.nl (ndl.) Baalsbruggermolen Kerkrade, Porträt und Fotos auf waterradmolens.nl (ndl.)

Einzelnachweise

Kategorie:Wassermühle in den Niederlanden Kategorie:Denkmalgeschütztes Bauwerk in den Niederlanden Kategorie:Rijksmonument (Provinz Limburg, Niederlande) Kategorie:Bauwerk in Kerkrade Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in den Niederlanden Kategorie:Getreidemühle Kategorie:Ölmühle Kategorie:Ersterwähnung im 12. Jahrhundert Kategorie:Aufgelöst in den 1970er Jahren