Florian Böhm (* 1. April 1969 in Fulda) ist ein deutscher Künstler, Fotograf und Gestalter. In den 1980er Jahren gehörte er zur frühen deutschen Skateboard-Szene.
Leben
Florian Böhm wurde 1969 in Fulda geboren. Er ist der Sohn des Künstlers Hartmut Böhm. Seit 1990 lebt und arbeitet er überwiegend in München; zwischen 1997 und 2010 hatte er einen weiteren Arbeitsmittelpunkt in New York. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist er als Fotograf, Gestalter und Herausgeber in angewandten und publizistischen Kontexten tätig.
Künstlerische Arbeit
Böhms Arbeit umfasst fotografische Serien, konzeptuelle Projekte sowie Publikationen im künstlerischen Kontext. Im Zentrum steht häufig die Auseinandersetzung mit urbanen Räumen, visuellen Codes und gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen dokumentarischem Ansatz und konzeptioneller Setzung. Ein wiederkehrendes Element seiner Praxis ist die Verbindung von Fotografie und Buchgestaltung.
Endcommercial (1997–2002)
Internationale Beachtung fand das gemeinsam mit Wolfgang Scheppe und Luca Pizzaroni realisierte Projekt Endcommercial® – Reading the City (Hatje Cantz Verlag, 2002).New York Photo Books: “Böhm/Pizzaroni/Scheppe: End Commercial”, 27 June 2020. https://newyorkphotobooks.com/2020/06/27/bohm-pizzaroni-schede-end-commercial/ Das Projekt umfasst ein digitales Bildarchiv von über 60.000 Fotografien und untersucht visuelle Zeichen und urbane Codierungen im Stadtraum von New York City. Das Buchprojekt wurde von Martin Parr und Gerry Badger in The Photobook: A History, Vol. II (2006, S. 325) berücksichtigt.Martin Parr; Gerry Badger: The Photobook: A History, Volume II. Phaidon Press, 2006, ISBN 978-0-7148-4433-6, S. 325.
Das Projekt wurde international ausgestellt und unter anderem im Storefront for Art and Architecture (New York),Storefront for Art and Architecture: Endcommercial®, 2002. https://storefront.nyc/program/endcommercial/ bei den KW Institute for Contemporary Art (Berlin)KW Institute for Contemporary Art: Productions 1–3. https://www.kw-berlin.de/en/exhibitions/productions-1-3 sowie in der Fondazione Adriano Olivetti (Rom) gezeigt.Exibart: „EndCommercial® Roma“, 2002. https://www.exibart.com/roma/fino-al-4-x-2002-endcommercial-roma-fondazione-olivetti/ Eine weitere Präsentation erfolgte im Haus der Kunst in München.art-in.de: Ausstellung „EndCommercial®“, Haus der Kunst München, 13.09.–20.10.2002. https://www.art-in.de/ausstellung.php?id=248Kunstforum International: Michael Hauffen, „EndCommercial®“, Haus der Kunst München, 13.9.–8.12.2002. https://www.kunstforum.de/artikel/endcommercialr/
Le Monde berichtete über das Projekt und erwähnte eine Projektion in der Fondation Cartier pour l'Art Contemporain in Paris.Le Monde: „New York décryptée par accumulation d’images“, 5. Dezember 2002. https://www.lemonde.fr/archives/article/2002/12/05/new-york-decryptee-par-accumulation-d-images_300920_1819218.html
Wait for Walk (ab 2005)
Mit der Serie Wait for Walk dokumentiert Böhm Fußgänger an New Yorker Straßenkreuzungen während der Wartephase an Ampeln. Das Projekt untersucht urbane Infrastruktur sowie die Beziehung zwischen Individuum und öffentlichem Raum.
2007 erschien die Monografie Florian Böhm – Wait for Walk im Hatje Cantz Verlag.Hatje Cantz: Florian Böhm – Wait for Walk. https://www.hatjecantz.de/products/15693-florian-boehm
Die Serie wurde unter anderem im Münchner Stadtmuseum gezeigtMünchner Stadtmuseum: FORUM 011 – Florian Böhm – Wait for Walk, 2008. https://www.muenchner-stadtmuseum.de/archiv und bei Storefront for Art and Architecture in New York präsentiert.Storefront for Art and Architecture: Performance U – Florian Böhm. https://storefront.nyc/program/performance-u-florian-boehm/
Die Arbeit war Bestandteil der internationalen Ausstellung Civilization – The Way We Live Now, die unter anderem in London (Saatchi Gallery), Melbourne (National Gallery of Victoria) und Marseille (Mucem – Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée) gezeigt wurde.Saatchi Gallery: Civilization – The Way We Live Now. https://www.saatchigallery.com/exhibition/civilization_the_way_we_live_nowNational Gallery of Victoria: Civilization – The Way We Live Now. https://www.ngv.vic.gov.au/wp-content/uploads/2019/04/LargePrintLabels_Civilization.pdfMUCEM: Civilization – The Way We Live Now. https://mucem.org/en/expositions/civilization/
Über das Projekt berichteten unter anderem Der SpiegelDer Spiegel: „Die Macht der roten Hand“, 19. August 2007. https://www.spiegel.de/panorama/die-macht-der-roten-hand-a-0a7ed1d8-0002-0001-0000-000052637609 sowie der Tagesspiegel.Tagesspiegel: „Warten auf Grün“, 25. August 2007. https://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/warten-auf-grun-1538971.html
FILEDUNDER (2011–2016)
