mini|Stellawerk-Mahnmal Bergisch-Gladbach-Heidkamp, 2026 Stellawerk war der Name einer 1897 gegründeten Fabrik in Bergisch Gladbach-Heidkamp, die in der Zeit des Nationalsozialismus 1933 als frühes Konzentrationslager und später als Ghettohaus genutzt wurde. Eine Gedenktafel erinnert am Ort des Geschehens an diese Verfolgungen.

Geschichte Stellawerk AG 1889 begründete der Unternehmer Hugo Wilisch in Homberg am Niederrhein ein Unternehmen zur Herstellung feuerfester Steine (Schamottsteine). Die Firma trug bis 1905 den Namen Wilisch & Co, danach Stellawerk Aktiengesellschaft vormals Wilisch & Co. Im Jahr 1897 gründete das Unternehmen in einer vier Jahre zuvor stillgelegten Zementfabrik in Wiese bei Heidkamp eine seiner Zweigniederlassungen. 1918 waren in der Firma etwa 380 Personen, davon 180 Kriegsgefangene beschäftigt. 1929 wurde Stellawerk AG von der Didier-Werke AG erworben. Das Werk in Heidkamp wurde infolge der Weltwirtschaftskrise 1932 stillgelegt.Albert Eßer: Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Bergisch Gladbach, Band 9). herausgegeben vom Stadtarchiv Bergisch Gladbach. Bergisch Gladbach 2006, S. 270, 271, 315, 347, 365, 387. ISBN 3-9804448-6-4

Frühes Konzentrationslager Leerstehende Räume auf dem Werksgelände stellte Konrad Friedersdorff, Direktor der Firma und Mitglied der NSDAP, für die Aktivitäten der Partei zur Verfügung. In den Räumen des Stellawerks wurden in der Zeit vom 29. Juni bis zum 3. Juli 1933 „Schutzhäftlinge“ der SA untergebracht.

Nachdem am Abend des 28. Juni 1933 auf dem Gelände der Papierfabrik Zanders kommunistische Flugblätter verteilt worden waren, führte in der darauf folgenden Nacht die politische Leitung der NSDAP mit der SA und der Polizei in Bergisch Gladbach eine Razzia durch, bei der Kommunisten verhaftet wurden. Ein Teil der Verhafteten wurde im Polizeigefängnis des Rathauses inhaftiert. 29 Gefangene wurden in Räume der stillgelegten Fabrik Stellawerk gebracht und dort misshandelt. Die Vorgänge im Stellawerk führten zu Beschwerden aus der Bergisch Gladbacher Bevölkerung. Josef Grohé, der berüchtigte Gauleiter des NSDAP-Gaus Köln-Aachen, besichtigte daraufhin das Gefangenenlager in Heidkamp und ordnete dessen Schließung an.Paul, Vom Volksrat, 82; Johann Paul: „Eingehende Kreuzverhöre“. Das Schutzhaftlager Stellawerk in Bergisch Gladbach, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.): Instrumentarium der Macht. Frühe Konzentrationslager 1933–1937, Berlin 2003, 171–178, 176. Die Insassen wurden entlassen oder auf andere Lager verteilt.

Die Inhaftierung politischer Gegner durch die SA auf dem der NSDAP zur Verfügung stehenden Gelände des Stellawerks wird als Einrichtung eines „frühen“ Konzentrationslager bezeichnet. Dass dieses Lager von der SA in Zusammenarbeit mit lokalen Polizeibehörden betrieben wurde und nur einige Tage im Jahre 1933 Bestand hatte, gilt für solche Lager als charakteristisch.Johannes Tuchel: Organisationsgeschichte der „frühen“ Konzentrationslager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.): Instrumentarium der Macht. Frühe Konzentrationslager 1933–1937, Berlin 2003, 9–26, insbesondere 15. mini|Direktorenhaus des Stellawerks, Bensberger Straße mini|Stellawerk Heidkamp Direktorenhaus Rückseite mit Haus 188a, 2026

Ghettohaus Werksgebäude, Schornsteine und Öfen des ehemaligen Stellawerks wurden um 1935 abgebrochen. Die heute denkmalgeschützte Direktorenvilla an der Bensberger Straße 188 sowie weitere Bürogebäude an der heutigen Adresse Scheidtbachstraße 2 blieben erhalten. In diesem Bereich bezog im Frühjahr 1939 an der Bensberger Straße 188a der als Jude rassisch verfolgte Chemiker Ernst Danzig eine Wohnung, die er gemeinsam mit der Hausangestellten Erna Kahn bewohnte. Im August 1941 wurden auf Anordnung der Staatspolizeistelle Polizeistelle Köln die 39 im Kreisgebiet verbliebenen Menschen jüdischer Herkunft in die übrig gebliebenen Gebäude des Stellawerks im Rahmen ihrer bevorstehenden Deportation zwangsweise eingewiesen. Dazu gehörten 1942 der Kaufmann Reinhold Joschkowitz und seine Mutter Elise (ehemals An der Tent 2) sowie Frau Henriette Zimmermann (Ahornweg 9).Myrle Dziak-Mahler/Albert Eßer/Lothar Speer (Hrsg.): „Intoleranz gegen alles andere!“ Quellen zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte 1933–1945, Bergisch Gladbach 2008, 85–87 und 71–72; Paul Vom Volksrat, 158. Als Ernst Danzig 1942 eine Mitteilung über die ihm bevorstehende Deportation erhielt, nahm er sich durch Gift das Leben. Erna Kahn wurde in das Ghetto Theresienstadt und 1943 weiter nach Auschwitz deportiert. Elise und ihr Sohn wurden vom Ghettohaus zunächst in das Deportationslager Köln-Müngersdorf gebracht und 1943 über Berlin nach Theresienstadt. Dort wurde Elise vorsätzlich mit Typhus infiziert, woran sie 1944 starb. Reinhold wurde in Theresienstadt befreit, kehrte an Tuberkulose schwer erkrankt nach Gladbach zurück und starb 1952. Henriette Zimmermann brachte man vom Ghettohaus 1942 ins KZ Theresienstadt und von dort weiter nach Treblinka, wo sie ermordet wurde. Stolpersteine erinnern an die Opfer.

Gedenken Zur Erinnerung an die an diesem Ort begangenen Verbrechen wurde 1990 an der Außenmauer des Grundstücks Richard-Zanders-Straße 110 eine Gedenktafel angebracht. Die Gedenkstätte und ihre nähere Umgebung werden für Veranstaltungen zur Mahnung und zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus genutzt.

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Einzelnachweise

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