Von 2011 bis 2016 realisierte Böhm gemeinsam mit Annahita Kamali das Kunst- und Publikationsprojekt FILEDUNDER/, das sich mit der Beziehung zwischen Bild, Materialität und Publikation auseinandersetzte. Das Projekt veröffentlichte fotografische Arbeiten als limitierte textile Editionen und operierte an der Schnittstelle von Kunst, Mode und Objekt.Its Nice That: Filed Under. https://www.itsnicethat.com/articles/filed-under
Im Rahmen des Projekts erschienen Editionen verschiedener Künstler, darunter Florian Süßmeier.FILEDUNDER: Selbstportrait Lindwurmstraße. http://filedunder.net/edition/selbstportrait-lindwurmstrasse
Präsentationen fanden unter anderem in Wien, New York, Paris, Berlin und München statt, darunter im Kontext von AltaRoma in Rom.Artribune: Les Objets Singuliers – FILEDUNDER/, 2012. https://www.artribune.com/mostre-evento-arte/les-objets-singuliers/
Gestalterische und angewandte Tätigkeit
2014 gründete er gemeinsam mit Annahita Kamali das Studio AKFB, das im Bereich Markenkommunikation und Publikationsgestaltung tätig ist. Das Studio entwickelt visuelle Systeme und Identitäten mit einem Schwerpunkt auf der Entwicklung eigenständiger, markenspezifischer Bildsprachen in Fotografie und Film.Its Nice That: “AKFB: Everything is Connected for Vitra”. https://www.itsnicethat.com/articles/akfb-everything-is-connected-vitra Seit 2016 verantwortet AKFB die Creative Direction des Designmagazins Disegno.Its Nice That: “Studio AKFB redesigns Disegno magazine”, 18 April 2016. https://www.itsnicethat.com/articles/studio-akfb-disegno-magazine-redesign-180416Disegno Journal: “Zona – Studio AKFB / Mattiazzi”. https://disegnojournal.com/newsfeed/zona-studio-akfb-mattiazzi
Publikationen (Auswahl)
Böhm, Florian; Pizzaroni, Luca; Scheppe, Wolfgang: Endcommercial® – Reading the City. Hatje Cantz Verlag, 2002. ISBN 978-3-7757-1221-7. Böhm, Florian (Hg.): KGID. Konstantin Grcic Industrial Design. Phaidon Press, 2007. ISBN 978-0-7148-4791-7. Böhm, Florian: Florian Böhm – Wait for Walk. Hatje Cantz Verlag, 2007. ISBN 978-3-7757-1907-0. Böhm, Florian; Kamali, Annahita (Hg.): Commedia dell’Arte – Couture Edition. Birkhäuser Verlag, 2010. ISBN 978-3-0346-0544-1. Kamali, Annahita; Böhm, Florian: Cookbook Book. Phaidon Press, 2014. ISBN 978-0-7148-6750-2. Böhm, Florian; Kamali, Annahita (Hg.): Everything Is Connected. Gestalten Verlag, 2014. ISBN 978-3-89955-554-7. Böhm, Florian: Or-Or: Hartmut Böhm. Snoeck / Daimler Art Collection, 2016. ISBN 978-3-86442-187-7. Jacobsen, Marianne Preus (Hg.); Kamali, Annahita; Böhm, Florian (Co-Hg.): Making the Plus. Hatje Cantz Verlag, 2024. ISBN 978-3-7757-5423-1.
Skateboarding und frühe publizistische Tätigkeit
Böhm war seit 1981 Teil der frühen deutschen Skateboard-Bewegung. Er war Mitglied des Titus-Skates-Teams und erhielt eigene Pro-Modelle bei Titus sowie später beim US-amerikanischen Hersteller G&S (Gordon & Smith), einer der international etablierten Skateboard-Marken der 1980er Jahre. 1988 gewann er in Berlin die Deutsche Meisterschaft in der Disziplin Halfpipe.Der Spiegel: „Wheelies und Ollies“, 30. April 1989. https://www.spiegel.de/sport/wheelies-und-ollies-a-7ee6cfe2-0002-0001-0000-000013493395 Im selben Jahr erreichte er bei den Europameisterschaften in Prag den dritten Platz.
1989 berichtete Der Spiegel ausführlich über ihn im Zusammenhang mit der deutschen Skateboard-Szene. Im historischen Rückblick auf die Entwicklung des Vert-Skateboardings in Deutschland wurde Böhm vom internationalen Dachverband World Skate im Kontext der prägenden Fahrer der 1980er Jahre genannt.World Skate: Vert Skateboarding in Germany. https://www.skateboarding.worldskate.org/news/1465-vert-skateboarding-in-germany.html
In den 1980er Jahren dokumentierte Böhm die Skateboard-Szene intensiv fotografisch; zahlreiche seiner Aufnahmen erschienen in deutschen und internationalen Skateboard-Magazinen. Von 1986 bis 1988 war er als Gestalter und als Teil der Redaktion am Monster Skateboard Magazin in Münster beteiligt; das Layout des Magazins verantwortete er in dieser Zeit. Für das US-amerikanische Magazin Poweredge entwickelte Böhm gemeinsam mit weiteren Beteiligten die Konzeption einer „European Section“ und produzierte dafür redaktionelle Beiträge und Fotografien.
Gemeinsam mit Markus Rieger veröffentlichte er im Falken Verlag das Sachbuch Skateboard – Material, Technik, Fahrpraxis. Er wirkte zudem als Interviewpartner im Dokumentarfilm Asphaltsurfer – Die Geschichte des deutschen Skateboarding (2014) mit.Crew United: Asphaltsurfer – Die Geschichte des deutschen Skateboarding. https://www.crew-united.com/de/Asphaltsurfer-Die-Geschichte-des-Deutschen-Skateboarding__137921.html
Weblinks https://www.florianboehm.com https://www.akfb.com/
Einzelnachweise
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